KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 1 (1.10.1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
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andere gesucht geistreichelnd, wieder andere unfein. Fanatismus ist zwar immer etwas Unschönes, hier aber ist er gemildert durch etwa», was auf die Seelen nie völlig seine Einwirkung verliert: durch eine glühende Begeisterung — wenigstens iu den vornehmer gehaltenen Partieen. Und dann koi'.imt noch eins hinzu: die Ausführungen sind offener, ehrlicher als so mancherlei, was wir sonst über das Thema zu lesen 'oekonrmen haben. In der Hauptsache aber will mau noch immer nicht begreifen, daß zur Parteinahme für den Zionismus die Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen nicht allein da« Entscheidende ist, sondern im wesentlichen zwei Dinge: zuerst ein Gefühl, das Hittucigcn zur — versuchen wir es mit eine m Wort auszudrücken — O r i e n t k u l t u r und sodann die Ueberzeugnug oder die Hoffnung auf die politische Erfüllung des Zionismus. Wer diese beiden Bedingungen nicht erfüllt, der gilt noch immer für dumm oder böswillig, im bestell Falle steht er unbewusst ans einer Vorst n fe indisch-politischer Erwägnilgen, wenn. er sich jüdischen Interessen zurreigt. Zn dem erster: Artikel „Vom Burschenschafter znm K. Z. Vcr" schildert Ur. Egon Rosenberg-Berlin die Entwicklung deS indischen Studenten in den lebten hundert Jahren: Burschenschafter. Kämpfer um Deutschlands Einheit und Freiheit; paritätische Verbindungen, K> C.; frisch, flott und fröhlich endigt die Entwicklung folgerichtig über den B- I. E in das St Z. B, in das Lager des jüdischen Volkes. Ter K. (5wird als das akademische Trubjudentum bezeichnet. Er ist nicht ganz ohne Verdienst: „Man kann mit der Gründung der ersten K. C.-Vcrbindung die Epoche der äußeren oder unfreiwilligen Entwicklung als beendet ansehcn". Die ersten K- Cer werden als Juden von feinerem Ehrgefühl gekennzeichnet. Es war aber „kein ganz freiwilliger Zusammenschluß (— solchen gibt's offenbar nur bei den Zionisten —). wenn vielleicht auch ein gewisses jüdisches Zusammengehörigkeitsgefühl bei den meisten K. E.ern der wahre innere Grund ihres Zusammenschlusses zu einer jüdischen Verbindung gewesen sein mochte". Volles Verständnis hat der Verfasser auch für die Abwehr und das weitere Moment der gesellschaftlichen Erziehung; als einziges Idcenmaterial aber muff das — nach ihm — zur Veräußerlichung und zur Verflachung führen. „Theoretiker der st E -Tendenz halten den Antisemitismus für eine vorübergehende Erscheinung. Der St E. besteht eigentlich nur zeitlich von Antisemitismus Gnaden". — Herr Rosenberg,'der es besser weiß, sollte uns aber eigentlich erfolgreicher trösten können, denn aus der Ewigkeit völkischen Gegensatzes, also auch des Antisemitismus, ist doch wohl riach der Meinung der Zionisten der Zionismus anfgerichtet worden- Danach brauchte der K- C- — ebensowenig wie der Zionismus - um die Sondercxistenz des Judentums und damit feine eigne zu bangen. Gegenüber dem im allgemeinen auf einer gewisse» Höhe gehaltenen Artikel wollen mir kleine nachbarliche 'Freundlichkeiten wie „der .-t. E. hält seine Mitglieder von jedem tieferen jüdischen Problem absichtlich fern", „macht seine Mitglieder auf Jahre hiirans gegen Nachdenken immun", „züchtet jenen JiidifferentiöiiiiiS. der das schlimmste Symptom der politischen Degeneration der Jndenheit ist". — lächelnd registrieren- Wenn hier nun der Versuch gemacht wird, aus den Anschauungen der ersten Sk. C.-Verbindung, der Viadnna- BreSlau, einiges wiederzngeben, so geschieht das in der arlSgesprochensteir Uebcrzcngung, daff all' das von zionistische» Seelen für völlig rrnzureicherrd befunden werden wird, daff für Zionisten nur ein Positives auf dem gesamten Erdenrund existiert, unb das ist der Zionismus. Die Viadrina ist die Schöpferin einer neuen Geschick t 8 a n f f a s sn ng im Judentum: sie brach mit der alten Iahrtanscndaiischannng, daff das Judentum sich allein durch ferne geistige Lehre, durch die Gerechtigkeit.durch den Fortschritt der Humanität durchsetzen werde. Den Kampf setzte sie an die Stelle gedrückt erüetener Toleranz, den Kampf um die Gleich" berechtigung des Judentums in allen Beziehungen, leitete eine körperliche wie geistige Regeneration ein, suchte im Studium der jüdischen Geschichte den Stolz auf jüdi'che Abstammung zn hebe». beanspruchte die Glerchwertung der jüdischen Religion mit allen andere» Glaubenslehren. So setzte sich Judentum aus vielerlei Momenten zusammen: dem eirren war es Religion, dem andern StammeSgemeiaschaft. Tradition, Geschichte, Familiensinn, Geistigkeit, Regsamkeit, Witz nsrv. — Zionismus war es nicht! — Aber die „Denkschrift" des Jahres 1HSG betonte die Hoffnung, daß das bloße Auftreten der Verbindung das fast -rlösckende Bewußtsein wieder beleben würde, „daff wir Inden sind, daß wir einem großen Ganzen von kirltargeschichUicher Bedeutung und historischer Berechtigung angchören". betonte, daß „die jüdische Religion so gut wie nur irgend eine andere imstande sei, zn sittlichem Handeln zu erziehen, den Charakter zn bilden, rrnd selbst dem philosovhische» Denker einen Kultus von reinen Forme» und tieferem Geholt zu bieten". Wenn das nicht« ist oder im Bergleich zum Zionismus auf die Dauer nichts ist. so wird .Herr Rosenbcrg (mit seinen Freunden) schon versuchen müssen, den St E. mit unzureichenden Mitteln glücklich werden zu lassen. Sehr gut gefällt uns die Offen'.,eit» mit der die Stellung des K. Z. V und des B- I. Ezum sioni-mus charakterisiert wird. B. I- E. — das ist die Erziehung zum Zionismus, K. Z. V- — die Erziehung im Zionismus. Nicht immer hat man so gehö-t Mit Entrüstung wurde früher die „Unterstellung" zurirckgcwiesen, daß der B. I (£• eine zionistische Organisation sei. Jetzt darf dadie Welt ohne Schaden hören. Das K- Z. V. wählt im .Gegensatz zum B I. C. die studentische Form der Verbindung und gibt unbedingte Satisfaktion. Die Offenheit der Stellung dcs K. Z. Bgibt für beide Teile (St E. und St Z V) die Möglichkeit. ein würdiges Verhältnis bei ih en Gegensätzen cinzunehmen. „Der Zionismus und die Jugend" von Richard Lichtheim-Berlin — nennt sich der zweite Artikel- Während Herrn Rosenberg «die Theorie deS Zionismus (S. st) heute eine viel komplizierrere ist, als sie bei dem ersten Zusammenprall der neue» und alten Ideen über die Iudenfrage erschren", erklärt Herr Lichtheim (S. lty die zionistische Bewegung „im Grunde genommen als eine wenig komplizierte, leicht faßliche Erscheinung". — Lichtheim wendet sich an die Jugend. Mit einem Schlage zeichnet er ein Idyll. Der Zionistenstaat ist fertig: der Bauer scl r effet über die Scholle, i» blühenden Kolonicerr wodnen Former und Pflanzer, der Kaufmann vermittelt den Verkehr zwischen Asien und Afrika, an den Siüsten wohnen Fischer und Seeleute, auf den Bergen weidet der Hirt seine Herden. Ein solches Bildchen ist von Herrn Lichtheim gezeichnet, »nd die hartnäckigen Inden — soweit sie überhaupt diesen Namen verdienen — wollen nun einmal nicht daran glaube», jr, sie sind sogar.böse darüber, daß Herr L'chtheim ihnen hier das Skonzept verdirbt, es für „rricht verwunderlich" und „durchaus nicht seltsam" erklärt, daß UniversitätSbehöcden und OfsizierkorpS auf Einheirlich'cit halten und die Jaden ans für ließe». — Die Antisemiten sagen: die Inden sind ein fremder Bcüandteil, und die Zionisten sagen — abgeschwächt, aber deutlich genug, indem sie das Vorgehen der Antisemiten in milderem Lichte erscheinen lassen: wir sind etwa« Besonderes," 'Ration in der Ratio,r, und darin wundern und entrüsten sie sich, welln erklärt wird: in den Wirkungen kommen beide ans dasselbe hinaus. Unser Kampf erstrebt aber nun gerade, den Beweis zu erbringen, daß wir für alle fraglichen Aemter auch die gleiche Eignung wie andere haben, und daß unser Ausschluß sehr „verwunderlich" und sehr „seltsam" ist. Utopieen und Phantasieen sind fertige Wirklichkeiten, und -er bodenständige Kampf, der umr Recht geführt wird.