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KC-Blätter · 1912-11-01 · Heft 2 (1.11.1912) · p. Seite 36

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 2 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
Seite 36 (sequence 8)
Language
German
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ists, die ich tneine, eine „Gruppe", die ihre eigelle Geschichte mtb ich darf sagen, eine Leidensgeschichte im deutschen Vaterlande dnrchgelebt hat. Wie steht es um uns? Jahrhunderte laug standell wir außerhalb des uuigebenden Volkstlmls, ausgeschlossen vom bodenständigen Geistesleben llnd vom allseitigen Wirkell. Da llmg sich schon eine besondere Geistesuub Wiltellsstruktur in uns gebildet Ijabcu! Wir können's und wollen cs hier'nicht untersuchen. Die Zeit ging sachte weiter und die Morgenröte der Atenschlichkeit brach an. Die Befreiung kam auch für uns und damit die große Probe, ob wir ihrer ivürdig waren als vollwertige Menschen; ob der Druck uns zermürbt habe,' oder ob uilser Geist und unsere Seele int Einklang stehe mit der Idee der Freiheit uub des frei-selbständigen Schaffells. Etwas Wllllderbares geschah! Gestern noch im Ghetto, heute eine Masse, die sich nicht etwa allein ihrer jungen Freiheit freut uub sie zu nützen sllcht, sondern, die im Tlln lind Wollen viel weiter geht. Nichts wäre uufcrc Freiheit wie auch der in uns ideal drängende Zeitgeist, wellii nicht das Vaterland frei lvird von all dem, was des Mittelalters Finsternis überbrachte auf das lehtvergangene Jahrhundert. Und sofort seht unter den Inden eine selbstlose und leidenschaftliche Mitwirkung ein zur politischen Befreiung und Einigung der Deutschen. Ins Heldenhafte steigert sich die Zeitidee im deutschen Vaterland — ein ungeheurer politischer llnd militärischer Erfolg wird äußerer Ausdruck dafür — und begeistert sehen wir die Mitarbeit der Illden an dem Machtanfschlvung Deutschlands. Der Gipselpuutt schiel! erreicht, friedliche bürgerliche Arbeit sollte llnrnhe und die ideale Hochspannung ablösen — da kam bulgsaln das Traurige, das vielleicht eine Notwendigkeit war. Man konnte und wollte llicht cinsehell, das; der verachtete Jude so schnell die Höhe erklomm, die lnarl selbst für die höchste hielt, und eine Bewegung feiste ein, die eine tiefe Schmach bedeutete für uns, eine tiefere für die Anderen. Eine ernste Stunde war gekonunen. Es hieß für uns entweder zurück ins Ghetto, oder endgültig auf nach vorwärts. Laug dauerte die Probe, aber ich darf mit Stolz sagen: Wir haben sie bestanden. Zrvei Signale zeigten den Weg. Zwei Signale zeigten, daß die Zeit verstandell ivurde. Breslau und Heidelberg heißen sie mit Namen.*) Junge Leute waren es, wie damals die Burschenschafter im deutschen Einigungsjahrhundcrt, Studenten, welche die Zeit begriffen und so recht von Herzen fühlten. Keine Abhandlung und keine trockene Spekulation hätte da besser sagen können, was die Zeit erfor- *) Dort wurden die ersten K. C.-Verbindllnaen gegründet. Die Redaktion. dere, als die Symbole jener kleinen FirgendM^ ps llnd jene ins Lebendige getragenen Symbole waren die geballte Faust und der blitzende Sperr. Jj der scharfe Säbel und das rinnende Blut. Es galt zu zeigen, ob inan sich ducke, wenn moo in der Minderzahl ist — dann wäre dasRem; verwirkt gewesen, sich deutsch zu nennen, — oder -:1 den Kanlpf zu wagen, so aussichtslos er der Jj gewaltigen Mehrheit gegenüber erscheinen mußte, il Was Jahrhunderte an uns verbrochen, konnten 4 wir nicht tu ein paar Jahrzehnten gut mmhcn. $ Aber im Bingen, das sich nun anhob. Naben'Z wir den deutschen studen die letzte Ueberzengnug -1 gegeben, daß sie Inden sein durften und doch.jj und erst recht gute Deutsche. Tenn gezeigt haben wir, daß das Rückgrat noch fest ist und kpinZ ängstlicher Sinn den Körper der feindlichen Klinge tj| weichen lässt. Z Langsanl begriffen unsere Gegner, daß der^ Jude doch anders genommen werden müsse als der verächtlich-Verspottete vergangener Zeiten, ff Die Erkenntnis tauchte auf: Wo so energisches Widerställde geleistet werden, wo unters so heiligern Ernst das Deutschtum ge nD wahrt und beha uptet wird, da muß doch^ mehr unter der Oberfläche sein ol*J Eigen sinn ober sklavischest! a ch a h m e n. E Freilich, ans beiden Seiten waren die Signale^ nicht gleich oerstanden morden. Aus der Gegen/ feite glaubte man nicht an die Dauer unseres? Widerstandes und unseres Kämpfens und anY) der eigenen Seite lvarnte man. Sagte väterlich.' laßt sie schmähen, denkt an eure inneren Giirer. j'j an unseren Glauben und unsere innere Kultur/ — das hat bisher geholfen und wird cs anchf lveiter tun. ' |;, Gelviß, diese Güter haben uns Jahrhunderte/ gehalten und mir wollen es ihnen aus vollems/ Herzen danken. Aber es mußte auch die mutt/ Zeit in uns einziehen können und dazu wmH' durch die Betonung und die Verteidigung miim’-’j Rechtes auf DeulschtlNtt die Möglichkeit schaffen. ' z Unsere Idee des Käulpfeus und der Wehrl>!"'.-» tigkeit hat gut gen orbeu. Alles, was in? h-n: scheu Judentum noch Kraft und gcsundcrk A'<M. lichkeitssinn hat, ist unseren Fahnerk Y gefolgt. Breite Massen haben sich orguiU';?k/ und tragen in Veleinell und Verbänden lin>. E ' Gedanken in die deutsche Welt hinaus und laiseiz : ihr Tun durch sie lenken. - > Ein viertel Jahrhundert währt der. Kamp; — nicht zu Ende ist er noch! Andere Forme;? nimnlt er an; die Spekulation beginnt, wo de; offene Streit nichts mehr erreicht/ Man enan. die „Rasse". Glicht mehr das frische lebendig Wirken des Menschen sollte für ihn und teilt' Wertling ausschlaggebend sein, sondern der Mich

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