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KC-Blätter · 1912-11-01 · Heft 2 (1.11.1912) · p. Seite 47

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 2 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
Seite 47 (sequence 19)
Language
German
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,yi beklagen. Die (Srfafirmifl Ijat gelehrt, das; diejeilige«; deutschen Zikaden liker, die selbst nutz der Ostmark ftamnu'n und ihre ganze Studienzeit im Westen oder Süden des Reiches zubringen, später der Ostmark den Rücken kehren und sich draußen im Reiche niederlassen. Il m diesen« d e n O st e ll z n f e s s e l n. bedarf es ill Paseu einer Universität, die gleichzeitig die Krönung einer Jahrzehnte langen .K ultur- Politik bedeuten würde. Mit preußischen Bajonettell und AnsiedeltUtgSgesetzen allein ist es in der Ostmark nicht getali. Uln diese zu beherrschen, wird mail sie g c i st i g erobern nlüssen. Davon kann uidjt die Furcht zurückhalten, daß die Segnungen deutscher Zkultur etwa allch dell polnischen BevölkerlUlgSteil zu Gute konnnen wird. Eine Kulturpolitik die nicht beiden Bevöikernngsteilen nützt', kann keinen Bestand haben. Das Bestreben muf? vielmehr darauf gehen, alle Bevölkernngsteile an dell Staat zll fesseln, iubctt; mau *if)tieti gleichermaßen die Segnungen staatlicher Kultur znkolnlllen läßt nlld so ihr Wohl mld Wehe an das des Staates selbst knüpft. Wenn der A ll s b a ll d e r A k a d e lll i e i n P o s e ll z ll r ll ll i v e r s i t ä t sich lliiter diesen; Zeichen vollziehen >v:rd. dailn ivird es uns um i h r e Ent w i cf 1 u i; g ebenso wenig jemals bange zu sein brauchen wie um die Zukunft des D e u t s ch t n m sind e r O st m a r k! -iq« * C>dvtV'axv,=^ lof=(ftol'6. 'iUni >>i>. SUfrob 5li> o I f f;VlUnuiae). Viffa. In dem Zeitpunkt, da mir uns rüsten, die Jahrhundertfeier der Freiheitskriege und der Erhebung Preußens festlich zu begehen, da bietet sich für uns eine vortreffliche Gelegenheit, einen Rückblick zll tun auf die danials eillsetzende Entwicklung unseres Vaterlandes. Dieser Rückblick braucht lllls in seiner Hinsicht zu enttäuschen. Ein Bild aufstrebender Größe bot das jltnge Preußen: in; Geistesleben ein frischer, lebendiger Aufschwung; in der illneren Politik die Loslösung vor; veralteten und verstaubten Ueberresten des Feudalwesens; endlich ein bederttender kriegerischer Erfolg, die Befreiung ganz Deutschlands vor; der napoleonischen Fremdherrschaft. Diese erfreulichen Zustände spiegelter; sich wieder in den; Leben und Treiben, das.damals aitf Dentschlands hohen Schüler; pulsierte. Eir; neuer Geist war über die Studentei; gekon;n;er;. Die alten, feudalistischen Landsn;al;uschafter;, ir; der;er; «loch der düstere Pemmlislnus eine Knltstätte besaß, verloren in;n;cr mehr an Boden der; jngendfrischcl;, von echter Vaterlandsliebe erfüllter; Burschenschaftell gegenüber. Hatten sich doch diese kein nrlderes Ziel gesteckt, als die unzähligen Klei;;staaten zu vereinige»; Uk;d das alte Derttsche Reich in i;euer Herrlichkeit erstehen Zll lassen? So kan; es. daß sich der junge Verband die delltscher; Rationalfarben jener Zeit zu seinen Bnndesfarben erkor. Ein schwarz rvt-goldel;es Band zierte die Brust des dentschen Burschen. Eii; stolzes Synlbol für Deutschlands Einheit! Dranßei; im Lallde jedoch war es mit den Jahren anders geworden, und dir Regierungen der Bundesstaaten erlaubten sich, anders zu denken als die hoffnungsfreudigen Burschen. Blau hielt es ja nicht einmal für nötig, die den; Volke versprochenen Verfassungen einznsetzen; geschah es hier tti;d da doch, so ging es nicht ohne heißen .Stampf ab. Wie fällte auch die All herrsche rin Reaktion, deren vornehmste Aufgabe es lvar, sich als Hüterii; des dentschen PartiknlarismuS a;;fzuspielen, für die idealen Pläne der Studenten Verständnis haben! Im Gegenteil, wer anders dachte als die regierel;den Herren, der sollte feinen Leichtsinn schon büßen. Und da eben die Deutsche Burschenschaft «licht nur die Hüterin des Reichsgedaukens. fimbcm auch der Hort der am meisten verpönten liberalen lind verfassungssrelldigen Gesinnung waren, so wurdet; sie den n;«ßgebei;det; Kreisen bald eilt Dorn im Auge. ^toch aber hatte man keilte Handhabe, gegen sie einznschreiten. Jedoch sollte!« die Reaktio- «läre nicht lange warten. Durch einige unbedentende Uebergrisfe auf den; Wartburgfeste, lediglich Akte jugendlichen Ueberintlts. und durch die Ermordung Kotzebues erhielten sie die wiltkommeile Gelegenheit, die akadenüsche Freiheit erheblich einzuschränken nlld schließlich die Burschenschaften gallz zu verbieten. Ueberhaupt winde jeder, der die schwarz-rot-goldenen Farben trug — lnorhte er eilten; Tltrlwereil; angehören oder Bursch sei«; — erbarmungslos wegen demagogischer Unrtriebe allgeklagt l;nd mußte Jahre lang hinter d;u;klen Kerkermauern schmachten. Gleichwohl bliebet; fast Alle ihre«; Berbittduugett treu, lli;d manch eitler barg das verehrte Band unter den; Rocke, un; die trauten Farben selbst dann nicht missen zu brauchen, da eS gesetzlich verboten lvar, die Brust damit zu schmücken. 50 Jahre später! Auch eine gewaltige kriegerische Tat, ein ltngeahllter Aufschwllng Deutschlands. die heißersehnte Einigung vollzogen! Und miedernn; als Folgeerscheinung düsterste Reaktion! Aber sie trifft nicht alle Deutsche. Dagegen bringt sie eiliengecillgellTeil, dersich i«; jahrhurldertelangem Kampfe mühsam seine Gleichberechtig;n;g errungen hat, um Jahrzehnte zurück. Schm; klopft der Antisemitismus an die Tore der Hochschulen;

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