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KC-Blätter · 1912-10-01 · Heft 1 (1.10.1912) · p. Seite 3

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 1 (1.10.1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 missen das „germanische Gemüt", ünd wenn sie fchv» die Leistung — mit Vorbehalten — anerkennen müssen, sie wünschten, wir leisteten weniger." Um den (tieiieitfali kraft zu pointieren, stellt er daun — ebenso übertreibend wie vorher — in bell Mittelpunkt seiner Betrachtungen die Behauptung, daft die Juden die ungebetenen und erwünschten Verwalter des deutschenKultur besihes seien. ..Niemand bezweifelt im Cvvuft die Nkacht, die die Inden in der Presse besitzen. Namentlich die Uritit ist, wenigstens in den Hanplstübten und ihren eiiislnßreichsten Leitungen, geradezu im Begriff, jüdisches Monopol zn werden. bbenso bekannt ist das Vorherrschen des jüdischen GlemeiueS im Theater: fast sämtliche Berliner Theaterdirettoren sind Inden, ein grosrer, vielleicht der größte Teil der Schauspieler desgleichen, und daß ohne jüdisches Pnblitnm ein Theater- und Nonzertleben in Deutschland so gut tute unmöglich wäre, wird immer wieder gerühmt oder beklagt. Wie viele Inden endlich es unter den „deutschen Dichtern" gibt, weiß so manch ein Filter deutscher Kunst zu seinem Jörne. Nus allen Lasten, von denen man sie nicht gewaltsam sernhält. stehen Inden; die Aufgaben der Deutschen haben die Inden zu ihrer eigenen Ausgabe gemacht: immer mehr gelvinnt es den Anschein, als sollte das deutsche Kulturleben in jüdische Hände übergehen. Das aber halten die Christen, als ne den Parias in ihrer Mitte eilten Anteil an der enropäisiheu Kultur gewährten, nicht erlvartet und nicht geivollt. Sie begannen, sich zu tvehren, sie begannen »nieder, uns fremd zu nennen, sie beganneil, nnü im Tempel ihrer Kultur als eine Gefahr zu betrachten. Und so stehen wir denn jetzt vor dem Problem: Wir Inden verwalten den g e i st i g e il B e s i h eines Volkes, d a s n n s d i e Be re ctz t i g n n g n n d d ie Fä h ig ke i t dan a b s p r i ch t. Diese in solcher scharfen Formulierung .ungeheuerliche Tatsache, die Inden ebenso wie Aichtjnden das Blut ansregen muß, fordert unerbittlich zu Maßregeln ans. Dieser Konflikt muß ans irgendeine Weise gelöst toerden." Die Lösung sieht (-^olbftciii in der Schasfuug einer eigenen jüdischen .St uuft mtb Vitcrotnr. ..In der Tat: für einen produktiven oder sonstwie an der Kultur mitarbeitenden deutschen Juden wäre die einzige Mettnng ans der Halbheit, ans dem Iwitterwesen, ans Verlenmdnitg und Verdächtigung, ans llugerechtigkeit und Uebelwollen: der Sprung in die neithebrüische Literatur. Die einzige Rettung lind zugleich die unfehlbar sichere: hier ist jungfräulicher Boden, fiiib Schaffensmöglichkeiten ins llnendliche, und hier hört jede ungerechte Vergleichung auf, hier tvird lein Widerstand der Wirts- Völker gegen „Verjudung" ihrer Nationalliteratnr mehr geweckt, hier wird das Wort Jude von selbst zum Ehrennamen; denn hier mit einem Male hat es keinen Sin»» mehr, von uns etwas andres Zli verlangen, als daß »vir jüdisch sind, mit Leib und mit Seele, mit Sitten, Anschauungen, Empfindungen. mit Vorzügen und Fehlern." Aber ach! Auch diese Lösung erscheillt ihm aussichtslos! Demi Goldstein, der nur Jude sein möchte, sieht ein, daft er nicht aufhöreu kann, Deiltscher zu sein. „Aber so einfach, wie sich in gewissen Möpsen hübe»! und drüben die Welt malt, ist sie den» doch nicht. Germanen und Inden als Gegensätze zu behandeln, ist eine Vergewaltigung, eine Fälschung. Mag uns immerhin manches trennen: was wir geinein haben, ist mehr, wenn man nur ehrlich genug ist. das Verbindende zu sehen Wir deutschen Inden, wir heute Lebenden, wir können ebensowenig hebr.iucbe Dichter werden, wie toir nach Iion answandern tönnen. Den» trotz Verfolgung. Verhöhnung. Mißachtung ist das Judentum im Lause einer mehr ultanfendjahrigen Gemeinschast mit dem Dents.htnm so eng in den Wurzeln vertonchsen. daß beide nicht mehr voneinander gelöst werden tönnen. Wenn toir mit endlich erwachtem Mannesstolze dem deutschen Volte, das lins nicht mag, den Mücken kehren looliten: könnten wir je unfhören. znm größten Teil Deutsche z» sein '■ De, deutsche Frühling ist auch nns ein Frühling, wie der deutsche Winter unser Winter rvar, und gegen diesen seit unzähligen Generationen miterlrbten Wechsel der Jahreszeiten, was bedeutet nnserm Herzen der östlich blaue Himmel, unter dem Palmen, .'Zedern und Oliven gedeihen i Gin Wunder allenfalls. Sind wir nicht ausgewachsen mit dem deutsch, n Märchen/ Haben ivir nicht mit Motkappchen »nd Dornröschen gespielt, waren wir nicht betrübt ülcer Schneewittchen und froh mit den sieben Zwergen ' Lebt nicht auch uns der deutsche Wald, dürfen uich auch wir seine Elfen und Gnomen erblicken, i». rstehen nicht auch wir das Mansche» des Baches »nd c-n Gesang der Vögel / Und weiter: auch mir pud Schüler der Griechen und Mömer, auch wir haiaic an Schüler unsere Idente gebildet, anch wir haben über den Faust gegrübelt und sind jung gewesen mit dem grünen Heinrich. Und wenn wir «"hrgeiz haben — und wir haben Ehrgeiz - welche , sind die Vorbilder, die uns voranschreiten / Goethe nnd Lessing und Alant und Beethoven. Wir heute Lebenden, wir schon Gewordenen und Fertigen, wir können das nicht abschütteln, nicht von uns tun, wie man ein Kleid wechselt. Wir loolleir das auch nicht anfgeben: es hieße uns das Btnt nnseres Lebens abzapfeu." Kami man wörmer und überzeugender sein Deutschtum darlegeu'^ AberG»!dstein weift keinen Ausweg «ns der Sackgasse, in die er sich verrannt hat, denn er sieht nicht die Irrtümer, die ihn ans die Abwege geführt haben. Er will sie nicht sehen: sonst hätten die Widersprüche, die doch eine Nachprüfung nahelegten, ihn erkennen lassen, ans ivie falscher Grundlage seine Schluftfolgernngeu aufgebaut lvareu. Denn alle seine Boraussehnngen sind irrig oder leiden an waftlosen Ueberrreibungen. Wie übertrieben ist schon die in bcu Mittelpunkt seiner Ausführungen gestellte Behauptung, die Juden seien die Verwalter bes deutschen Kullurbesihes! Was wäre z. V. damit bewiesen, daft fast sämtliche Berliner Theaterdirektvren Jllden mären, wo doch all die zahlreichen Hvfbühnen und Ctadttheater der Hauptstädte wie der Provinz von Nichtjnden geleitet werdend Hub ebensowenig stimmt seine Behauptung von dem Vorherrschen der Juden in Literatur und Kunst. Sehr richtig erwidert ihm Löwenberg:

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