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KC-Blätter · 1912-09-01 · Heft 12 (1.9.1912) · p. Seite 223

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 12 (1.9.1912)
Date
1912-09-01
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
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men lassen, ihnen mich, ohne daß davon etwas über beu Kreis des Chargiertenkonventes hinaus bekannt wurde, eine völlige Befreiung von der Zahlung eines Beitrages eintreten lassen. Und wenn es darauf ankam, einem im übrigen bran'chbaren jungen Braune einen Zuschuß zu seinem Stlidinm und seinem i?ebensllnterhalt.zll gewahren, so haben sich stets Alte. Herren der Verbindung, die dazu in der Lage, waren, gefunden, hier in diskretester Weise ansznhelfen. Die Höhe des Wechsels darf also bei der Prüfung der Anfnahntefähigkeit keinen Einfluß haben. Ebensowenig dürfen Gründe gesellschaftlicher Art maßgebend sein. Ob die Ettern in der sog. „guten Gesellschaft" verkehren! Wer ist überhaupt in einer Stadt die „gute Gesellschaft"? Und wieviele angesehene und hochgeachtete Familien wollen bei der in manchen Städten eingerissenen Cliquenwirtschaft überhaupt in der „guten Gesellschaft" nicht verkehren? Diese Fragestellung mit ihren vagen Begriffen zeigt schon, daß auch hierein Maßstab für die Aufnahmefähigkeit eitles jltngen Mannes nicht gefnndeil werden kanll. Die Erfahrnllg hat gelehrt, daß innerhalb des K. C., dem Mitglieder der verschiedensten „sozialen Klassen" angehören, in dieser Hinsicht nennbare Schwierigkeiteil nie entstanden sitld. Also weder Gründe pekuniärer noch gesellschaftlicher Natur dürfen ans die Ausllahme Ein-, fluß gewinilen, sondern es .muß — wie schon hervorgehoben — als erforderlich und genügend allgesehen werden, daß die Anszunehmenden aus Familien stammen, die, was Honorigkeitnnd Achtbarkeit angeht, einwandfrei d a ste h e n. Auf diesem Erfordernis nlnß umso mehr bestanden werden,als uns nach nnsern Erfahrungen nur Söhne aus solchen Hällsen, die in denselben stets das beste. Beispiel vor sich gesehen und die infolge der gutenKinderstube eine tadelloseErziehnng genossen haben, eine Gewähr für charaktervolles und tadelfreies Verhalten bieten. Rur in Ausnahmefällen erlebten wirEnttänschnngen, während bei einenl großen Teil derjenigen, die später wieder unfern Verband verlassen miifjteu, bei der Aufnahme llicht mit der nötigen Schärfe vorgegangen worden ist. Dalleben sprechell Erwägungen rein praktischer Ratnr für eine strellge Sichtung und Prüfling der Familienverhältnisse. Die Neneintretenden sehen sich gewöhnlich recht gellali nach ihren zukünftigen Bnndesbrüdeln. mit denen sie durch ein enges Baild verknligs! sein sollen, nm. Zahlreiche Fälle silld bekannt geworden, in welchell Keilsiixe Bedenken gegen einen scholl Ausgenonunenen,^ dessen Aufnahme wirklich besser unterblieben wäre und der auch bald wieder aus bem Verbände allsschied, äußerten und nur, um mit dem Betreffenden nicht Zusammensein zu müssen, unsere Reihen mieden. Es silld uns aus diese Weise, namentlich in früherer Zeit, Söhne der besten Familien entgangen, die für uns viel ivertvoller gewesen wären als die, wegen derer sie fern blieben. Die strenge Auswahl entspringt somit nicht einem „gesellschaftlichen Dünkel", der den K. C.ern so gerne angedichtet wird, sondern ist die Folge eines selbstverständlichen Selbnerhaltnngtriebes, des Bestrebens, der Elite der jüdischen Abitnrienteil den Eintritt in unfern Reihen zu ermöglichen. Hiermit soll nicht gesagt werden, daß nicht auch in andern Verbänden Mitglieder sich befänden, die beu Anforderungen des K. C. in vollstem Maße genügten. Ich will sogar gerne zugestehen, daß wir manchen Abiturienten mit großem Bedauern in andere Korporationen einspringen sahen. Aber auf der andern Seite lvnrdell daselbst weit zahlreichere Mitglieder auf genommen, die der K. C. für ,;u leicht befunden und die non ihm gar nicht oder, nachdem ungünstige Auskünfte eingetragen waren, nicht nlehr weiter gekeilt wurden.*) Diese Auskünfte, auf die die Äktivitas angewiesen ist, da sie selbst llicht die richtige Answahl zli miicn in der Lage ist, wurden bisher von den Verbindungen bei zufällig bekainlteil Berbandsbrüdern eingezogen, die aber oft die Anfragen ungenau und vor allem unpünktlich erledigten. Seit dem letzten K. C.-Tage ist den Verbindungen aber ein geeignetes Hülfsmittel in den Mitgliedern des W e | ch äftsfü h r e n d e n A u s s ch n s s e s nild den voll dieseill eruamitcu V e r t r a u e n s m n n »lern, von denen je einer in aUcu größeren und mittleren Orten Deutschlands ansäisig ist, in die Halld gegebeil wordell. Der lonnnende Verbandstag sollte beu Verbindungen eine A»frage bei denl zustündigell Berlrallensmann zur Pflicht mach eil, ehe sie über eine Aufnahme beschließen dürften. Habeil die Verbindungen bei einenl Keilfuxen in familiärer Hinsicht keine Bedenken, so hat sich die weitere Prüfllng mit der Persönlichkeit des Aufzun eh wenden zu befassen. Diese. Prüfmlg ist in der Reget leichter als die vorhergehende; delln lueuu die Falllilie des jungen Manlies eillwandfrei ist, so kann in den meisten Fällen damit gerechilet werden, daß auch der Sohlt eilt anständiger nlid einlicher Kerl ist. Hinznkonmlt, daß sich in dieser Hillsicht die F,l> l|nlh* ,'y fili s.ilj'l,. di.s» |i'I*i|tl|f*|| ,\Ji friU’H t»nt» buim ri|l (‘rfitiiöililur Hin ebiziv ziehen. Daditrch züchtet mail die Herren, die nachher, wenn sie nicht auffleuouuucu lvordeu itttb, bei jeder (Gelegenheit sich damit brnsteil. daß ihnen der (Eintritt in den K. (5. trotz energischsten Bemühens seiner Mitglieder „nicht gepaßt" habe. Die Abiturienten sollen es als eine Ehre ansehen, üoiu K. (£. zürn Eintritt ausgefordert zu werden. Die Neilarbeit der Verbindungen sollte daher erst nach Eingang guter Auskünfte einsetzen.

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