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KC-Blätter · 1912-09-01 · Heft 12 (1.9.1912) · p. Seite 221

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 12 (1.9.1912)
Date
1912-09-01
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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7 giehereien. elektrotechnischen- und Photographenbetrieben, in der Strumpffabrikation, in der Maschinell-, in der Steinzeng-, Böhrenlmd Automobilfabrikation zwischen 2 und 4°/o. Was sind nun die Ursachen dieser Erscheinungen? Da ist zunächst negativ zu sageil: Die Zurilckdräncgung der Inden im Geld- und Kreditwesen hat notwendig dazu führen müssen, daß die Juden sich andern Berusszlveigen zllwendeten. Aber dazu foiumt noch ein anderes. In der Industrie dominiert hellte die bürokratische BerwaUllllg lioch llicht so stark wie im Bankwesell. In vielen Zweigen gibt es noch Neuland. Der Konnnerzialisnüls steht noch in voller Blüte. Wenn Segalt allsfiihrt, die Tatsache, daß sich die Juden in stärkereln Maße der Indllstrie znwellden, steht im Hellen Widerspruch mit der voll jlldeliseilldlicher Seite allerorts und allerseits aufgestellten Behauptung, die Jllden fcictt eill Schachervolk und besäßen eitlen „ausgeprägten Haildelsgeist", so ist das natürlich nur bedingt richtig! Allerdings ist damit die Behauptung entkräftet, daß die Jllden nur da etwas zll leisten vernlöchten, wo es zll schachern gäbe, lind daß sie llicht im Stande wären, selbst Werte zll schassen. Allein ihr Eindringen^ in die Jlldllstrie erfolgt nicht, rveil ihnen „ihr Handelsgeist" abhanden gekonnllen ist. svlldern — weil sie ihn llvch besitzen. Hier ist die Stelle, wo hellte der „Handelsgeist" nom Bürokratismus llvch llicht iiberlvältigt ist. wo er sich, wenn iiberhallpt, llvch zll elltfalten vermag! IV. Wie vertzält es sich llun mit der sozialer! Schichtung innerhalb der einzelnell Benlfe? Hierzu ist einigem schon gesagt. Znsammenfassend läßt sich noch folgendes benlerken: Die Zahl der Selbständigen hat abgenonnnen. Die Lohnarbeiterschicht ist mächtig gervachsen. Als Mittelglied zwischen beide hat sich ein Stand von Privatbeamten eingeschoben, und endlich . haben die Frauen als Wirtschaftssubjekt inuner mehr an Bedeutung gewonnen. Hierill unterscheiden sich die Juden iu nichts von der sie lnngebenden Bevölkerung. Im einzelnen silld natürlich Unterschiede vorhanden. Allein auch heute, scholl sind z. B. 21°/o aller jüdischen Erwerbstätigen in der Indllstrie Angestellte und schon 36°/o Arbeiter. Bei der übrigen Bevölkerung sind es allerdings 7(>°/o. Man sicht, daß heute der jüdische Arbeiter keine sporadisch auftretende Erscheinung lnehr ist. Wenn aber auch im einzelnen zwischen der sozialen Gliederung der Juden und jener der Gesanltbevölkernng noch ein Unterschied besteht, so beginnt doch allmählich wie bei der Berufsgliederung — nicht nur Deutschland entwickelt sich zum „Industriestaat", auch die deutschen Jllden entwickeln sich innner mehr zu Industriellen! — so auch bei der sozialen Schichtung eine Allnäherung cm die Gesamtbevölkerung. Hier wie dort sinkt in allen Beinfsgruppen der Anteil der Selbständigen, steigt die Schicht der Angestellten sowie der mithelsenden Familienangehörigen und Lohnarbeiter bei gleichzeitiger kräftiger Anteilnahme des weiblichen Geschlechts am Wirtschaftskampf. Die Industrie nivelliert! Sie verwischt den Unterschied, der zwischen der jüdischen Bevölkerung und ihrer Umgebung-bestanden hat. Das kann auch gar nicht anders sein. „Die spezifisch kapitalistischen Züge des Wirtschaftlebens, die dem jüdischen Charakter adäquat sind" — das ist ein Ausdruck von Soulbart — breiten sich eben inuner mehr aus und so muß allmählich eine gewisse Annäherung stattfinden. So rundet sich uns dann allmählich das Bild. N e g i e r n n g s r a t.lk u ö p f e l. der verdienstvolle Bearbeiter der hessischen Landesstatistik, hat kürzlich das Wort Nuppins an den Schluß seiner Ausführungen gestellt, daß die Juden gewisserlnaßen der Barvlneter für die übrige Bevölkerung seien und Zustände schon jetzt zeigten, die bei jener erst in der Zukunft zu erwarten seien. Hierin läge auch der große Wert der Erforschung ihrer Lage für die Sozialwissemchnft überhaupt. Ruppin und .Unöpfel haben Necht! Das hat sich besonders deutlich auf dein ">ebiet der Bevölkernngsentnncklnng gezeigt. Plereits macht sich in gailz Deutschland der Geburtenrückgang bemerkbar, der sich bei den Inden so besorgnisdrohend eingestellt hat, und es sind auch schon Männer auf den Plan getreten, die deshalb angstvoll ihre Stinnne erheben. Ich verweise nur ans Oldenbergs Ausführungen im Archiv für Sozialwissenschaft?) Es ist von mir selbst *) nachgewiesen worden, daß die Uriminaliteit der Inden die spezifische .Kriminalität des Industriestaats ist, und daß die Berfehligkeit der sie umgebenden Bevölkerung in dem Maße, in dem Deutschland Industriestaat wird, der jüdischen Kriininalität sich inuner ncebr angleicht. Zu diesen Erscheinnttgen tritt nunmehr auch die Industrialisierung des deutschen Wirtschaftslebens selbst, bei der die deutschen Juden ja ebenfalls Pionierarbeit leisten. Die Juden als B a r 0 m e t e r! Ein richtiges Wort, das einen bedentsmnen 'Ausblick und einen vielleicht noch viel bedeutsameren — Einblick eröffnet. Sollte diese Erkenntnis nicht die Judenfrage in einen! ganz andern Lichte erscheinen lassen? Wir zerschlagen doch auch sonst den Barvlneter nicht, wenn uns die Witterung, die er für die Zukunft anzeigt, llicht paßt! ') Diese Worte sind vor dem Erlöst der preußischen iHcfttiTiuifl flefilmcbcn, der sie aber Nesslich illustriert! In meinem Buch Berns, Nonsession und Verbrechen, München IÜ07.

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