KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 2 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 43 (sequence 15)
- Language
- German
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43 beittf. Wir fühlen im$ mit allen unsere.! Wünschen und Hoffnungen geknüpft einzig und allein an Dentschlands Erde. So wenig wie inan dem we'.tans größten Teile aller in Deutschland wohnenden Ehristen deshalb ihre Zglgehörigkeit zum deutschen Volke absprechen kann, weil ihre Voreltern einst anderen Volksstämmen. z. B. bcu Stauen, entsprossen sind, ebensowenig darf man das den Inden Dentschlands gegenüber tun, man müßte sollst den Begriff „Deutschland" mit dem alten „Germanien" ver»veä»seln lind so das Vorhandensein einer deutschen Bevölkerung in Deutschland — voll verschwindend kleinen Ueberresten der alten Germanen abgesehen — überhaupt bestreiten. Das ist llllsere Ueberzeugung. und da »vir Nils sonach als Deutsche fühlen, nicht als Gäste Delltschlands. deshalb gibt es für llns mir eine- Lösung der Jude lsrage lind der Indennot. nürnlich in Deutschland selbst, und darum müssen lvir kämpfe»! um unser Recht, ob uns nun der Erfolg bald oder später winkt, ja selbst wenn es denkbar wäre, daß ein endlicher Sieg der Wahrheit und des Knlturfortschritts überhaupt ausgeschlossell sei. Denn ist ..nichtswürdig die Station, die nicht ihr letztes wagt für ihre Ehre", so entwürdigt es den einzelnen Mann, kleinmütig und tatenlos sich nehmen zu lassen, was ihm sein Menschenrecht und sein Vaterland bedeutet; nur deshalb für die höchsten Güter nicht kämpfen zu wollen, «veil er den Lohn seiner Kämpfe nicht einheimsen kann! Gewiß, es sind tief gehende Unterschiede, die zwischen den Zionisten und uns bestehen, und, wie schon oben angedentet ist. ist es wohl unmöglich, bcu einen von der Richtigkeit der Ansicht des andern zu überzeugen. Ueberzengu »gen sind eben Ueberzengungen. — Ist das aber ein Grund, daß die Zionisten in eitler Zeit, in der uns nur zu mächtige Feinde von allen Seiten umringen, untätig Zusehen, wie wir uns mühen, ja uns gar hindern? Eine ruhige Prüfung dieser Frage zeigt, daß das keineswegs durch die Art des Zionismus geboten ist. daß vielmehr ihre Arbeit mit uns und für uns auch in ihren! Interesse liegt, ja ihre Pflicht ist. Alles, ivas der Zionismns als B o r b e - reitnng für seine legten Ziele anstrebt, wollen wir ebenfalls. "Auch wir suchten voll Anfang an bis auf den heutiger! Tag in erster l'inic die Selbstachtung des einzelnen Juden zu wecken und zu heberl, denn niemand ka 11 lt Achtitng in»» an bereu fordern-, der sich selbst nicht mindestens ebenso hoch bewertet wie seine Mitmenschen. ''Auch wir befördern, wo wir können, die Pflege der körperlichen Kraft und Gewandtheit, weil ein gesunder Körper, wenn nicht Bedingung für unseren Kampf, so dock» eine gute Waffe dafür ist. und weil wir unseren Feinden beweisen wollen, daß eine Jahrhunderte lange Knechtung uns ebensowenig körperlich wie geistig dauernd Niederdrücken konnte. Ununterbrochen ist unsere Tätigkeit darauf gerichtet, durch Wort und Schrift das Verständnis für Wesen uild Geschichte des Judentums zu erweitern, weil »vir nur so die Fähigkeit und die Lust znin Widerstand gegen antisemitische Verleumdungen wecken und stärken können. Was hindert also die Zionisten, der Abwehrbewegnttg ihre Kraft zu widmen, so gut sie können? Weil wir nicht an die Möglichkeit und Nützlichkeit ihres Endzieles glauben, dürfen sie des halb nicht den unendlich »veilen Weg mit uns zusammen gehen, den sie noch zu» ücklegen nt ü ssen. ehe sie an die letzte Ausführung ihrer Pläne herantreten können? Nirgend machen wir ihnen Schivierigkeiten, wo es sich um die Leistung ihrer praktischen Arbeit handelt. Jni Gegenteil, »vo die .Kolonisation in Frage konunt, da fiub »vir gerne mit Rat und Tat dabei, und ich trete de»»l Zionisnlns wohl nicht zu nahe, wenn ich behaupte, daß er das Beste nr»d Meiste, was er bisher auf diesem Gebiete leinen konnte, den ' von den großen nichtzionistischi n Bereinigungen, den von diesen geschaffenen Einrichtungen, von diesen gewährten Unterstützungen verdankt. Ich sehe nichts, »vas einen überzeugten Zionisten abhalten könnte, sich der jüdischen Abwehrbewegung tätig anzuschließen. Und doch ist nicht zu verkennen, daß die Zionisten eine »nehr »nid mehr feindselige Stellung gegen sie einneh»nen. Das zeigt sich besonders bei der Jugend, die gerade in der zionistischen Bewegung den größten Teil der Mitgliedschaft ansmacht. Ohne Rücksicht ans unsere reiferen Jahre, ohne Achtung vor unserer größeren Erfahrung!lnd de»n Ansehen, das »vir uns in langer, ernster Lebensarbeit erworben haben, erklärt sie uns und unsere vorsichtigere .Kampfesweise für falsch und veraltet, übt etnc Kritik an unserer Tätigkeit, welche nicht nur die der Jugend so schön anstehende Bescheidenheit vermissen läßt, sondern oft geradezugehässig klingt. „Wir Jungen brauchen Pbitz? gebt Raum, Ihr Alten!", so las ich jüngst in einem Gedicht vo»» Robert Löwenthal. Vld> ja, nach der Meinung jener jungen Herren sind wir Alten gerade gut genug dazu, unseren Sühnen recht reichliche Mittel zur Ausbildung und zu möglichst unbeschränktem „Ansleben" zu gewähren; i»n übrigen aber haben wir bescheiden bei Seite zu stehen und bewundernd zuzusehen, wie unsere