KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 12 (1.9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 224 (sequence 8)
- Language
- German
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Aktiven zum größten Teil aus ihren persönlichen Eindruck verlassen fömicu, ohne gänzlich ans Auskünfte Dritter angewiesen zu sein, Natürlich kann und soll von einem Mulus nicht ein reifer, dnrchgeardeiteter Charakter verlangt werden. Dazu ist ja die Verbindung da, um ihn unter Gewöhnung all straffe Disziplin Lebensweisheit uild Lebensbildnng beizubringen, Eigenschaften, die für die Zukunft des jungen Mannes ungleich wichtiger sind als der Bestich voll 100 Kollegs und das Studium voll 1000 gelehrtell Büchern. Wellll also der Charakter des Anfzullehmendell iloch Cckeil llild Kanten allsweist, schadet ilichts, wellll nur die Aussicht besteht, daß sie sich abschleifen lassen. Da ist es Aufgabe aller Mitglieder der Berbilldlmg, nicht nur der Chargierten uild des FnxmajorS, zu arbeiten und zu feilen ulld durch gegenseitige Erinahullug und Belehrung dahin zu wirken, daß der gewünschte Erfolg eiiltritt. Alle mögeil dabei bedellkeil, daß mit der Erziehung jedes einzelnen Mitgliedes zu cim'm tadelfreien, durch uild dllrch anställdigell Charakter wir ilicht liur dem K. C. gedient haben, sondern wir haben auch ein Stink positiver Arbeit für das Judentum geleistet. Die Bedeutung der Honorigkeitssrage erfordert es, daß vor der Aufnahme eüles jlingell Atannes auch eingehende Erkundigungen über seine Persönlichkeit eingefordert werden, lllld ferner, daß sich alle ortsallwesenden Berbindungsnlitglieder, illsbesondere die Alteil Herren, eifrig bemühen, die Charakterveranlagungdes Aufzünehmenden kennen zu lernen, ehe'derselbe aufgcfordert lvird, sein Eilltrittsgesuch in die Verbindung cinzureicheil. Hält der jllnge Mann dann in seiner Aktivität nicht das, was umu voll ihm erwartet hat, so muß er aus der Verbindung wieder ausscheideil, deiln es kann niemand uutuferm Verbände geduldet werden, deill in puncto Honorigicit and) mir der geringste Ntakel anhaftet. Ein weiteres Erfordernis, um einen jungen Mann zur Austlahme geeignet erscheinen zu lassen, ist im Verhältnis zu den oben besprochenen Erfordernissen untergeordneter Bedeutung, aber trotzdem nicht unbeachtlich. Ich meine die Frage der ä u ß e r e n E r s ch ein« u g des Anfznnehmenden. Man mag es kleinlich oder gar ungerecht finden, daß dieser Frage überhaupt Bedeutung beigemessen wird. Aber der Eindruck, den das Auftreten einer Verbindung in der Oeffentlichkeit macht, ist nicht unwichtig" für ihr Ansehen und ihre Bedeutung in der Studentenschaft, in der sie doch wirken will; denn da der Außenstehende in den meisten Fällen den inneren Wert einer Korporation nicht beurteilen kann, so schließt er aus dem, was er sieht, auch auf die innere Verfassung einer Verbindung. Da mag sich oft ein falsches Bild ergeben. Aber wir müssen mit der Tatsache rechnen, daß man nach dem äußeren Eindruck beurteilt wird. Ein eigenes Erlebnis möge das beweisen, obrvohl ein Beweis infolge der Offenkundigkeit der Tatsache eigentlich überflüssig ist. Nach meiuenl ersten Münchener Aktivitätsfemester sprach ich mit einem befreundeten Korpsstudenten über Münchener Korporationsverhältnisse und fragte ihn im Laufe des Gespräches auch, wie mau in feinen Kreisen über meine Verbindung Liearia denke. Er sagte daraus etwa folgendes: In den Gingen des enragierten Korpsstudenten sei alles, was nicht S. C. sei, „Blase" und man unterscheide nur zivischen einer „anständigen Blase" und einer „Minus-Blase". Die Liearia gehöre zweifellos zu den „anständigen Blasen". ''Auf meine Frage, wie er zu dieser Ansicht komme, folgte prompt die Antwort: „Das sieht man doch auf den ersten Blick". Diese Antwort ist typisch: das ist die Anschauung fast aller Studenten. Und, Hand aufs Herz, machen wir es denn nicht genau so! Beurteilen wir nicht auch so manche Korporationen abfällig, deren Auftreten uns minderwertig erscheint. Es kommt dabei auf den Gesam lein druck an. der sich ergibt ans der Figur, der Kleidung und vor allem dem bescheidenen, reservierten Benehmen des Korporationsstlldenten. Nicht als ob wir das Gardemaß fordern sollten oder gar Kleiderfatzkerei treiben sollten. Nichts ist widerlicher als gezierte, parfiimgeschwängerle Modejünglinge mit Monokel und goldenem Armband. Aber stramme Haltung, die ein mutiges S tehen auf Mensur in ''Aussicht stellt, und vornehmes Auftreten in Unterhaltung und Korrespondenz, das fordern wir von nusern Leuten. Und verlangen anständige Kleidung und — ja, ja — „renie Wüsche". Haben wir nach den obigen Ausführungen Auslese unter den Abiturienten gehalten, so steht ihrer Aufnahme nichts mehr im Wege. Natürlich ist denen unter ihnen der B o rz ug zu geben, die sich vor den andern durch besondere g e i st i g e F ä h i gleiten auszeichnen. Das ist selbstverständlich, ebenso selbstverständlich nüe das Erfordernis, daß der Aufzunehmende sich mit den Tendenzen des K. C. einverstanden erklären kann. In letzterer Hinsicht gibt es wenig Bedenken. In allen Verbindungen wird den Keilfüxen vor ihrem Eintritt viel von Tendenz erzählt: und diejenigen von ihnen, die dann bei einer Verbindung einspringeu, erklären fast stets, daß sie „nur der Tendenz wegen" eingesprnngen fiitö. Das hört sich ja ganz schön an, entspricht aber meistens nicht den Tatsachen. Wer das Universitatslebeu noch nicht mit eigenen Augen gesehen hat. der kann sich in der Regel kein richtiges Bild von der Existenzberechtigung einer Verbindung machen. Er muß auf das hören, was ihm vorerzählt