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KC-Blätter · 1912-10-01 · Heft 1 (1.10.1912) · p. Seite 26

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 1 (1.10.1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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Mitglieder gegen Nachdenken immun, braucht bei solcher Unkenntnis unserer Bestrebungen nicht weiter tragisch genommen zu werden. Der Verfasser scheint AnstandSpflichten auch gcgeniiver dem (Gegner nicht zu kennen- Recht interessant ist daS, was über den B- I E. gesagt wird. ES ist zwar nichts Neues; da vom B. 2- &• aber immer abgete,lgnet wird, daß er seine Mitglieder zum Zionismus erziehe. ist die Bestätigung von zionistischer Seite doch recht wertvoll. Es heißt dort: „Es kam den Gründern des B. I Cnicht so sehr auf eine mehr demanst-.ative Vertretung des zionistischen Standpunktes in der Stndenlenschaft an, die zu jener Zeit doch nur einen sehr bescheidenen Wert gehabt hätte, als e i n wirksames Instrnmcnt der zionistischen Agitation zu schaffen. Als solches hat sich der B. I. E in jeder Beziehung bewährt- Durch die Breite sei? es Programms ermöglicht er cs jedem jüdischen Studenten, der nur irgend eia Interesse an der Judenfrage nimmt, sich ihm anznschließen, und deshalb ist auch jeder einzelne, ganz g l e i ch a n f w e l el> e in 2 t a n d p n n k t er sich befindet, wenn er sich nur in irgend einer Beziehung betrachtet, Objekt seiner Agitation, die vorerst sich nnr darauf erstreckt, den jungen jüdischen Studenten znm Eintritt in den B. I. E,. zu bestimmen- Die innere Tätigkeit des B. I. Edagegen ist bewußt darauf gerichtet, feine Mitglieder mit der Idee eines lcb.ndigen Judentums zu erfüllen. D i e s e E r z i e h u n g führt unbedingt znm Zionismus, nicht nnr weil e8 in der Absicht des B- I. E. liegt". . . . Die Aufgaben der beiden Verbände werden in der Weise abgcgrenzt, daß dem B-I-E. die Agitation zum Zionismus. dem K- Z- Vdie Erziehung im Zionismus zusalle. Die übrigen Anssähe behandeln lediglich das Problem des Zionismus. Wir finden es in den verschiedensten Variationen abgewandelt, aber nur schöne, klingende.Worte, vermischt mit verbissenen Verhöhnungen der Gegner, jedoch nicht einen einzigen Anssah, der in. wissenschaftlicher Weise der Frage näher zu kommen suchte. Gegenüber den Verschleierungen des B- I- E. berührt hier das offene Bekenntnis zum Zionismus sehr angenehm, scheut man sich doch nicht, die Konsequenzen deS ZioniLmnS offen anSznsprccheil, der unbedingt beit Willen zur AnSwandernng nach Palästina fordere- Ir. Arthur Puppin, die Juden der Gerzen wart, eilie sozialwisseuschaftliche Studie, 2. Auflage. Jüdischer Verlag, Berlin. Preis qedundeu 6 m. Die erste Auflage des Buches erschien im August 10>>t. Im Vorworte bezeichnete es Ruppin ais seine Absicht, eine zusammensassende Arbeit über die Juden vom sozialwissenschastlicheu Standpunkte zn geben. Im Gegensatz zu den zahlreichen tendenziösen Schristeu, in denen prophezeit und gepredigt wurde, wollte er zeigen, was ist, Tatsachen sicher« stellen und dainit eine Grundlage für die Erörterung der vielen Probleme des Judentums schassen. Diese Ausgabe hat Ruppin getreulich gelöst. Sein Buch wurde nicht nur das beste Werk, man kann wohl, ohne Widerspruch zu sinden, sagen, cS ist auch heute noch das einzige Werk, das aus ivissenschastlicher Grundlage ein in sich geschlossenes, objektives Gegeinvartsbild der Judenheit gibt. Was Ruppin, den ersten jüdischen Statistiker, dazu befähigte, waren seine nüchterne, sich von jeder Ucbcrtrcibung fernhaltende Darsteslniigsweise, seine wissenschaftliche Bildung und seine in eigener Beobachtung gewonnenen Kenntnisse. Immerhin zog er auch schon damals aus den Tatsachen seine Schlüsse. Das Buch erschien in bewegter Zeit. Theodor Herz! war vor kurzem gestorben und in der zionistischen Organisatiou tobte der Streit, ob Uganda oder Zion, ob Charter oder Kolonlsation. Ruppin bekannte sich zum jüdischen Nationalismus; den Zionismus unterzog er einer scharfen Kritik. Dos änderte sich bald darauf. Auf dem 7. Zionistenkongres; in Basel im Jahre 1005 lehnte eine überwältigende Majorität das Ostafrikaprojekt ab und forderte eine sofortige Kvlmnsniiorisarbeit in Palästina. Runniehr schloß sich auch Ruppin der zionistischen Organisation an, er siedelte nach Palästina über und ist seit Jahren dort der Vertrauensmann des zi''»istischen AktiouskviniteeS und der geistige Leiter des Kolonisativnswerks. Es ist natürlich, daß die zwei re Auflage feines Buches, die im Jahre 10t 1 erschien, davon beeinflußt worden ist. Sie ist eine vollständige Umarbeitnn., und in gewissem Sinne daS Gegenteil der ersten Auslage. Während er in dieser zeigen wollte, „was ist", ist jene eine zionistische Tendenzschrist. Aber eine Tendenzschrist nicht in dem Sinne, daß er, blind von Parteirücksichten geleitet, einen einseitigen Parteistaudpunkt vertreten will- WaS Ruppin will, sagt er im Vorwort. Er hat „sich bemüht, den, Leser ein vollständiges Bild der sozialen Erscheinungen und Tendenzen innerhalb der heutigen Judenheit zn geben, die Gefahren der Assimilation und die Aussichten der natio»raljüdtschen Bestrebungen objektiv zn würdigen " Zn statten kommt ilj», dabei, daß wir besonders infolge der Arbeiten des Bureaus für St-itrstik der Juden heute besseres statistisches Material und g diegene Monographien besitzen. Ruppin glaubt daher, sein Werk von statistischem Beiwerk entlasten und sich auf eine Zusammenfassung der wichtigsten Tatsachen beschränke» zu lönnen. Die zweite Auflage des Buchr zerfällt in zwei Teile. Im ersten Teile- „die Assimilation' betitelt, schildert Ruppin die Gefabren, die dem Bestände der Judenheit infolge der Dezentralisation der Inden drohen. Im zweiten Teil, „der jüdische Natjonali'miiö" betitelt, wirst er die Frage nach der Ex'iftkttzbcrecht'lgnng der Inden als Sondervolk aus, bejaht sie und schildert sodann die An sichte» der geschlossenen Kolonisation in Palästina als einzige Möglichkeit der Rettung vor dem Untergang. Ein selbständiger Denker, wie es Rnppin ist. gibt eigene Gedanken tvieder. Tatsächlich aber stimmen die Ansichten und die Beweisführung Ruppins mit den offiziellen zionistischen überein. Der Zionismus hat bekanntlich mancherlei W wdlniigen dnrchgcmacht und manche Id en haben sich erst nach heftigen inneren Auseinandersetzungen dnrchgesetzt; heute gibt es indes kaum wesentliche D'sserenzpunkte innerhalb der Organisation. So kann das Büch Ruppins als der feinste Niederschlag der zionistischen Ideen der Gegenwart gelten, und >ver den Zionismus rennen lernen oder ihn bekämpfen ivill, muß dieses Buch lesen. Was Rnppin in dem Werte an Tatsachen, besonders an statistischem Material gibt, ist glänznd durchgearbeitet und zuverlässig. Von besonderem Interesse sind ferner seine Anssührungen über die Kolonisation in Palästina, die er aus eigener, in jahrelanger Tätigkeit erworbener Anschaunnz Rechlsaiiwalt Hans Block (L'cariae) Hannover. Im Berlaqe mm Holze und P o l) l in Tresden ist soeben ein Schristchen unter dem Titel: >,Pa ti onaf-Htigiene-Museum und Aniversität in Dresdenerschienen, das im Buchhandel zum Preise van r>() Psennch erhältlich ist. Die Begeisterung der Dresdener für eine neue und .pveite Landesuniversität. die fiel, bisher in Resolutionen von Bürgerschastsversannnlungen lnndtat und in der Hauptsache nur in der Liebe zur eigenen Vaterstadt und im Wettbewerbe mit dem größeren Leipzig ihren Nährboden fand, unterstützt der Verfasser mit galten sachlichen Gründen. Er meint — und dies ui. E. überzeugend —, der Weg von beit jetzigen Lehranstalten — der technischen nnd tierärztlichen Hochschule, an denen bereits Lehrstühle für die wichtigeren Jacher der Jurisprudenz, des Staatürechts und der Votkstvirtschastslehre bestehen, sowie den großen Kranken-

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