KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 1 (1.10.1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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tuffiim [teilt; beim „Gefilhle" taffe;; sich durch logische Erwägniuze,; nicht widerlegen. Und er gümbt, seine Position noch dadurch sichern zu müssen, das; er von' vornherein jeden;, der daran zu zweifeln wagt, den Vorwurf der Aufdringlichkeit macht: ..M,r wolle der „\nbe seinerseits unsre Meinung darüber, w»S man als das -stärkere in ihm ernpsindet. vb das Deutsche »der das Indische, uns Aichtjnden überlassen. Sanft erscheint er aufdringlich." Das soll mich oder nicht abhalten, darauf hinzniveisen, das; „Gefühle" sehr oft trügerisch und unzuverlässig sind. Er möge sie einmal unbefangen nachprüfen, vielleicht im Kmistwart nachblättern, wie oft er Werke jüdischer Männer als gute deutsche Schöpfungen empfohlen hat! Lissane; wies bereits auf die Biedermann 'Mappe hin, ihn scheint Avenarius doch ganz deutsch empfunden zu haben, wie sicherlich auch die iu der Sezession zusammeugeschlvsseueu Künstler, die Liebermauu zu ihrem Führer ernnihlteu. Und sind denn Avenarius und seine (Gesinnungsfreunde das deutsche Volk? Jedenfalls kennt der größte Teil des deutschen Volkes das Gefühl der Fremdheit nicht; wie;väre es sonst möglich, das; Inden auf ihre nichtjüdischen Volks genossen überhaupt in Knltnrsragen irgend welchen Einfluß ausüben können. Sollte nicht schließlich auch unser Fühlen beachtlich sein, wo wir doch — wie bereits Goldstem bemerkte — den Eindruck haben, als Deutsche zu Deutschen zu sprechn? Dein Empfinden von Avenarius lassen sich auch zahlreiche Aeußernngen von feinfühligen Nichtjudeu gegenüberstetlen, die Leistungen von Juden durchaus deutsch empfinden. Ichnüil hieriviederum au Treitschke erinnern, dem Avenarius ebenso wenig Voreingenommenheit für die Juden nach sagen wird, als er ihm ein seines Empfinden für das Deutsche absprechen wird. Treitschke schreibt: „bs wäre l'i'iuMid) ,\u vergessen, dnß sein viele Inden, getaufte, wie ungetanste, deutsche Männer waren, in denen nur die guten und edlen Inge deutschen tseisteö verehren." Um die Verschiedenheiten zwischen Inden und Nichtjnden richtig zu würdigen und zu analysieren, rvird man sich also nicht lediglich auf Gefühlsmomente verlassen können. Da luns; man schon tiefer eindringen, gründlicher die Begriffe festlegen und die tatsächlichen Verhältnisse erforschen. Nichts iväre falscher, als alte Unterschiede zwischen Bevölkerungsgrnppell als llatiouale Verschiedenheiten anzüsprechen. Wie sehr unterscheidet sich —-um nur einige Beispiele herauszugreiseu — etwa ein friesischer Fischer von dem Bauern des bayrischen Oberlands,;vie wenig Uebereinstünmung besteht zwischen dein Bergarbeiter des Nuhrreviers und einen; ostpreußischen Großgrundbesitzer oder einem hamburgischeu Äiheeder. Für Jeden ließe sich eine Charakteristik geben, jede dieser Gruppen weist einen besonderen Typus ans. Aber die eine ist ebenso gut deutsch als die andere; kein Mensch denkt daran, hier von verschiedenen Nationen zu sprechen. Denn es gibt kein einheitliches, abstraktes Deutsches, das sich der Eigenart der einzelnen Volktsteile gegenüberstellen ließe. - Auch die deutschen Juden bilden innerhalb des deutschen Volkes noch beute eine besondere Bevölkernngsschicht, auch bei ihnen kann man noch heute von einen; bestimmten Typus sprechen, wenn es auch nicht der der Witzblätter ist. Sie haben Jahrhundertelang in; «Ghetto unter ganz andern Bedingungen zngebracht als die übrigen Teile des deutschen Volkes, und sie leben auch herrte noch nicht nur unter besonderen konfessionellen, sondern auch unter besonderen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, weiche ihnen gemeinsame Charaktereigenschaften aufprägen, vielleicht tiefer, als bei den anderen Vevölkerungsschichten. Aber diese Eigenart, die — von Religion abgesehen — ans deutschem Boden erwachsen ist. ist ebenso deutsch at* die Eigenart jebe* anderen deutschen Volksteitt. Nur grobe Be griffsverwirrung tonnte aus diesen Sonderheiten nationale Verschiedenheit konstruieren. Fehlen doch den deutschen Juden alle Voraussetzungen zu selbständigen; nationalem Leben: das eigene Land, die besondere Sprache und Sitte, eigene Literatur und Kunst. die politische Selbständigkeit oder und) nur das Streben darnach. Das hatten sie einst vor zrveitauscnd Jahren. Aber heute ist diese Tradition längst unterbrochen, war doch in der ersten Hälfte des Mittelalters, nantentlich kurze Feit vor den Krenzziigen, die Assimilation bei den deutschen Juden fast noch luciter vorgeschritten, als heute. Dagegen teilen sie heute, wie Goldstein in so warmen Worte»; ausgesührt hat, alle wesentlichen, das nationale Leben beeiuslusseudeu Bildungselelneute mit ihren deutschen Volksgenossen. Das Deiüsche dnrchdringt unser ganzes Leben. Wie kan;; nun; da noch von „Dentscheln", von „Psendogermanentnm" reden? Nicht wenn wir uns als Deutsche geben, nein, wenn wir aufhören wollten, Deutsche zu sein, müßte» wir unser Wesen verleugne;;,. Danüt fällt aber auch die Forderung, wir sollten der Mitarbeit an der deutschen Kultur entsagen.;;m in uenhebräischor Kultur unsere Eigenart zu entwickeln. Denn nicht das Deutsche, sondern das Nenhebräische isl uns etwas Frerndes. Wir »lögen;n;s die hebräische Sprache anlernen, sie wird uienmls unsere Umgangssprache werden, nie unsere Muttersprache ersetzen können, in der nur fühlen und denken. Wir mögen uns an der — übrigens noch recht unbedeutenden —