KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 2 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 45 (sequence 17)
- Language
- German
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Bereits im Jahre 1519 errichtete der damalige Bischof voll Posen eine Akademie, die imm sich als ein liloderlles Gymnasium mit daran schließender H o ch sch n I e vorstelleil muß; für jene Heit mar dies eine bedellteilde wisselischastliche Errlmgeilschaft. Die polnische Akademie dielt sich ill Poseil öder LM>0 Iahre lang. Erst inl Jahre 17S*) verschivaild sie voll der Bildfläche. — Nachdem Posen inzivischen preußisch geworden lvar, tauchte im Jahre 1794 der Plan einer Posener Universität ans, irnd er schien sich verwirklichen zu sollen. Unl nälnlich die polnische Geistlichkeit für die preußischen Bi ldnngsz wecke zil geivillneil lind sie der deutschen l^eisteskultilr näher 311 dringen, sollten der zu griindenden Universität katholische und evangelische Fakultäten aug e f ü g t werden. Atteill diese Pläne zerschlugen sich. lDie theologischen Lehrstühle lvurderi ill Frankfurt a. O. rmd Königsberg eingerichtet.) Mit d e r p 0 l n i s et) e ll e v 0 l ll t i 0 n i m I a h r c 18HO wandte sich da5 Blatt. Das erstarkte Polentlnn lvollte den im Groß Herz ogtlnn Posen herrschenden nationatpolnischeil Ideell einen R'ückhalt schassen mtb propagierte mm seinerseits die Stiftung einer il a t i 0 n a l p 0 l ll i sch e n ll n i - v e r s i t ä t in Posen. Der danmlige Provinziallandlag, der Magistrat und die Stadtverordneten versanlinlllng von Posen, dainals überwiegend polnisch oder welligsten» polnisch gesinnt, fordertell im Lallfe der folgenden Jahrzehnte ,;u wiedertlotten Malen gebieterisch die Dllrchführllng dieser nationalpolnischen Pläne. Bergebeils — Köllig Friedrich Wilhelm IV. lehnte vorsichtig und höflich, aber darnril uidjt weniger entschieden, diese Anregllng mit dem Bemerken ad, eine Posener Uni versitüt würde — iricht gellügend Besucher haben. Erst in de»l achtziger Jahreil lvitrde ivieder der Ruf eiiicv Universität in Poseir laut; diesvral fam er voll dents ch e r Seite. Dllrch die großzügige, machtvolle. Polenpolitik Bismarcks wurde die allgemeine Aufmerksamkeit im Reiche zuill ersten Male auf die Ostmark gelenkt. Während nämlich auf dem Lande die Ansiedlungskommission Onadratmeilen über Qnadratmeilen Land den polnischen Besihern abkailfte und dlirch Ansiedtiulg deutscher Ballern das Dentschtnm im Posener Lande erstarken ließ, spihlen sich bei bem neuen Polenknrse die nationalen Gegen sä he zrvi scheu der polnischen 1111b der deutschen Bevölkerung immer mehr zu. Blau war sich ans deutscher Seite bald einig darüber, daß durch die Ansiedelnngspolitik allein die polnische Frage llicht beautmortet lverden konnte, daß vielmehr iu dem Kampfe zwischen deutsch itnd polllisch die höhere Geistesknltur den Sieg davontragen würde. Um also das Gewollllelle zu erbalten, mußte mau darauf bedacht sein, tu dem national bedrohten Lalldesteile der dentscheil Wissenschaft Berbreitlmg nub damit der deutschen Geistesknltur Einfluß und lledergeivicht zu versrhasfell. So entstmld im Jahre litt die K ö nig - liche ^lkademie ill Posen mit dem Zweck, „das deutsche Geistesleben in den Ostmarken durch ihre Lehrtätigkeit und ihre wissenschastlichen Bestrebungen zu sörderil". Die Akademie arbeitet von Anfang an mit völlig hoch sch ul nläßigenl Betriebe. Sie gliedert sich wie jede Universität in volkswirtschaftliche, juristische, nledizillisrhe, philosophische etc. Fakultäten und veranstaltet regelmäßig laufende Bvrlesnngeu und Kurse seiteils der Dozenten. Es hieße die Bedeutung .der Posener Akadenlie lllltersrhähen, lvollte man nicht anerkennen, daß sie tatkräftig und erfolgreich irn Sinne ihres Programm,» gewirkt hat. Irr der Stadt und in der Provinz, lvohin Dozenten und Studenten die Saatkörner der deutschell Wisseirschaft getragen haben, ist der belebende Einfluß ans das deutsche Geistesleben deutlich zu spürrrt. — Und doch ist mau sowohl in der Bürgerschaft wie in den Kreisen der Dozenten selbst mit den Ergebnissen nicht recht zufrieden. Die Zugkraft zu den Hörsälen hat nachgelassen, der zuerst so starke Andrailg ist abgeflaut. Man sieht mehr und mehr ein, daß es solange nicht gelingen würde, bestinlilite Kreise an die Vlfabemic zu fesseln, als bis diese wie jede Ulliversität ataderaische Berechtigungen erteilen nub ihre Studiensemester auf die akademische Laufbahn allrcchnen lassen würde. Ulid hiergegen verhält sich die Regierung ablehllead. Es bedeutete schon ein großes Zngeställdnis in der Richtlurg der Universität, daß den Studenten der Philologie, die an der Posener Wfabcmic studierten, drei volle S e ui c st e r auf i h r e S t n d i e n z e i t augerechnet werdeli.*) Dies liillß als ein großer S ch r i t t auf b i c P 0 sene r U n i v e rsit ü - z ll betrachtet werden, Auf diesem Wege weitert zngehen nub die Posener Akademie zu einer Universität uillzluvandeln, dazu konnte sich jedoch die Regierllng ailgesichts der dagegen geäußerten Bedenken iloch nicht entschließell. Gerade in lehter Feit hat nun eine lebhafte Diskussion dafür und dawider eingesetzt, deren Gesichtspunkte allgemeines Interesse erregen. Die Bedellkelr, die von den Gegnern**) einer Posener Universität ins Feld gefüljrt werden. *) Demgernäs; gibt eü unter den Puhncr Studenten schon einen A. D. St. **) Wcrtiier sind ll. a. Prüf. Brn» >: er-Berlin in dem „deutschen Monatsheft für das geöiuite^Leben der Gegenwart": Geheimrat Witting, früherer Oberbürgermeister in Posen, im „Tag" v. 24. :r. F n r eine Universität hat sich außer den oben Genannten Friedrich P a n l s e n ausgesprochen, ferner vr. L e kr in a n n im „Tag" v. 24. 4. lpt2.