KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 1 (1.10.1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2268830-2268832-2268834--0615-2269824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und die Bedeutung antisemitischer Ehrenkrünkungeu fehlt. Immer wieder erhalten wir bei " den schärfsten Beleidigungen von dem Beleidiger die entschuldigend gemeinte und in ihrer damit bekundeten Nichtachtung des jüdischen Ehrgefühls doppelt kränkende Erklärung, daß er sich bei jenen Worten „nichts gedacht habe". Der jüdische Student ist heute noch nicht in der Lage, den Schutz seiner Ehre einem allgemeinen Ehrenrat anzuverrrauen. Auf der anderen Seite freilich ist nicht zu verkennen, daß jeder Versuch, dem gegenwärtigen Verrnfsunwesen entgegenzntreten. Unterstützung verdient. Studentische Berrnfserklärnngen, ehedem ein besonders gewichtiges und außerordentlich seltenes Mittel, unehrenhafte Eleinente durch Aberkennung der studentischen Gleichwertigkeit fernznbalten, haben in unseren Tagen ihren frühem Ausnahmecharakter eingebiißt. Sie sind heute Selbstzweck geworden, der alltägliche Weg, auf welchem einzelne Verbindungen, lticht zum wenigstens die bofannten größeren Verbände, andere Korporationen, die sich ihren einseitigen, unbilligen /yoi'beiinirten nicht fügen, uom studentischen Verkehr ansfchließen. Sie sind gleichsam die Blauer geworden, mittels deren diese selbstherrlichen Korporationen sich absondern, unter deren Schutz sie das Prinzip der Gleichwertigkeit und Wassengleichheit aller .Korporationen innzukehren wissen. Wir St. C.er haben naturgemäß ein ganz besonderes Interesse daran, diesen Zuständen ein Ende zu bereiten, indem durch die gegenwärtige Einschachtelung der einzelnen Verbände die Möglichkeit, durch honorigen Waffenverkehr mit den anderen Korporationen so manches Vorurteil zn widerlegen, ganz erheblich beeinträchtigt ist. Ein richtig ansgebanter allgemeiner E. mag vielleicht and) der geeignete Boden sein, um in weiteren Kreiser» das Verständnis für das Ehrgefühl eines sebstbewrrßtei» Juden wachzurusen, nur hier in einmütiger Zusammenarbeit so manche Ansichten über Wesen und Gesinnung des jüdischen Studenten richtig zu stellen. Vielleicht, daß wir ans diese Weise für unsere Arbeit eine breitere Basis gewinnen, die uns die oft vermißte Möglichkeit schasst, auch ans friedlichem Wege durch persönliche Einwirkung manches i)lützliche im Sinne unserer Tendenz zn leisten. Schließlich sei auch nicht vergessen, daß düs Probien» der standesmäßigen Erledigung von Ehrenangelegenheiten mit.Gegnern der Waffensatisfaktion auch uns schon so manches Kopfzerbrechen verursacht hat, sodaß feine Lösung uns nicht unwillkommen sein kann. Auf Gnmd dieser nach beiden Seiten hin gewichtigen Erwägungen werden die K. C.-Verbindungen wohl dahin gelangen, eine prinzipielle Stettllngnahme zn der Idee des allgemeinen Ehrenrats abzulehnen. Es wird auf die konkrete Ausgestaltung der Ehrenräte, anf den Geist, unter dem Wahl und Sitzungen der Ehrenräte stehen »»erden, ans den Grad der Beteiligung seitens der andern Verbände ankommem Gelingt es, E. N.-Ansschüsie zustande zu bringen, deren Mitglieder hinsichtlich ihrer Persönlichkeit, insbesondere hinsictitlich Honorigkeit und unparteiischer Gesinnung keinerlei Bedenken znlassen und auch von antisemitischen Vorurteilen frei sind, glückt es ferner, alle Verbände ausnahmslos oder wenigstens mit nur unbedeutenden Ausnahmen zu diesem Zweck znsannnenznbringen. dann dürfte wohl auch ein Mitwirken nuferer Verbindnng>m zu empfehlen sein. So lange auch nur eine dieser Vorattssetznngen fehlt, ist dringend davor zn warnen, sich solchen Ansschiissen nnsznl»esem. Nach dem jetzigen Stand der Bewegung sind diese Ztt unsrer Teilnahme llotwrndigerl Voranssetznngen itoch nicht erfüllt. Ein nom allgemeinen studentischen Ehrenrat in Göttingen erbetener Bericht lautet sehr resigniert dahin, „daß die Zeit für solche Bewegungen noch mcht reis zu sein scheine". Nach diesen» Bericht verhalten sich S. E. und L. E. der Bewegung gegenüber ablehnend; die Verhandlungen mit dem D. E. haben noch zn keinem Resultat geführt. Der Göttinger E. R. ist seit feinem Bestehen (W. S. t!)()'.) 10) nicht über G Fälle hinansgekvmmen. Die Beteiligung, die anfangs einigermaßen rege war, ist wieder zurückgegangen, die Zahl der in den E. N. gesandte!» Vertreter ist gefallen. Kltrz, der allgemeine st. E. N. ist über das Anfangsstndium noch nicht hinaus. Anmerkung. Einer Zeitungsnotiz zufolge bat sich der Göttinger Ghrenrat in diesen Tagen aufgelöst mit der Begründung, daft die Alcinnttgsverschiedenheiten zwischen bcu Vertretern der mit der Waffe Satisfaktion gebenden Studierenden und den Nichtschlagcnde» sich im Laufe des Bestehens des b'hrenrates derart zngen>iht hätten. daN ein tveiteres festes Zrlsammenarbeiten auf rein paritätischer Grundlage für die ^nfuuft als ansuchmlos gelten »nüffe. Tie XUtten wurden nach Auslösung k>,-S Ghrenrates der Ireistndentenschaft nbernneseii. damit „in ihr die Gedanken festgchalten und »veitcrgeditdet »vnrden, die die Atacht haben, die Studentenschaft m ihrer AUgemeülheit zusammenzusassen." — Ter vom Huchschultag geschaffene Zentral ans schuft besteht fort und arbeitet offenbar mit großem lnser im Interesse der Bewegung. Zur Zeit find mehrere Hochschulen z. B. Tarmstabt mit dieser Frage beschäftigt. Kr.