KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 12 (1.9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 234 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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284 obscura, um schon Nachmittags auf dem Nheindampfer auf einigen Probebildern, die mit zauberhafter Geschwindigkeit gefertigt und hierhin gebracht worden :varen, uns nnederzufinden, nicht »lehr ganz dieselben, manche etwas verwischt, manche ein bischen „geschmeichelt". Die Zeit litt kein langes Verweilen amDenkmal. Angen und Sinn mußten sich van dem unvergeßlichen Bilde losreißen, um für neue Schönheiten, neue Freuden frei zu sein, llnb sa war es au diesem frohen Tage in jeglicher Stunde. Von den ersten Minuten des Znsannnenseins an bis zur Stunde der Trennung jagten sich die Eindrücke. Der Geist selbst, der heute znrückschweisend das Genossene festznhalten sucht, bemüht sich vergeblich, lange an einer Stelle, bei einem Erlebnis zn verweilen. Nur Eins kann und muß er innner wieder anfs Nene entpfinden: wie lieblich und schön Alles gewesen ist, :mt> wie sich in der Erinnerung ein Bild eingegraben hat, strahlend in den schinnnernden Farbe:: reicherlebter Freuden. Nach dem, ernsterem Denken geweihten Besuche der Germania der Spaziergang burd) den herrlichen Wald über Jagdschloß, die einzige touristische Leistung des Tages; die Fahrt talabwärts durch grüne Fluren und gefcguctc Anen nach Abmannshansen; das gemeinsame Mittagsmahl in: Hotel Schrupp, an materiellen Genüssen so viel bietend und idealisiert burcf) Deine Neben und Deinen Anblick selbst, o Vater N'hein: die unbeschreiblich schöne Fahrt durch den prächtigsten Teil des Nheintals, vorbei an den blühenden Städten und Dörfern, vorbei an den hehren Zeugen ernster ttnd heiterer Vergangenheit, vorbei cm den vielbesungenen Bergen und Burgen; bis Braubach; hier die Bowle, die Reden, die Lieder, der Tanz, die ausgelassene Lust und Fröhlichkeit, das Bacchanale uub Finale — fast eine zn große Fülle der Genüsse, die uns die treffliche Fiirsorge der Festesbereiter in der kurzen Zeit einiger Stunde:: bot. llnd nun füllet erst — Ihr, die Ihr dabei wäret, in Erinnerung, und Ihr bedauernswerten Anderen, in der Fantasie — diesen Nahmen mit den vielen Ergößlichkeiten, wurzelnd im tränten Freundeskreise, in der launigen Unterhaltung, in so mancher köstlichen Situation, und Ihr ermesset die Freuden in Aßmannshansen — wenn nur Du, sannnelnder Fax, nicht gewesen wärest! —, das Jauchzen unseres Herzens ans den Fluten des Rheines — wenn nur der Wein nicht zu gut gewesen —. die tolle Fidnlität in den: lauschigen Garten in Branbach — wenn der Tag nur länger — und das Tanzlokal größer gewesen wäre^ — Wer sollte versuchen, das zn schildern, wer alle die freundlichen Kleinigkeiten ausmalen! Das traute Gefühl, zu wandern mit so vielen Brüdern, verbunden durch Schicksal und Gesinnung, die liebliche Freude, zn scherzen mit Euch, „Ihr Rose::", das selige Bezwnngenwerden von Euch, ..Ihr Reben an: sonnigen Rhein", und die Lust, Deine Lieder. Vater Rhein, in dem Zander Deiner Majestät zn singen. An der Kneiptafel haben nur sie singen gelernt, du hast sie nns ernpfinden gelehrt: das liebliche: „Wie glüht er in: Glase"; das sehnsüchtige: „Dort wo der Rhein"; das mächtige: „Strömt herbei. Ihr Völkerscharen". Ja, wie haben wir sie nachempfunden und nur am Nach:::it tage vielleicht, als der Loreleyfclsen uns das volkstümlichste aller Deiner Lieder auf die Lippen rief, da mag die wehmütige Stinunung nicht ganz echt gewesen sein. Aber es ist ja ein altes Wort, daß wir Deutsche, wenn mir an: lustigsten sind, am liebsten „Ich weiß nicht, was soll cs bedeuten, daß ich so traurig bin", singen. Und das entschuldigt uns, wenn wir in überschäumender Jngendlnst heuchelten, llm so ehrlicher war die Freude bei den frohen und heiteren Liedern, die unser Verbandsbruder Rechtsanwalt Dr. Strauß- Bingen um einen eigenen, forschen iltheiuansflugcantus ergänzt hatte. So wirkten Alle und Alles zusammen, um der Rheinfahrt der westdeutschen K. C.er den Stempel des vollen Gelingens anfzndriicken: ein glänzendes Programm, eine mnstergiltige, das Gelingen gewährleistende Vorbereitung, ein herrliches Wetter und eine durch Nichts getrübte, überschäumend gute Laune. Und diese war so fest gegründet, daß auch die gegenteilige Ansicht unserer Verbandsbrüder, die an: gleichen Tage eineBarkassenfahrt auf der Elbemacheu wollten,*) sie nicht zn ändern vermochte: „Auf der lslbe die Saune, Der Regen >vu Rhein. Bei (mch ist etz trumin. Bei mW ist cs fein." So telegraphierten sie nns ans Blankenese. Wir habenes ihnen verziehen,ihnen telegraphisch gedankt für das freundliche Gedenken und das zarte Mitgefühl. Und haben nns gefreut, freuen uns. daß sie nicht recht hatten und in ihren Schlußfolgerungen sicherlich auch nicht recht gehabt hätten, wenn die Voraussetzungen richtig gewesen wären. Ich habe schon oben gesagt, daß auch Sturm und Regen nicht vermöchten, ein richtiges, wettererprobtes K. C.erherz zn betrüben. Und darum muß auch — das verlange ich schon heute —, wenn in: nächsten Jahre, wie von nun an hoffentlich rege l mäßig, die Einladung zur Rheinsahrt westdeutscher K. C.er ergeht, der erste Saß der Einladung heißen: Der Ausflug findet bestimmt statt und zwar bei jedem Wetter. *) Die Barkassenfahrt fand wegen andauernden starken Regens nicht statt.