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KC-Blätter · 1912-11-01 · Heft 2 (1.11.1912) · p. Seite 39

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 2 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
Seite 39 (sequence 11)
Language
German
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39 unwiderleglich aus’ einer Betrachtung seiner sozialen Stellung unter seinen Kvmmilitivnen, die — trat; aller im Prinzip anerkannten Gleichberechtigung der akademischen Bürger — von diesem Ideal noch weit entfernt ist. Was des gesellschaftlichen Lebens Grundlage bildet -und in: Sludentenleben eine so wichtige Rolle spielt, die Bereinigung mit Gleichgesinnte,!, der Anschluß an ein Ganzes, ist uns entiveder völlig versagt oder nürd uns in einer Farn, und unter Bedingungen geboten, die nicht für jeden Geschmack und jeden Charakter annehmbar sind. Ein strenger Abschluß für die jüdischen Kommilitanen findet sich besonders bei den Vereinen für Pflege der Leibesübungen, die von so hervorragender Wichtigkeit gerade für den Studenten sind. Gelingt es dem einen oder andern, seine Anfnalnne zu bewirken, iveil er gewisse äußere Anforderungen erfüllt, vielleicht auch seine Abstammung klug zu verbergen weiß, dann sieht er sich gezwungen, uni seine Stellung in, Verein itid)l zu gefährden, den Verkehr mit seinen jüdischen Kommilitonen möglichst einznschränken, und erkauft eine ziveifelbafte Freundschaft mit den, -CpfiT seiner Gesinnung und den, Verlust seiner natürlichsten Beziehungen. Eine geringe "Anzahl von Vereinen — von den Fachvereinen abgesehen — ninunt allerdings Inden ans und zählt deren vielleicht eine relativ große Zahl zu ihren Mitgliedern;*) aber hier ergibt sich in Konseguenz der ganzen ungesunden Verhältnisse eine Tatsache, die ebenso unleugbar als beklagenswert ist: die jüdischen Mitglieder rvehren sich mit der Zeit selbst gegen den Eintritt ihrer Glaubensgenossen, un, durch ein „lleberwuchern des jüdische,! Elements" ihren Verein nicht zu kompro,nittieren. Wir sind hier an einem Punkte angelangt, der eine eingehende Erivägung verdient, und wobei wir uns einige bittere. Wahrheiten eingeüehen müssen. Wenn unter den jüdischen Studenten die einen um die tonnst der Christen buhlen, die andern ihren eigenen Glaubensgenossen abweisend gegenüberstehen, so ist beides ein Beweis, daß diese. Elemente sich ihres Indent«,nS schämen. Das ist der Grundschaden, der die Lebenskraft des Judentums untergräbt. „Mine omne principium, huc refev exitum.“ Es ist. als ob mit dem selbstbewußten Stolze des Inden aus seine Abstannnung der belebende Geist aus jenen, Organismus gewichen wäre, der dem wütenden "Anprall -der Jahrhunderte Stand gehalten hat. Wer sich des Judentums schämt, der wird es auch nicht verteidigen, ja er nürd es verleugnen, sich von ihn, lossagen, *) Im Jahre rDie 'Heb.) und wenn diese Gesinnungen innner allgemeiner werden, dann geht das Judentum seiner Auflösung entgegen. Daß aber die oben geschilderten Zustände nur dazu beitragen können, solchen Gesinnungen Vorschub zu leisten, ja zu erzeugen, kann keinem Zweifel unterliegen. Vor allen, beklagenswert ist ihre Wirkung auf den jungen Studenten, der soeben von, Gymnasium kommt und auf der Universität die Berwirklichnng seiner Ideale sucht. Gerade er bedürfte eines äußeren Haltes, da fein Geist noch nicht die Erfahrung, sein Charakter noch nicht die Festigkeit besitzt, welche erforderlich ist, um die zahlreichen Versuchungen und Kämpfe erfolgreich zu übcrstehcu. Schon auf der Universität hat der jüdische Student reichlich Gelegenheit, die ganze Schwere des Hasses und Hohnes zu erfaluen, die jeder Jude aus den, öffentlichen Leben an unfern Gegnern kennt. Will er diesen "Anfeindungen die Spitze bieten, will er den Kampf aufnehmen, so muß er ihn mit ungleichen Waffen führen. Vor sich hat er einen organisierten Gegner; eigne Vereine sind gebildet, um den Kampf gegen das Judentum wirksnu, zu führen; selbst ans .'greisen, die außerhalb der llniv.rsität liegen, erhalten die Gegner ,noralische und niaterielle Unterstützung. Angesichts einer solchen erdrückenden Uebermacht muß der jüdische. Student notwendig sein Selbstvertrauen verlieren, und es es ist nur begreiflich, wenn er kleinmütig den Kampf anfgibt. Ja, noch „,ehr! Die Verwerflichkeit des Indent,uns nürd auf jener Seite mit einer Ueberzengung und einen, Feuereifer gepredigt, daß der Jude an der Gerechtigkeit seiner Sache, an der Berechtigung der Eristenz des Judentums selbst irre nürd. zumal eine Kenntnis der Prinzipien des Indentnms und seiner unbestreitbaren Verdienste un, die alte sowie die moderne Kultur den „leisten fehlt. So gewöhnt er sich schließlich an die Auffassung, seine Zugehörigkeit znn, jüdischen Stannne als eil, Unglück zu betrachten, das nicht zu ändern und geduldig zu ertragen ist. Er vergißt völlig, daß er nach den Prinzipien der Vernunft und der Humanität berechtigt und verpflichtet ist, eine Gleichstellung zu verlangen, und verliert mit der Hossnnng auch das Streben nach Besserung der Zustände. Sv bilden sich jene schwachen Charaktere, die in, späteren Leben nur darauf bedacht sind, wie sie selbst mit heiler Haut durchs Leben kommen, und weder den Gemeinsinu pflegen, noch auch für ihre eigensten Rechte luanuhaft i>, die Schranken treten. Niedergedrückt durch alle diese Zustände, verbittert durch den fanatischen Haß der Gegner

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