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KC-Blätter · 1912-07-01 · Heft 10-11 (1.7.1912) · p. Seite 206

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 10-11 (1.7.1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 206 (sequence 22)
Language
German
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206 Studierenden seit 1000. Im gleichen Jahre wurde die Münchener Gruppe gegründet. Irr Jena, Heidelberg mit) Würzburg bildeten sich 1901, 1000 und 1004 freistudentische Organisationen. Im Jahre. 1007 schlossen sich die einzelnen freistudentischeu Organisationen zu einem Deutschen Frei studentischen Bunde zusammen, der alle freien Studenten Deutschlands und ehemaligen freien Akademiker zu gemeinsamer, ersprießlicher moderner Arbeit sammeln will. Die freien Studentenschaften hatten leider oftmals Konflikte mit den llnioersitätsbehörden, die ihnen alle möglichen Schloierkgkeiten in den Weg legten. Aber sie ließen sich'dadurch nicht irre machen und bekämpften nach uuc vor die reaktionären Strömungen in der Studentenschaft. Den freien Studentenschaften nahe steht der Freibnnd, ein neuer studentischer Bund inkorporativer Art. der sich vor allem die Verbreitung politischen Verständnisses für die Fragen der Gegenwart unter den Studenten znm Ziel gesetzt hat. Er umrde 1007 in Berlin gegründet. Er strebt die Pflege und Erweiterung freiheitlicher Gesinnung in allen Knlturfrageu an und steht in allen ' wesentlichen Fragen auf dem Standpunkt der Freien Studentenschaft, ohne ihr jedoch rvegen ihres politischen Sonderziels ins Gehege zu kommen, lieber die Mitgliedschaft sagen seine Satzungen: „Jeder deutsche Akademiker vhue Unterschied des (Geschlechts und des religiösen Bekenntnisses kann Mitglied des Freibnndes werden." Kräftige Organisationen dieses Bundes bestehen bereits in Berlin Freiburg i.Br., Göttingen, Breslau, Leipzig, München, Münster, Bonn. Zur Abwehr der antisemischen Strömungen in der Studentenschaft haben sich ferner (die erste am 28. Oktober 160(0 an den verschiedenen deutschen Hochschulen Korporationen jiidischer Studenten gebildet, die das Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen der jüdischen Akademiker wecken nnd stählen wollen. Znrzeit(1010)gibt es im ganzen 18jüdische Korporationen. Dem A. I. C. (Bund jüdischer Corporationenj gehören „Vereine jüdischer Studenten" an in Berlin, Leipzig. Breslau, München, Charlottenbnrg, Straßburg, Freiburg. Königsberg und Marburg. Ferner besteht noch das 1006 gegründete „Kartell zionistischer Verbindungen",' zu dem „Hasmonäa-Berlin" nnd „Jordania-München" gehören. Weiter besteht noch auf dem Technikum in EÖthen ein akademisch-zionistischer Vereili „Tchioh" nnd ein Verein zionistischer Studenten in Leipzig, ebenso eine pharmazeutische Vereinigung Dahlemia-Aerlin. Sodann wurde 1006 noch ein „Bund jüdischer Akademiker" gegründet, zur Stärkung des gesetztretten Judentums. Er hat Zlveigvereine in Berlin, München und Strahlung. In einem gewissen Gegensatz zu den vorgenannten Korporationen stehen eine Reihe von jüdischen farbeutrngcnden Schwesterverbindungen, die sich znm K. C. (Kartell-Convent) zusammengeschlossen haben. Ihm gehören die Korporationen an: Thuringia-Breslau, früher Biadrina. Bavaria- Heidelberg, früher Badenia, Spreviw Berlin, Licaria-München, Rheno-Silesia-Bonn, Ghibellinia- Freiburg, früher Friburgia, und Biadrina-Darmstadt.*) Während die verschiedenen ans nationaljüdischem Boden stehenden Korporationen vielfach separistische Bestrebungen verfolgen, dienen die im K. C. vereinigten akademischen Verbindungen lediglich der Abivehr des Antisemitismus. Der § 8**) der Statuten des „K. C." lautet: „Die Verbindungen im St E. stehen anj dem Boden dentschvaterläudischcr Gesinnung. Sie haben zum (Zweck den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft nnd die Erziehung ihrer Mitglieder zu jclbftlu'iuufitcu Juden, die im Bewusstsein, bnv. die deutschen Juden einen durch Geschichte. Kultur- und liechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterlnnde unlöslich verbundene» Vvlksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische nnd gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzntreten. „In Politischen und religiösen Souderbestrebnngen iuuerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absah l nicht widerstreben, nehmen die Verbindungen im K. iS. keine Stellung." Da mir im Rahmen dieser Abhandlung die Leser nur tu knappster Form über die Ausbreitung des Antisemitismus in der Studentenschast orientieren wollen, können wir von einer eingehenden kritischen Stellungnahme, für die es hier an Platz mangelt, absehen und möchten diesen Beitrag schließen mit dem warmen Appell aa die nationale und foitfcffiuueUc Verträglichkeit, den bei Beginn des Wintersemesters 1908 der scheidende Rektor Geh. Rat Erdmann in Bonn an die studentische Jugend richtete. Er sagte u. a.: „Mit dem Geist, der unsere Studentenschaft beseelt, dürfen wir trotz der sich drängenden Menge der Hörer im ganzen zufrieden sein. Noch allerdings i >t die Stimmung, die unsere Väter mtb Großväter vom elbischen Idealismus reden ließ, nicht durchgängig wieder lebendiy; noch auch der Gesichtskreis der Studierenden nicht ui allen ("yallen soweit und der Ernst rechter Charatterentwicklung nicht überall so tief, wie wir wünschen; auch die nationale und konfessionelle Einigkeit in den Kreisen unserer Hörer nicht so völlig erreicht, wie daS Gedeihen unseres Vaterlandes fordert; aber die Zeichen mehren sich, daß jene Gesilluuug mit all der Maßhaltnng und ernsten Einsicht, die sie verlangt, wiederlehrt. daß das Banausen- und Philisterturn jeder Art, diese schlimmen Feinde rechter wissenschaftlicher Bildung und selbständiger Lebensführung, znrücktritt nnd die Bestrebungen nach konfessioneller und *) Außerdem bestehen drei Verbindungen mit K. C.» Tendenz: Badenia-Karlsruhe, Friburgia Königsberg, und Saxo-Bavaria-Leipzig. **) Neue Fassung.

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