KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 1 (1.10.1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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sich Persönlichkeiten bilden. Die jüdische Verbindung übernimmt aber die Verantwortung für die harmonische Gesam tansbildung ihrer Mitglieder, und sie »mfi attch den Aiängeln in der geistigen Allgemeinbildung ihre cruftcftc 4lufmerksamkett schenken, ivenn sic wirklich das Vertrauen des Ittdattnms rechtfertigen und die küttftigett Führer unserer (Gemeinschaft zn denkenden. interessierten Charakteren und nicht zu verknöcherten und eingebildeten Bernfsstrebern. zn «kadettlisch gebildeten Handwerkern erziehen will. Diese schwere und verantwartnngsvalle Ans gäbe wird der.Korporation nun dadurch wesentlich erleichtert, das; ihr tu dent religiäsett Lehrinhall nttd den Probletttett der Gemeinschaft, auf deren Baden sie sahnttgsgemäß steht, eilt natürlicher und vorzüglich geeigneter Stoff gegeben ist, durch dessen Benutzung sie das erstrebte Ziel spielend erreichen kann. Es ist bereits erwähnt lvardelt, das; diese Anregung zu selbständigem Denkett geeignet ist. bat jungen Studenten objektiver schauen zu lehren, ihn unbefangener ztt machen, ihn zu lehrctt, daß es außer bcm alleinseligmachenden Materialismus noch andere Gesichtspunkte gibt, von denen atts uum die Well und ihre Rätsel betrachteit kaitn. Ebeitso wichtig ist aber auch, daß er so von dein ausschließlichen Interesse für sein Brotstitdium abgelertkt wird und in bcu Dielen Tittgett, die außerhalb desselben liegett, etwas lltehr als bloßen, oberflächlichen, gesellschastlicheit Uitterhaltttllgsstoss erblicken lernt. Da der Begriff der „allgemeinen Bildung" tlicht iu der Ansammlung von Eanversationslexikonsweisheit, sondern in der Fähigkeit besteht, den Lebenserscheinungen selbständig ttrleilend entgegeittreten ztt köttnen, kamt die Riickwirkmtg atts das Fachstndiunt tticht ausbleibett, tmd bei lvent ein solcher geistiger Bildtlngsfaktor iu der Erziehung der Sttidenteujahre maßgebend gervesen ist, der lvird nie verknöchert und haitdwerkSllläßig Krankheitett heilett oder mit Gesetzes Paragraphen jonglieren, sondern er wird seilt Facl) als eittett Teil des Gattzett ersasselt nttd sich so attch innerhalb seines ettgerett Wissettsgebieles zu Großzügigkeit der Äufsasfung erheben. Abgesehen von dieselt allgetiteineit Gesichtspunkten, die utit etttsprechettder Modifikation für jede Sttldentettverbindttltg Geltung haben, hat eine jüdische Korporation noch gattz besonderen Grund, auf eilten solchen geistigen Bildtntgsfaktor entschiedenen Wert ztt legen? Daut sie mllß ztt ihretn äußeren Leben, das viel Kraft nttd Arbeit verbrattcht, ein Gegettgewicht schassen. In richtiger Erkettntttis des unbestrittenen erzieherischen Wertes hat sie die Bräuche der anderen detttschen Verbittditngen gleichfalls attgenonnnen. Man darf sich aber durchaus nicht darüber täuschen, daß diese trur relativen Wert besitzen, und daß wir. falls nur nicht deutsche Sttldentelt wären, gewiß tticht gerade diese Art äußerlicher Betätigung gewählt haben würden. Französische nttd englische Studenten kommen ohne sie aus, nttd die alten babylonischen Talntudhochschttlen brachten a!,ne Kneipkvnmtent und Schlägermenslnen. so günstig man über ihren stählenden Einfluß denken inag, leidlich tüchtige Menschen hervor. Wetin attch der jüdische Sttldätt gattz getviß keilte ^lusnahtne von den anderen machen soll — auch die nationaljüdischen Berbältde, die sonst auf ihre nationale Svttderheit stolz sind und jede Mtchahmttng nicht» jüdischer Sitten als verächtliche Schwäche betrach ten, entziehen sich den studentischen Gewohnheiten keinestvegs — so lltuß doch ein Ausgleich geschaffen werden. Denrt die Gefahr besteht, daß diese Dinge ungebührlich überschätzt werden, und die geistigetk Interessen miisfen nicht nur betont werden, tveil es stets des Judentums Stolz war, durch bcu G e i st etwas ztt gelten, sondern mehr ltoch, weil es ttnettdlich leichtsitutig und gefährlich wäre, ein Geschlecht tum jüdischen Führern in dent Wählte herattzttziehen, matt könne die Juden frage dttrch Dirrge läsen, die — so bedeutungsvoll sie iltnerhnlb des Gesamtrahmens mt ihrer Stelle sein ntögen — doch im letzten Grtutde mir Aeußerlichkeiten bedentett. Man wird vielleicht eintvenden, daß nichts zwingt. zur Erreichtlttg der bisher erwähtttett Ziele sich gerade mit den Problemen der jüdischen Religion zu beschäftigen: von jedem anderen Gebiete der Geisteswissen schäften köitnte man annehmen, daß es dieselben Diettste verrichtet. Und detttivch ist der Einfluß gerade durch bicfcii Stoff für eine jüdische Verbindung nicht tun: naheliegend und natürlich, sondern er ist auch notwendig, sobald die jüdische Korporation auch eritstlich ihrem Judentum biatctt will. Unsere Zeit ist religiös iudisserent, wenn nicht gar in manchen Bevölkeruttgsschichten religionsseitidlich; ihr Interesse für religiöse Probleme ist nur gering. Die Verbindung fragt auch bcu jungen Studenten, der sich dttrch seinen Beitritt als selbstbeivllßten Inden l,.'kennt, tticht damich. worin er das Wesen diese .. Judentums erb! cft. Die oberflächlicher Denkenden werden durch die Pietät oder den Trotz an das Judentum gefesselt sein, den tiefer Blickenden tuirb die soziale, die wissenschaftliche, die nationale oder die religiöse Seite bcu Weg gewiesen ha beit. Dutzettde von verschicdettctt Anschauungen werden sich so ergeben, aber objektiv ist das Ittdetttum nicht davon abhängig, was junge Studenten daran kettet, [ouöcrtt objektiv ist und bleibt das Judentum, welche Stellultg auch der einzelne für seine Person dazu entnehmen mag, unbestreitbar Religion!