KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 2 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 41 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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des ganzen Menschen, für Ausbildung des Körpers wie des Charakters bewährt sind. Haben wir dach auch in den Freiheitskriegen genugsam die Erfolge van Jahns und Friesens Erziehung gesehen. Bis jetzt aber ist uns die Gelegenheit dazu, wie schon bemerkt, fast vollständig verschlossen. Darum muß unser Verein zunächst eine Pflegestätte sein für jegliche Leibesübung, wie Turnen, Fechten, Rudern, Schwimmen. Wir nüissen das Odium der Feigheit Nlld Weichlichkeit, das auf uns tastet, mit aller Energie zuriickweisen, indem wir zeiget!, daß jedes Mitglied unseres Vereins sich mit jedem christlichen Kommilitonen in jeglicher ritterlichen Hebung messen kann. Mit der wirklichen körperlichen Kraft und Gewandtheit wird auch das Selbstvertrauen und die Selbstachtung wachsen, und niemand wird sich mehr schämen, ein Jude zu sein. Und für dieses Selbstvertrauen und diese Selbstachtung hoffen nur die sicherste Grundlage zu gewinnen durch das Studium der jüdischen Geschichte, durch eine genauere Kenntnis der beiden und Taten unserer Vorfahren. Gemäß dem zunl Ganzen strebenden Charakter unseres Vereins werden wir es uns auch zur Aufgabe machen — im Gegensaß zu der iuuner weiter um sich greifenden Zersplitterung in Spezialfächer — die allgemeinen Grundlagen und den Zusammenhang aller Wissenschaft zu berücksichtigen und zu pflegen. Solch ernstes Arbeiten an unserer Erziehung wird uns befähigen, die hohen Ziele, die wir uns geseßt haben, zn erreichen. Wir richten in zuversichtlicher Hoffnung an alle edel denkenden Inden, die ein Verständnis für unsere Ideale besitzen, die Bitte, uns in unserem weitansblickenden und die nächtigsten Interessen des Judentums berührenden llnternehmen mit ihrer Teilnahme zu unterstützen. Wer je die Beschimpfung des jüdischen Elements mit bitterem Schmerz als seine eigene empfunden, wer je durch die schmachvollen Frevel, die jene Beivegnng gezeitigt, in seinen! Gerechtigkeitsgefühl verletzt worden ist, wessen Blut jemals anfivallte bei den Verlennldnngeu, mit denen man uns überschüttet, bei dern Haß, den man uns entgegenträgl. der möge bedenken, daß sich hier eine Aussicht ans eine bessere Zukunft bietet, und denjenigen ihr Interesse nicht versagen. die ihre ganze Energie, ihre ganze Jugendkraft für dieses llnternehuien einzusctzen entschlossen sind. Ja, es ist ein Unternehmen,, das. wenn es gelingt, eine größere Bedeutung als die einer energischen Selbsthilfe haben wird. Die Stellung, welche die jüdische Minorität der christlichen Majorität gegenüber einniuunt, ist ein Maßstab für den Gesinnnngsadel eines Volkes, und in diesen! Sinne fdjcint es die kulturgeschichtliche Mission der Inden zu sein: Dein Volke, denr es angehört, die Achtung vor den Ueberzengnngcn Anderer zu lehren. Unsere Vorfahren haben in den finsteren Zeiten des Mittelalters des Pöbels roher Gewalt, den Scheiterhaufen der Jnguisitian getrotzt und sind für ihren Glauben — die ersten Vorkämpfer der Gewissensfreiheit — mutig in den Tod gegangen. Sie känrpften dabei einen hoffnungslosen Kampf gegen bcn Geist ihres Zeitalters, welcher derjenige der Intoleranz, des Geifteszwanges ruar. Wir Nachkommen sind in der glücklicheren Lage, indem wir .für unsere Rechte in die Schranket! treten, im leerste rmferer Zeit, im Geiste des Jahrhinlderts der Anerkennung der Menschenrechte zu känrpsen. Dieser Gedanke ivird unsere Kraft erhöhen, in diesenr Zeichen werden wir siegen. Wir schreiten unentwegt durch Finsternis zum Licht; der Genius des Jahrhunderts trägt uns die Fackel voran! * * * Die ]KlaueO Aon Insiizrat £ aliud er, £ n'cln. In einer schlesischen Stadt bestand ein kleiner Ruderklub, dessen Mitglieder ausschließlich.Herren der ersten Veamtenkreise waren. Um dem Wassersport eine lveitere Ausdehnung zn verschaffen, beschlossen jene, sich mit einen! neu zu gründenden größeren Rnderverein zn verschmelzen. Einer der mit den vorbereitenden Handlungen betrauten Herren, ein Architekt, richtete auch an einen jüdischen Herren die Ansfvrdernng, sich an der Gründung zn beteiligen. Dieser Herr, der Interesse für den Wassersport hatte, war dazu bereit, lvenn er selbst auch schon zn uü zu aktiver Mitwirkung war. Nachdem er aber erfahren hatte, das; die Rndervereine sich gewöhnlich dein Allgenreilcell Deutschen Ruderverbande anznschließen. pflegten, der antisemitisch sei und Vereine mit jüdischen Mitgliedern nicht «nfnehme, erklärte er dein Architekten. er könne nur daul, beitreten, wenn er sicher wäre, daß der neue Verein sich nicht dein Verbände angliedern nuiibe. Jener *) Verfasser, ein Manntet Borkümpser aller Bestrebung u m» die Durchführung der (vleichl>erechtidu»d der deutschen Inden, wendet sich offensichtlich nur fl^e« die radikale Richtntta, unter den Zionisten, dle jede Tätigkeit in jüdischen Fragen, soweit sie nicht den Zionisums betrifft, verwirft. Wie der letzte Pvsener Delegiertentag bewiesea hat, cst diese Richtung im ZwnismuS zur Zeit die herrschende. Tie Redaktion.