KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 2 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 46 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2268830-2268832-2268835--0652-2269862- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
46 sind vorwiegend nationaler Art. ' Man befürchtet einmal, daß an einer Posener Bottuniversität der Besuch der polnischen Studenten bedeutend stärker als der der deutschen sein würde, sodas; die Universität leicht das Gepräge, einer polnischen anstatt einer deutschen Universität bekommen könnte. — Ferner befürchtet mau, daß die polnische Studentenschaft in Posen die Gemiiter der eingesessenen polnischen Bürgerschaft durch ihre nationale Propaganda erhitzen und Posen zu einer Zentrale nationalpolnischer Verschwörungen machen könnte. So einleuchtend diese Gründe im ersten Augenblick erscheinet!, so ivenig haltet! sie bei näherer Prüfung stand, und zahlreich sind anßerdettt die Vorschläge, die gemacht worden sind, nm die etwa drohende Gefahr einer Polonisiernng der Posener Utliversität zu verhindern. Am weitesten geht hierbei der Kieler llniversitätsprofessor Dr. Engen Wolfs, der alle Stnd e »l t e n in i t polnische r SM utter - s p r a ch e von vorltherein vorn Besuche der llniversität a n s s ch ließet! will. Abgesehen davon, das; es ganz undurchführbar wäre, eine solche Sichtung in Studenten deutscher und polnischer Zunge vorztlnehlnen, ist der Vorschlag auch deswegen znrückzlttveisen, weil er den Grundsätzen der Rechtsgleichheit aller deutschen Bürger ins Gesicht schlägt und nur neue Erbitterung ans lösen würde. Vielen; Widerspruche wird attch der Vorschlag von Professor Buch Holz begegnen, nur Reichsdeutsche zum Besuche der Posener Universität znznlassen. Wenn cs auch richtig ist, das; der preußische Staat keine Veranlassung hat, Universitütszuschüsse für ausländische Studenten zu zahlen, so ist doch anderseits der inoralische Einfluß und die Konsequenz des Neziprozitütsverhältnisses nicht zu unterschätzen. Alan tvird gut tun, in Bezug auf die Ausländer nicht gar zu engherzig und ängstlich zu sein. Selbst tvenn inan nämlich annehnten würde, daß alle in Deutschland studierenden P o len d e l« t s ch er Staats a n gehör! g - teil s i ch i n P 0 s e n s a m n; e l u iv ii r den, so würde damit keineswegs die deutsche Studentenschaft zahlenmäßig erdrückt werden. In seiner kürzlich erschienenen Brochüre „Akademje oder llniversität in Posen?" beschäftigt sich der verdienstvolle Oberbürgermeister von Posen IW i l in s eingehend mit der Frage, w i e s i ch z a l) l e n;n ä ß i g d a s B e r h ä l t n i s d e r d e u t s ch e n n n d d c r p o l n i s ch e n S t n d e n lenzn einauder au ciner Posener Universität gestalten würde. Er prüft die Frequenz der Polen an den deutschen Hochschulen und kommt dabei zu dem überraschenden Ergebnisse, daß selbst bei Einrichtung der von den Polen stark bevorzugten medizinischen utld theo, logischen Fakultäten eine große Mehrheit der deutschen Studenten in Posen vorhanden sein werde. Gesamtzahl: ca. 660*) davon deutsche Studenten 76,4" „ polnische Studenten 2.'!,6" » ohne die Theologen: deutsche Studenten 70,2% polnische Studenten 2U..S " .. n. ohne die Mediziner: deutsche Studenten polnische Studenten A ui g ü n st i g st e n w ü r d e s i ch hier n a ch das Verhältnis für die deutsche. Studentenschaft g e st a l t e n, wen n die llniversität ohne die theologische und ohne die medizinische Fakultät e i n g e r i ch t c t w erde n w ü r d e. Wie steht es nun aber mit der Gefahr der großpolttischen Zentrale in Posert? Wer die Posener Verhältnisse kennt, wird zngebeu. daß die Gefahr einer großpolnischen Propaganda in Posen nur ein Schreckgespenst ist. Längst haben die Polen eingesehen, und sie werden es je länger desto mehr, daß sie sich selbst am ineisten schaden, wenn sie durch allzulante Verherrlichung nativnalpolnischer Träumereien die preußische Negierung Herausforderin Sie nlüssen es sich ja selbst sagen, daß, solange auch nur einer der drei Anteilstaaten existieren wird, an eine Wiederherstellung des Königreiches Polen nicht zil denken ist. Mit Recht weist daher der als studentischer Schriftsteller bekannte Dr. Paul Sz ymank darauf hin,**, daß eine Angst- Politik unmöglich ans die Tauer das Kommen der Posener llttiversilät wird aufhalten können. Selbst wenn gelegentlich i» Posen Verbrüdernngs feste der polnischen Studenten an den drei Kaiserreichen gefeiert tverdcn sollten, so wäre damit trotzdem die llniversität noch kein dauernder Mittelpunkt groß polnischer Propaganda. Allerschlimmstenfalls nürd Negierung und polt tische Polizei schon Alltel und Wege finden, eine allzu rege nationalpolnische Agitation unter dell polnischen Studenten zu verhindern. Die Furcht, daß mit der Einrichtung einer llniversität in Posen den großpolnischen Be strebnngen neue Nahrung zugeführt werden ivird, wird sich vvlc selbst als unbegründet Herausstellen. Atlderfeits bedeutet der jetzige Zustand eine Benachteiligung des deutschen Elements in der Provinz Posen. Schon von jeher war hier das Fehlen einer einheimischen deutschen Führerschaft unter den Akademikern *) Seite 30 der Bruck in e. . **) Pos. Z. v. 14. 1V. u. 12. V. 1912.