KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 12 (1.9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 231 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Dialektiker vom Fach, dein die Wissenschaft, die Konsequenz des Denkens, die höchste innere Befriedigung gab nnd der in seinem praktischen Auftreten die Proben auf seine sozialistischen Erempel machte. " Ich hatte zu Anfang betont, daß die Abstannnnng Lassalle gleich vielen Elementen des emanzipierten Judentums auf den Weg des Radikalismus geworfen hatte: Das ist der ursprünglichste Einschlag, den er auch in seinem ganzen Leben nicht' hat verleugnen können. Wenn Monnnsen die Inden als ein Element der Dekomposition in der Weltgeschichte bezeichnet hat, so hat Nenan einnml geurteilt, daß der jüdische Geist aber auch anderseits in der Weltgeschichte der Träger sozialer Gerechtigkeit sei, der das Nene und Konnnende positiv vorbereitet, nnd hier liegt auch der Kern des Verdienstes von Lassalle. Er hat sein demokratisches Fahrzeug durch die Verbindung mit den materiellen Interessen der tieferen Schichten der Gesellschaft in einem Momente flott gemacht, der ohne ihn für die Sozialdemokratie in Preußen verpaßt worden wäre. Mit dieser Tat hatte der Jude Lassalle, der größte Demagoge, den die deutsche Geschichte gesehen hat, trotz seines frühen Todes sein Eigentlichstes getan. * * * ll D. St. und K. f. Die Zeitschrift des Vereins Deutscher Studenten : „A k a d e m i s ch e A l ä t t e r" bringt in ihrer Vir. l> ein Neferat über die K. C.-Vlätter.*) Sie berichtet über verschiedene Artikel, die in unserer Zeitschrift erschienen sind, nicht ohne von ihrem Standpunkt aus Kritik zu üben. Ganz besonders muß hier auf die Ausführungen eingegangen werden, die unsere Tendenz behandeln. Am wesentlichsten ist hier folgende Stelle des Artikels: „Die Mitglieder des K. l>. tvollen nicht nur Inden, sondern ,',ugleich nnch Deutsche sein.' Sinnt und '.Uatiim sind für sie letzten (yiitu’ö nur territorial bestimmte Begrase: allenfalls wird noch der geschichtlichen nnd lnltnrellen Entwicklung ein gewisser Emslnß nus die Bildung des Staates und der Nation .;ngestnnden. Der Al. (5. gibt dein Stnntsgednnken eine Nrägnng. die dem gerade in neuerer Ieit stärker in den Vordergrund tretenden Ideal des Nationalstaates tder Insnmmenfnssnng eines einheitlichen, innerlich geschlossenen Volkstums) naturgemäß schroff eittgegensteht." In diesen wenigen Sätzen ist eigentlich die §anze. theoretische Grundlage des modernen tassenantisemitismus wiedergegeben. Aber sie enthalten auch eine irrige Ansicht über die Ten¬ *) Abgedruckt in Heu K- C.-Blättern Nr. 10/11 S. 207. denz des K. C. Wir wollen nicht nur deutsche Staatsbürger aus deutschem Territorium sein. Wir haben vielmehr genau wie der V. D. St. das Ideal des Nationalstaates. Wir deutsche Inden oder jüdische Deutsche, das ist ja dasselbe, die wir uns im K. E. zusammengeschlossen haben, sind nicht nur deutsche Staatsbürger, sondern wir wollen vor allem auch unsere berechtigte Stellung in der deutschen Nation, dem dent'sclien Volkstum, wie unsere nichtjüdischen Volksgenossen. Wir sehen nicht ein, daß die Geschlossenheit des deutschen Volkes, von der jener Artikel spricht, eine Ausgeschlossenheit gegenüber dem kleinen deutschen Ävlksteil jüdischer Abstammung zu bedeuten habe. Das wäre dach nur dann verständlich, wenn auch nicht notwendig und berechtigt, wenn das deutsche Volk auch der Nasse und Abstammung nach eine Einheit bedeutete. Das ist aber bekanntlich durchaus uicht der Fall. Das deutsche Volk umfaßt außer ca. einem Viertel Germanen noch große Massen von Slaven, Littaueru, Nhäten, Wallonen usw. Ich glaube, der B. D. St. würde arg zusammenschmelzen, wenn .er unter seinen Mitgliedern etwa nur Germanen dulden wollte. Gerade so gut wie diese Nassen alle als vollberechtigte Glieder des deutschen Volkstums, der deutschen Nation, gelten wollen, beanspruchen wir Juden deutscher Nation und deutschen Volkstums für uns das Gleiche. Wir sind der Ansicht, daß die Begriffe Volkstum und Nation in erster Linie auf geistigem und kulturellem Gebiete liegen. Gerade auf diesen Gebieten, und nur auf diesen, zeigt sich Geschlossenheit des deutschen Volkstums, in die aber auch wir Juden hinein gehören. Ich denke, wir Juden haben unser reichlich Maß beigetragen, um das deutsche Volkstum nach innen und außen geistig, sittlich und wirtschaftlich zu stärken. Auf allem Gebieten deutscher Wissenschaft, deutscher Kunst, auf dem weiten Felde des praktischen Lebens stehen wir unfern Mann wie unsere nichtjüdischen Volksgenossen. Wenn erst kürzlich das Wort von der „Tüchtigkeit des deutschen Volkes" gesprochen wurde, so haben wir Juden wahrlich unser Teil daran. Wir K. C.er begniigen uns garnicht damit, bloß Staatsbürger zu sein. Allerdings ist natürlich die volle Gleichberechtigung als deutscher Staatsbürger eine elementare Forderung, für deren Erfüllung wir leider noch kämpfen müssen. Aber grade die Hauptaufgabe sieht d'erK.C. in der inneren Weit erbildung seiner Mitglieder als gute Deutsche und aufrechte Juden. Hierbei fayen wir den Begriff des Deutschen ganz im nationalen