KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 10-11 (1.7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 205 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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205 tragen einen rückständigen Charakter, denn die meisten gehen mit beit antisemitischen Korporationen Hand in Hand. Dem Reichsverbande gehörten im zweiten Semester 1010 der Eisenacher Theologenverband mit 13 Vereinen nnd 104 studierenden Mitgliedern an. ferner der Leipziger Theologenoerdmld mit 11 Vereinen nnd 114 Studenten, der Mediziuisch-Naturlvissenschaftliche Goslarer Verband mit 10 Vereinen nnd 206 Studenten, der Historische Verband mit 7 Vereinen nnb 200 Studenten, der Mathematisch^Nntnrnnsseuschaftliche Arnstädter Verband mit 18 Vereinen uub 548 Studenten, der Klassisch-Philologische Naumbnrger Verband mit 11 Vereinen und 205 Studenten nnd der Neuphilologische Weimarer Verband mit 0 Vereinen nnb 202 Studenten. Insgesamt haben sich 70 Vereine mit 12000 Alten Herren und 1800 studierenden Mitgliedern zusammeilgeschlossen. Jüdische Kommilitonen sind nicht darunter, obgleich cm den verschiedenen Hochschulen eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Vereinen bestehen, die jüdische Mitglieder haben. Bezeichnenderweise hat man diese Vereine zum Beitritt nicht aufgefordert. Ferner müssen notf) zur Gefolgschaft des V. D. St. gerechnet werden von den Berliner Vereinen: der Akad.-Philologische Verein, der Akad.-Ncmphilologische Verein, der Akad.-Pharmakoguostische Verein, der Akad.-Theologische Verein, der Theologische Studeutenverein, die Juristenoerbindung „Teutonia", der farbentragende nichtschlagende „Wingolf", die ihm naheverwandte „Salingia" im Schwarzburgbund, der Verein Deutscher Hochschüler ans Ungarn, der Akademische Ostmarkenverein, der Bismarckbnud, der Akademisch-Landwirtschaftliche Verein „Agraria", die landwirtschaftliche Verbindung „Saxonia au der Kette". In allerneuester Zeit hat übrigens der V. D. St. in Berlin in dem 1010 gegründeten „Deutschvölkischen Stndentenverband" eine Konkurrenz bekommen; dieser Verband hat im Sommer 1011 ein eigenes Organ lierausgegebeu, die „Deutschvölkischen Hochschulblätter", deren erste Nmnmer in den Räumen der Universität in Massel; verbreitet wurde. Man braucht nur einen Blick auf die Namen der Mitarbeiter dieser ersten Nummer zu werfen, und man weis; genau Bescheid über die partei-politischen Ziele dieses neuen Verbandes. Auf eine reichlich pathetische programmatische Erklärung des Verbandes folgt eine Aufzählung der Mitarbeiter des Blattes. An erster Stelle steht der sattsam bekannte Herr Adolf Bartels. Weiter sind verschiedene Parlamentarier erwähnt: Dr. Noesicke, Franz Behrens, Liebermann von Sonnenberg und endlich eine Reihe von Männern der Feder, darunter Richard Nord- Hausen, Prof. Ruhland und Lic. Mumm. — Diese Namen bedeuten ein Programm, und zwar das des fauatistischsten Rasseualltisemitismus. Die antisemitischen Vereine DeutscherStudenteu in Oesterreich haben schon die sonderbarsten Erlebnisse gehabt. Von 1800—1806 waren sie — nachdem ihr „Verband deutscher Vereine" zerfallen war — zu einem „Waidhofener Verbände" vereinigt. Von der Glirirdungsversamm-' - lung wurde u. a. berichtet: „Die Frage der Wnssenwirrdie,leit wurde gleichfalls besprochen und allgemein a>cerknnnt, da», dem Inden eigentlich nicht das Recht zustebe, für „Ochre und Recht" nach Art der ritterlichen Völker im ernsien, ebrlichen Zweikampf .;n stehen. „Mau erachte aber die daraus sich ergebende Folgern ip;, den Juden die ldenngtuniigsfähigkeit abzu» sprechen, norläufig als nndnrchfnhrbnr." Später war war matt freilich schamlos genug, bcu jüdischen Kommilitonen die Satisfaktionsfähigkeit abzitsprechen! Diese kehrten sich jedoch weitig daran uub traten in die freiheitlichen Burschenschaften ein. CSiucm scharfen Rasseuantistmitismus huldigen ebenfalls die Korps, die seit 1880 die Jltden ansschlossen und seit dieser Zeit wohl ausnahmslos keine Juden mehr ausgenommen haben. Die Korps befinden sich übrigens seit Jahren schon im unaitshaltsatuen Rückgänge, fast jedes Jahr vermindert sich die Zahl ihrer Mitglieder, im Soutmer 1010 waren in 02 Korps 2880 Mitglieder vorhanden. Die Landsmannschaften schlossen die Juden tut Jahre 1804 aus, 1010 besah die deutsche Laltdsmauuschast 47 Korporationen mit 735 Aktiven. Trohdem uuut nun eigentlich au nehmen sollte, das; in den Korps, den Landsmannschaften, dem V. D. St. mrd seinen AssUurten den Studierenden genug Gelegenheit geboten würde, ihre antisemitische Gesiummg zu betärigen, tauchen doch fast in jedem Jahre neue akademische Vereiusgründungeu, wie der Akademische Bund „Ethos", mit offener oder leicht verhüllter antisemitischer Spihe auf. Da sie aber zum größten Teil keinen oder nur einen kurzen Bestand hatten, braucht auf all diese ephemeren Organisationen hier nicht näher eiugegangen zu lverdeu. Von Anfang an stalcden in scharfem Gegensatz zu dem V. D. St. und geistesverwandten Korporationen die Freien Deutschen Studentenschaften, die sich nicht nur von antisemitischen Wühlereien fernhielten, sondern sie auch, wo sie offen oder versteckt anftroten, energisch zurückwiesen. Die älteste „Freie Studentenschaft" besteht tu Freiburg, sie wurde 18'.»2 gegründet. In Leipzig gibt es organisierte Finken seit 1896, in Königsberg seit 1808, ebenso in Greifswald und Halle. Die Berliner und El)arlottenburger freien Studenten haben sich seit 1900 zusammengeschlossen, die Berliner landwirtschaftlichen