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KC-Blätter · 1912-10-01 · Heft 1 (1.10.1912) · p. Seite 12

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 1 (1.10.1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Umschau?) Von Dr. Erich Marx (Rheno-Silesiae), Essen-Ruhr. Einleitendes. Neue antisemitische Verbände. Der Antisemitenspiegel. Kriminalstatistik der Juden. Alles ist im Flusse. Mit diesen Warten sei die erste „Umschau" begonnen, die in den K. C.-Blättern Kunde geben soll van bedeutenden Dingen und Ereignissen, welche den K. E. und seine Tendenz berühren. — Mitten im Strom der Geschehnisse ist einst von begeisterten jungen Menschen die Fahne des K. C. gepflanzt, ist einst das Gebäude des K. C. errichtet worden. Alles tim uns ändert sich. Was damals war. ist heute nicht mehr; was heute ist, wird morgen nicht mehr sein. Da gilt es, zu achten aus alle Zeichen und Ereignisse des Tages und zu sehen, in welche Situationen uns der Wandel der Zeiten führt. Drei Gebiete des ässeutlichen Lebens sind es, die vor allem den K. C. und seine Tendenz tief beriihren. Es ist zunächst das p 0 litisch e L e b e n des d e n t s ä) e n W eiche s zu beachten, soweit es Bedeutung für die Stellung des Juden als deutscher Staatsbürger hat. Hier wogt alter Kamps mit alter Stärke rveiter. Die inneren Grundlagen, die äußeren Formen dieses Kampfes in ihrer sich wandelnden Gestalt zu verfolgen, dürfte die eine Aufgabe der „Umschau" sein. Es ist ferner das jüdische Leben in seinen grundlegenden Richtungerl zu beobachten. Viele Fragen und Probleme sind da aufgetaucht; die Beobachtung ihrer Entwicklung dürste die zweite Aufgabe der Urnschau sein. Das studentische Leben der dentsch e u H o ch s eh n l e n beriihrt tief das Dasein des K. C. Wenn mul) das rneiste, was hier geschieht und uns berührt, eine Neflexwirkung des gesarrlterl vssentlichen Lebens ist, so ist doch das studentische Leben ein geschlossenes Ding für sich, mit starkem Eigenleben und eigenen Kräften, und bedarf bes o rrderer Be ad) lang. Volitica, Jurhic.i, A~ac!cmtca sind die Gebiete, welche den,U\ C. und seine Tenderrz tief berühren; ihnen sei die „Urrrschml" zugewandt. — *) Bei der 11 m s ch „ ii. die von nun tut ut vcrti?tuiüfiiften Adständen in den .U. ll.-Blättern erscheinen soll, wird weniger Wert baronf gelegt werden, eine möglichst grobe Menge mm Lagesneuigkeiten .wsanunenznstellen, sondern es sotten im Anschluß an einzelne Vorgänge allgemeinere Ausführungen gemacht werden, die insbesondere den jültgeren K. E.erü Anregung biete» und ihnen im Laufe der Jeit viel Wissensstoff übermitteln sollen. Die Redaktion. Der Sommer dieses Jahres hat in Deutschland drei eigenartige Vereine hervvrgebracht. welche gegen' das Judentum zu Felde rücken wollen. — Seitdem der „Radon-Antisemitismus" vergangener Tage sich seinem Ende zuncigt, tritt der Atttisemitisnttts irr neuer Form auf. Aber die Grundlage ist die nämliche geblieben; sie ist in ihrem kompakten Kerne wirtschaftlich-sozialer Natur. Die Aevvlkerungsgruppen, welche im deutschen Reichstage durch die Parteien der Rechten vertreten werden, voll Furcht vor der intmer stärker anschwettendeu Entwicklung des neuen Deutschlands mit seinen überwiegend großkapitalistischen Industrie- und Handelsinteressen, gründen seit Jahrzehnten Parteien. Verbünde und Vereine, um die zu bekämpfen, die sie als Führer der neuen Wirtschaft und Politik halten. In den Juden glauben sie das neue Deutsch laud ,ju treffen, mit der Vernichtung der Juden glauben sie das Interesse von (Großgrundbesitz und Kleingewerbe zum 2lviv' zu führen. Erst durch diesen kompakten Kern uürtschnftlich sozialen Illteresses gewinnt der ,.kulturelle Antisemitisnms" stärkeres Leben, der sich auf ganz verschiedenen Spielarten von Romantik stützt: auf feudale. auf kleinbürgerliche und auf Rassenromantik. Die Niederlage der Parteien der Rechten im letzten Wahlkampf hat bem Ingrimm dieser Klassen und Parteien neue Nahrung gegeben. Der „Edelantisemitismns" umrde gepredigt; mit verfeinerten Waffen sollte der Kampf gegen das Judentum erneuert werde,r. Im Laufe dieses Sommers nun entstanden jene eigenartigen Vereine. Der „Verband gegen die Ueberhebuug des Judentums" bekämpft die „planmäßige, organisierte und systematische Arbeit, mit welcher das Judentum auf allen Gebieten des deutschen Lebens arbeitet, um den Deutschen zu verdrängen und zu beherrschen und den jüdischen Einfluß als maßgebend dnrchznfetzen". An dieser Gründung sind alle Arten von Antisemiten beteiligt sagrarische, konservarine. dentschvölkische), u. a. Redakteure des Reichsboten und der Deutschen Tageszeitung. Ans der Umgebung der Kreuzzeitnng ist die „Preußenvereinigung" hervvrgegangen; ihre Anhänger sollen „eine Junkerschntztrnppe bilden, sollen Junkerfreunde, nicht Judenfrennde sein". Endlich wurde noch der „Reichshammerbund" gegründet; an seiner Spitze steht Theodor Fritsch, der bekannte Herausgeber des antisemitischen „Hammer". Auch dieser Verein ist den, Karnpse gegen die Juden gewidmet. Die neuen Vereine sehen nicht danach ans, als ob sie zu Großem geboren seien. Dennoch darf ihr in der Stille unkontrollierbar fortrvirkender Einfluß nicht unterschätzt werden. —

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