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KC-Blätter · 1912-11-01 · Heft 2 (1.11.1912) · p. Seite 40

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 2 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
Seite 40 (sequence 12)
Language
German
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und die Gesinnungslosigkeit der Glaubensgenosstn ziehen sich and) diejenigen unter uns, die sich noch ein Gefühl der Unabhängigkeit mib persönliche Würde bewahrt haben, vom allgemeinen Stndentenleben zurück, indem sie in ihrer Vereinzelung an der Besserung der Verhältnisse verzweifeln. Wohin wir also unseren Blick richten, überall seben nur unter unseren Glaubensgenossen Zersplitterung. Abschließung, gegenseitige Verleugnung, Vkangel an Selbstvertrauen und an Selbstachtung. Das Gefühl für Zusammengehörigkeit, der Einheit unserer Interessen, ist uns verloren gegangen, und so lammt es, daß der jüdische Student ohne Einfluß und ohne Achtung, haltlos und ohnmäd)tig dasteht. .Skai".» es nach all dem Gesagten noch zweifelhaft sein, welches das Mittel ist, um hier Wandel zu schassen? Wir glauben, nein. Die Tatsachen reden deutlich und laut, die Zergliederung der Ursachen zeigt es klar: es ist die Gründung eines „Heveins.jicdisckev Ät»»de»»te»r", welcher das Zeichen des unabhängigen Judentums anfpflanzt und alle, die unsrer Gesinnung sind, unter sein Banner versammelt! Dieser Verein wird schon durch sein bloßes Auftreten das fast erlöschende Bewußtsein wieder beleben, daß nur Inden sind, daß nur einem großen Ganzen von kulturgeschichtlicher Bedentiutg und historischer Berechtigung angehören, »»nd daß diese Zugehörigkeit für die Gegner kein Gegenstand der Mißachtung, für uns kein Grund der Beschämung sein kann. Der Verein wird vor allem, als sittliches Fundament seiner Wirksamkeit, den Wert des Judentums feinen Mitgliedern in Erinnerung bringen. Wir sind der festen lleberzeugnng, daß die jüdische Religion, so gut wie nur irgend eine andere, im Stande ist, zu sittlichem Handeln zu erziehen, den Charakter zu bilden und selbst dem philosophischen Denker einen Kultus von reinen Formen und tieferen» Gehalt zu bieten. Die Mitglieder eines solchen Vereins »verden unser»» (Gegnern eine bessere Meinung vom Inden beibringen, iuden» sie ihre Abstammung offen u»»d »nulig bcFenncn. Wer sich selbst »»id)t achtet, »ver seinen Glauben und seine Herkunft verleugnet, kam» sich nid)t »»nindern, »ve»»»» er die Achtung selbstbewußter (Gegner verliert. Rur ein Verein jüdischer Studenten, der als solcher »nit offene»»» Visier feinen Feinden gegenübertritt. wird »m Stände sei»», Männer zu erziehen, die in» spätere»» Leben ihre ganze Persör»lichkeit, ihren ganzen Ci»»fluß fite die Verteidigung des Judentums und seiner liechte einzusetzen gesonnen si»»d. Wir sehen die Einwünde, die »nan unseren» Vorschläge machcn »vird. voraus: „Nicht abschließe»» dürft ihr euch, nid)t die Gegensätze hervorkehren; ihr miißt bestrebt sein, die Gegensätze zu verwischen. euch jenen zu assi»»»ilieren." 9cuu, dieses Mittel ist wahrhaftig »»icht unversucht geblieben. Jenes Streben, das oben gekennzeichnet wurde, das Streben, mit christlicher» .Skommilitonen z»» verkeln en, ihren Umgang dem der lhla»»be»»sgenosse»» vorznziehen, ist es nicht der unzweideutige Ausdruck des Wunsches, sich jeuen z»» assnnilieren? ^lber diese Bemühungen haben hier, »nie in anderen Atreifen, nicht den erwünschten Erfolg gehabt. Statt uns ihre Freundschaft zu erwerben, hat die Verleugnnrrg unseres Selbsts nur dazu beigetragen, die Achtung zu zerstören, die ein fester Charakter a»»ch den» Gegner abzwingt. Wie wir uns and) bemühen »»'erden, »vir »verden es ihnen niemals recht rnachen. So bleibt »»ns nichts übrig, als es uns selbst recht z»» niachen u»»d mit vereinten .n rüsten uns gege»» ben Ansturm zu verteidigen. Wir vertrete»» aber dabei den Grundsatz, und werden durch unser Verhalten den Berveis dafür liefern, daß »vir Juden »md zugleich Deutsche im wahre»» Sinne des Wortes sei»» können. Wir. wollen uns zu Männern erziehen, die allen Anforderungen, die der Staat an feine Bürger stellt, mit Begeisterung und Pflichttreue erfüllen und gemeinschaftlich mit unfern christlichen Mitbürgern an der Lösung der großen Aufgaben der Zeit Mitarbeiten. Ein Zuia»nn»cl»s»hluß der Jude»» bedeutet keineswegs einen Abschluß nach außen. Wir »»»erden den Be»lehr mit unseren christlichenAlommilltonen keim swegs abbrechen. Wenden »vir uns doch nid)t gegen die Christen als solche, sondern nur gege»» antisemitische Uebergrisse. Eine solche Hallnng ist durchaus nicht ohne Vorbild. Haben sich ja schon andere .Streife, wie die jüdischen Logen. zusammenge schlossen. ohne daß deshalb der Verkehr mit den christlichen Mitbürgern Schaden gelitte»» Hütte. Ein zweiter Eiiuvand »väre der, daß zur Bekämpsilng des Antisemiti-'Mtts a»n zweck mäßigsten alle tolerant GesinnNn, Juden svlvoht wie Christen, vereiriigt würde»». Dem ist aber enlgegenznhnllen, daß ein solcher Verein doch hauptsächlich Juden z»» seinen Mitgliedern zählen würde und demgemäß die oben geschilderten Ilebelstände solcher Vereinigungen sich voraussichtlich wiederholen müßten. Wenn es sich »»»»»» um die praktischen Zwecke des Vereins handelt. »»»»» die Mittel, mit dene»» jene Prinzipien und Ziele verwirklicht »»»erden sollen, s.o sind es vor allen» die Leibesübungen, die seit den Tagen des Altertums als das mächtigste Moment für eine harmonische Entwicklung

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