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KC-Blätter · 1912-09-01 · Heft 12 (1.9.1912) · p. Seite 220

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 12 (1.9.1912)
Date
1912-09-01
Page
Seite 220 (sequence 4)
Language
German
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bürgerlichem Stellung, Abnahnce des religiösen Sinnes) aus äußeren und inneren Gründen einen Teil der ihnen früher eigenen Befähigung zmn Kapitalisnins eingebüßt. Ferner hätten sich die sachlicheil Bedingungen, unter denen gewirtschastet wird, geändert: Die kapitalistischen Unternehmungen (man denke an unsere Großbanken!) wandelten sich mehr und mehr in bürokratische Verwaltungen um. die nicht mehr iit gleichen! Maße wie früher spezifische Händlereigenschaften heischten, der Bürokratismus sei an die Stelle, des Kommerzialismus getreten. Und wo der Bürokratismus hinkommt, ist die Mission der Juden stets zu Ende gewesen. Wie sehen nun die Tatsachen ans? Im Geldhandel waren im Jahre 1895 4054 Inden tätig, 1907 sind es 5251. Dem steht gegenüber, daß von der Gesamtbevölkernng 1895 88080 ihr Brot in diesen! Wirtschaftszweig erwarben und 1907 00880. Bei den Inden also eine Zunahme seit 1895 um 14%, bei den Christen um 97%, oder anders ansgedrückt: In 12 Jahren ist der Anteil der Inden am Geldhandel von 18,8%> auf 7,9% gefallen und insbesondere ist die Zahl der Inden, die im Geldhandel selbständig tätig sind, von 1977 auf 1831 gesunken. Die Zahl der Direktoren und Betriebsleiter ist allerdings von 2528 auf 8197 gestiegen, was sich daraus erklärt, daß bisherige Privatbankiers, die ihre Geschäfte an Banken veräußerten, häufig als Direktoren (Prokuristen usw.) in den Dienst der Banken traten. Diese Tatsachen können gar nicht stark genug unterstrichen werden. Geht doch daraus hervor, daß 12 Jahre genügt haben, um die Bedeutung des jüdischen Elements fiir den Geldhandel. soweit sich dieselbe quantitativ erfassen läßt, fast auf die Hälfte seines bisherigen Einflusses zurückzudrängen. Da hat natürlich auch mancherlei mitgespielt, was Sombart nicht in Betracht zieht oder doch zum mindesten nicht ausdrücklich erwähnt. Der Großbetrieb, d. h. die Konzentration im Bankwesen hat den Privatbankierstand dezimiert. Es ist selbstverständlich, daß dabei, nachdem von jeher der Privatbankierstand eine Hauptdomäne der Juden war, die Juden ganz besonders betroffen wurden. Dazu kam die Entwickelung einer dem Privatbankier feindlichen Gesehgebnng und manches andere. Wohin haben sich aber nunmehr die Inden gewendet? Haben sie sich etwa dem Waren- und Produktenhandel mehr als bisher zugewendet, der ja auch früher schon zu ihren Domänen gehörte? Diese Frage mnß verneint werden. 109000 Juden, die 1895 hu Waren- und Produktenhandel tätig waren, stehen 1907 118000 gegenüber. Eine Zunahme von 8%, der eine Zunahme der Gesamtbevölkerung von 46% gegenübersteht. So kommt es, daß im Waren- und Produktenhandel 1907 mir noch 8,1% Inden erwerbstätig waren gegen 10,9% im Jahre 1895. Ebenso sieht es im Handlungs-, Bermittlungs- und Agentnrengewerbe usw. ans. Hier betrug der Anteil der Inden 1895 noch 18,8"/.,, heute beträgt er nur noch 15,2%. Auch hier ist also ihr Einfluß im Sinken begriffen. Das ist alles ganz erklärlich, ivenn man die moderne Wirtschaftsentwickelnng begreift. Tie Juden ivaren vorzugsweise ain kleinen und mittleren Detailhandel sehr stark beteiligt, dessen Daseinsbedingungen in der neuesten Zeit von den verschiedensten Seiten untergraben werden. Die Worte „Konsumvereine" und „Genossenschaften" mögen die eine Gefahr kennzeichnen, die dem Detailhandel droht, Bersandgeschäfte und Warenhäuser sind die andere «Gefahr. Dazu kommt, daß die Großhändler mit Industriennd Großproduzenten Massenliesernngsvertrcige abschließen, nnd die anfgekanften Waren mit Ausschaltung der selbständigen aber preisverteuernden Warenhäudler ans Publiknin unmittelbar abzusetzen versuchen. Kapitalismus ist eben ein Kronus, der seine eigenen Kinder verzehrt? Da ist für einen jüdischen Detailhandel kein Platz mehr. Es sank denn auch die Zahl der selbständigen Inden int Waren- und Produktenhandel von 1895 bis 1007 von 02000 auf 01000, was zwar sehr gering ist, was aber doch von Bedeutung ist, da unter norinalen Umstünden naturgemäß eine starke Vermehrung hätte eintreten müssen. Ebensowenig kann davon eine Rede sein, daß sichdieJnden in besonders starkem Maßeden freien B e r n f e n zugewendet hätten. 1805 waren 14041 Juden im öffentlichen Dienst und freien Berufen tätig, 1907 sind es 18848. 1895 ivaren es 0,14% aller beruflich tätigen Juden, 1907 8,54%. Ihr Anteil ist also förmlich konstant geblieben. Und nun soll von der neuen nnd eigenartigen Erscheinung, die uns das letzte Jahrzehnt gebracht hat. die Bede sein: Das deutsche Judentum ist in die I n d u st r i e eingeströmt. Ein paar Zahlen: 1895 waren 45995 erwerbstätige Inden in der Industrie tätig, 1907 02995. 1895 19,3% aller erwerbstätigen Juden, 1907 21,07"/». Und fassen nur den Anteil der Inden an! Unternehmertum ins Auge, so ergeben sich folgende Zahlen: In der Wäschekonfektion fiub 18,5.V”(> aller Unternehmer Inden, in der Brantivcinbrennerei 12%, in der Sprengstoffindustrio 10%, in der Papierindustrie, in derGasindnstrie, in der Industrie der cheuüschen Präparate zwischen 9 und 10%, in der Industrie der Farbe, des Tabaks, der Erzgewinnung, des Glashüttenwesens und der Spinnerei zwischen 5 und 90/1», in der Lichtfabrikation, in der Weberei, in Apothekenbetrieben, in Buchdrnckereibetrieben nnd in Hüttenbetrieben 4—5%. in der Spitzenfabrikation,inderSteinkohlengewinnung,inEisen-

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