KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 2 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 44 (sequence 16)
- Language
- German
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44 Jugend in schöner Begeisterung Heldentaten ausführt und in kürzester Frist das zu erreichen hasst, worum wir Alten nun schon so viele Jahre vergeblich ringen! — Nicht persönliche Empfindlichkeit ist es, die mir diese Worte in den Mund legt, — die muß sich jeder abgewöhnen, der sich der jüdischen Besorgung widmet — es ist die Sorge um das Gesamtwohl, welche mich veranlaßt, wieder einmal der Jugend warnend zuzurufen, was der Talmud so iveisheitsvoll ausdrückt: „Das Einreißen der Alten ist Bauen, das Banen der Jugend ist Zerstören!" Ihr schadet dem Judentinu, wenn Ihr so oft durch unbedachte Worte nuferen Feinden Waffen gebt, wenn Ihr unsere Werbetätigkeit hindert, weint Ihr nicht blos tatenlos zu'seht, wie wir uns bemühen, allniählig die Blauer abzutragen, welche uns von unseren christlichen Bkitbiirgern trennt, sondern sogar alles tut, um sie ztt befestigeil unb zu erhöhen! Wer kann bestreiten, daß — soweit nur auch noch von unserem Ziele, wirklicher Gleichberechtigung in staatlicher und gesellschaftlicher Hinsicht, entfernt sind — wir doch dank unserer unausgesetzten Kämpfe viel Unheil verhütet und ulaltchen wichtigen Erfolg gehabt habend Was wäre aus der Rechtsstellung der Juden Deutschlands geworden, wenn lvir nach der Ansicht der Zionisten, verzlveifellld au dem stutzen unseresKampfes, der verderblichen Tätigkeit des Antisemitisillus müßig zugesehen hätten? Im Interesse des Zionislnus wie tu unserem eigenen liegt es also, daß die *>iouiftou mit uns gemeinsam arbeiten. Wenn es den rastlosen Bestrebungell llilserer Feinde gelillgeu ivürde. llns noch lllehr zll B teil scheu zlveiter Klasse zll lnacherl als bisher, uns innuet niehr mis devl Eriverbsleben, aus der Beamtenlaufbahu zu verdrängen, so lviirden die Zionisten genau so daruilter leiden lvie wir allderell, unb wellig Trost wäre es für sie. sich mit der Hoffnung abzufinden, daß vielleicht ihre Kindeskinder dereinst in Palästina Bettung vor russischen Zuständen filldeit werden. Alleilt es ist ilicht mu* ihr I nie re s se, all das ich sie erillliere, sollderu lllehr uoch: ihre Pflicht gegen das Land. das sie geboreil hat und sie ernäbrt - mögen sie es lllm als ihr eigellttiches Vaterland aucufouiicu oder llicht. Denn daß der Antisemitismus nicht nur der größte Feilld des Judeututus ist. fonbevu lllehr noch das Gesamtmohl Deutschlands schädigt, wird kein Eillsichtiger' mehr bestreiten. Stets hat der Zionismus betont, daß er bereit nub gewillt ist, alle Pflichten gegen das Land, in dein er lebt, zu erfülle«, und niemand zweifelt daran, daß es ihm damit heiliger Ernst ist. Also auf: zum Heile des Judentums und zunl Wähle Deutschlallds! Helft uns in unserem schweren Kampfe! Stellt Eure von Begeisterung getrageile, reiche Kraft in den Dienst unserer Bestrebungen — unbeschadet Eurer eigeneit Ziele —; dann werden schließlich die Früchte davon ebenso Euch zugllte lammen wie uns. Höret auf, uns 511 hindern und zu bekämpfen, sollst köillltelt endlich mlfere Feinde das traurige Schauspiel erleben, daß eine Mauer des Hasses und des Unfriedens mlter ulls Jubelt selbst entsteht und uns in zwei feindliche Lager trennt. Das kann kein Jude wottell? * * * Zur ^nuie 6er ^(miXHlifcit in "-i'ofeu. Bm: Dr. A r t () it r Samt er ' Stearine). Pose». Das Streben vieler Städte in Deutschlaild geht dahin, eine Universität zu bekonmlen. teile, aus ivirtschaftlichen Gründen, teils um sich daruit zlMl geistigell Blittelplulkt eiiles Landesteils oder sollst zllvl ''Auziehullgspuntt für Fremde zll machen. Beben Hamburg unb Frankfurt a. M.. für das ja die Gründung bereits beschlossene Sache ist, meldet sich neueldings auch Dresden mit Uuioersitätswüllfcheu. Biel lveitiger ist es jedoch in der breiteren Oeffeutlichkeit bekairut, daß auch Posen Ansprüche auf eine Universität erbebt. Für eine Pvseuer ltuiuersität lvcrdeu freilich gar«.; andere Gründe gellend gevlacht, ol*> sie bei den alt deutschen Städten in Betracht konilnen können. Wer um* das alte Posen ans der Zeit der R'illgsestung her kennt, der ivird sich überharrpt über bcu Gedanken innnderl«, i(mt eine Universität zll gebeil, die auf jllllge Studenten — womöglich ans dem Westeil --- anziehend wirken soll. Doch das alte Posen ist nicht «lehr. Die Festuugswälle silld gesattcil. die engen Straßetl mit den kleineil Häusern sind verschwunden, uub das neue Gr0ßposen mit feinen HHHMK) Eiurvohnerlk, mit feinem lebhaften Straßenverkehr, seinen vitlellartigerl Studi teilen, seinen weitzügigen Promenaden, seinen prachtvollen privatell lllld öfseutlicheu t^ebälideri. h it sich lnlbestritten zur schöllstell Stadt des Ostens entwickelt. Seit Jahrhunderten erzbischöfliche btesidenz, seit Jahrzehnten Festung erstell Klanges, seit einigen Jahren köliigtiche;üesidenz wird es so, wie es jeßt ist, sicherlich auch einnlat den Titel Universitüts stadt mit Würde traget! können. Der Gedanke einer Ituiiu ifität in Posen ist nicht nett; er hat schon eine Geschichte: Bis in das 16. Jahrhulldert, als Posen noch unter polnischer Herrschaft stand, gehen die Bestrebungen zurück, in Posen eine Hochschule zu schaffen.