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KC-Blätter · 1912-11-01 · Heft 2 (1.11.1912) · p. Seite 42

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 2 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
Seite 42 (sequence 14)
Language
German
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42 I i: : i';! : ti erwiderte, er sei schon von anderer Seite auf diesen Punkt ansmerksam gemacht worden. sie hätten deshalb beschlossen, dem Verbände fern zn bleiben. Unser Gewährsmann begab sich also in die kurz darauf einbernfene Gründungs- Versammlung, zu der er eine Einladung erhalten hatte. Die Zusammensetzung dieser Lersannnfnng machte ihn jedoch wieder stutzig, uud als er unter den Ersten aufgesordert nmrbc, seinen Namen ui die Mitgliederliste einzutragen, erbat er sich. das Wort und erklärte, er könne erst dann seinen Beitritt Zusagen, wenn hier bestimmt zugesichert werde, das; der neue Verein sich nicht dem Allgemeinen Deutschen Ruderverbande anschließen würde. Der Vorsitzende, ein sehr oornehmer adeliger Herr und hoher Verwalt'nngsbeamter, war offenbar über das Vorhergehende nicht unterrichtet; er suchte deshalb die Frage in ziemlich kurzer Weise dadurch zu erledigen, das; er entgegnete, man sei zusammengekommen, um den Verein zu gründen, und könne {ul) dort) nicht schon jetzt darüber schlüssig machen, was künftig geschehen werde. Unser Freund legte darauf die Verhältnisse klar, berief sich aus die Zusage des Architekten und erklärte, unter diesen Umständen müsse er es ablehnen, dem neuen Vereine beizntreten. Gleichzeitig erhob er sich, um sich zu entfernen. ^Nunmehr ersuchte der Vorsitzende ihn mit der größten Höflichkeit, doch bei seiner früheren ''Absicht zu bleiben, sie rechneten es sich zur Ehre an. gerade ihn zu gewinnen. Nachdem auch der Architekt die Vorgänge eingehend beleuchtet hatte, erklärte der Vorsitzende dann ohne jeden Widerspruch ans der Versammlung, daß der neue Verein dem Verbände nicht beitreten werde. Darauf trug unser Freund seinen Namen in die Vfiftc ein. und die Versammlung nahm den gewöhnlichen Verlauf. Am Schlüsse dankte der Vorsitzende ihm nochmals besonders siir seinen Beitritt. Unser Freund hielt es nun für zweckinäß'g. dem neuen Vereine einige andere jüdische Herren zuzuführen. Daß er dabei in der Ansioahl etwas Vorsicht walten lassen wollte, wird jeder verstehen und billigen. — Er wandte sich deshalb zunächst an einen Herrn, der nach seiner Persönlichkeit und seiner sozialen Stellung luv sonders geeignet schien. Derselbe ist außerdem im Wassersport sehr erfahren und gewandt, hätte also den jüdischen Abwehrbestrebungen, ans die wir doch — leider — überall Rücksicht nehmen müssen, gewiß gute Dienste leisten können. Aber — er ist Zionist, und so lehnte er rundweg ab und blieb allen Vorhaltungen gegenüber bei seiner Auffassung, nnc die Verhältnisse in Deutschland nun einmal lägen, müsse sich der selbstbewußte Jude von jedem Privatverlehre mit Christen fern halten, die Mauer, die uns von jenen trenne, dürfe nicht durchbrochen werden; ja. ergab schließlich zu, daß es im Interesse der zionistischen Bewegung liege, diese Mauer immer höher zu errichten, sie mit möglichst vielen „Zinnen" zu verstärken. Wer hat nun recht: Der 'Zionismus, der die trennende Mauer aufrecht erhalten, ja im Interesse seiner politischen Ziele sie sogar befestigen will, oder wir, die wir im .ttampfe gegen den Antisemitismus stehen und den Grundsatz verfechten, das; wir zwar stets ferne bleiben müssen, wo wir nicht gerne gesehen werden, daß wir uns aber finden lassen sollen, wo man uns ernstlich sucht'-? Wer es unternehmen loollte, diese Frage, ivelche die Grundlagen beider Bestrebungen, der zionistischen sowohl als auch der jüdischen Abwehrbcwegnng, berührt, mit überzeugender Wirkung zu entscheiden, der müßte die Autorität von Lessings Richter aus „Nathan der Weile" besitzen. Zum Glück bedaA es einer solchen Entscheidung nicht, da es sich hier nur darum handelt, unser Verhältnis zmn Zionismus klar zu legen und zu prüfen, ob es wirklich nötig ist, daß die Zionisten mit wenigen Ausnahme!; sich nicht nur der Abwehrbewegnng fern halten, sondern häufig sogar diese l kämpfen. Wodurch unterscheidet sich mm der Zionismus besonders von der Bewegung, wie sie z. B. der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens propagiert? Die Zionisten glauben, das; der Jude, wo immer er lebt, durch seine 'Abstammung einer besonderen Nation angehöre, daß alle seine Mühen, wirkliche Gleichberechtigung mit den Christen zu erzielen, vergeblich und dauernd aussichtslos sein werden, daß er deshalb den nutzlosen ttampf ansgeberi ß,!!e und sein Herl nur in der künftigen Grüuonng einer staatlich gesicherten Heimstätte in Palästina suchen müsse und endlich finden werde. Wir dagegen meinen, daß die Zugehörigkeit zu einer Nation nicht blos durch die Abstammung bestimmt wird, sondern vor allem durch die Sprache in Verbindung mii dem festen Willen, mit dem kaufte unserer (m-ourt dauernd verbunden zu bleiben. Wenn also auch vor mehreren Tausend Jahren unsere Vorfahren in Palästina eine Station und ein Slaatswesen gebildet haben, so sind w i r dennoch Deutsche, iocil wir in Deutschland geboren und erzogen sind, weil die deutsche Sprache unsere Muttersprache ist, weil wir deutsch sein wollen, und die Geschicke des deutschen Volkes genau so enrpsinden und mittragen wie unsere Dtitbürger christlichen Glan-

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