KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 10-11 (1.7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 204 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Fahrende Schüler. Von Rechtsanwalt Dr. Otto Simon (Badeniae). Mannlieim. Ans der Glattheit des Mittelalters tönt und lackt es nach herüber in unsere Tage; Scharen wandernder Scholaren zogen damals, den Raufdegen an der Seite, mit Landsknecht und Mönch van Prag umf) Rostock, van Bologna nach Paris, Wissensdurst und Lebensfreude zu stillen, vielleicht auch, um irgendwo still und von niemand gekannt auf offener Straße in einem Raufhaudel zu fallen, DaS Wart „Carriere machen" war noch uicfjt entdeckt worden; Gällse stellen, unerbetene Frühstücks bei „festen Pfasfeleiu", ^iasfiihnmg der Pedelle, unendlicher Durst, katzeujämmerliche Rast im Karzer: das zusammen füllte ein gilt Teil des Daseins wandernder Scholaren ans. Dringen dieseBorstellmlgen längstverklnngener Zeiten nicht in und durch alle Cufttmrfciteu akademischer Jugend; vom „Beit v. Staffelsteilt" dis zum Trompeter voll Säkkillgell? Wir träumen ulld sillgeu noch inlmer, als ob wir in dein Kreise fahrender Schüler 511m Magister Faust ziehen oder den Stein der Weisen entdecken wollten, während doch andere Zeiten längst aufgezogen sind und ihre Anforderungen au unS stellen. Andere „fahrende Schiller" luüffeu jetzt durch die Wälder ziehen; Rucksack, Lodenhut, Zupfgeige müssen Pekesche und Cerevis verdrängen; beim Fußmarsch über Berge lind Täler bei Regelt und Gewittersturm. Ta dehnt rmd breitet sich Blick und Sinn. DaS Wandern sei des Burschen Lust. Wenn unser deutsches Vaterland jährlich ntir 60 solcher fahrender Schüler hätte, die mtf Fllßntärscheu durch unsere Gebirge streiften, die Wirtshäuser meiden, den Elfen urrd Gnomen in nnsern Wäldern lauschten rmd gerade die Winkel anfsnchen, in denen Fremdeltkllltur itub Hoteliltdttstrie sich ltoch nicht eingeuistet imb eiugefresselt hätteit; daun, ja dmut kälmte man glaltbeu, daß unsere akademische Jugend crfamit hätte, daß die Zeiten eilt anderes (Geschlecht wollen nub verlaugelt. Schau sammeln sich auf allen Universitäten die Jünger des neuen Geistes, voll abschüttelnden mächtigen Trohes gegenüber dem Ewig'Gestrigelt, den Mächten der Beharrltitg. Wird auch der K. C. hierzu seilte Schar stellen? Es scheiden sich die Wege; der deutsche Sttldeitt des Jahres 1012 ist ein altderer als der des Jahres 1890, macht das Wandern ohne Alkohol zur Pflicht des jungen lebensrefarmerischen Studenten, tvas nützt Mts eine „Bildung", die Bol! und Vaterland nicht Nutzen bringt? DerAnliskmilismus in drr Studentenschaft. Voll O'itrt Bürger in Berlin. (Schluß ans vir. -S.) Die schroff antisemitische Richtung im D. St. gewallit sehr bald attch im Verbaudsorgan wieder die Oberhand, und der Verband plätschert nach wie vor ivt reaktionürelt Fahrwasser. Besonders der Berliner „V.D. St." kaltn sich lticht genug tun ilt cvncntcu programmatischen Bekenntnissen zum AittiseiltitiSllMs. Sv hat er im Jahre 1911 zur Frage der Gründung einer Universität in Frankfurt a. M. folgende Resolution beschlossen: „Ter Plan, in Frankfurt a. M. eine „freie" Universität — so ermannt im (vegensab zn den bestehenden staatlichen Hochschulen — zu gründen, beschäftigt zue,eit wieder in stärkerem Btafte die ^enentlichkeit. Tie ^ledentnng dieser Fenne bered,trat auch die deutsche Stlidentenschaft. ibre Bedenken geltend \n macherr. Der Verein Tentscher Studenten ,',n Berlin lsNiberzriijp, das; die Uiml>f)tinniflfeit der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. ".»wie der nationale Berns der deutschen Universität i,r ,'0u^e gestellt und bedenklichen binslnssen Dur und Tor g.--net wird, lvenil die nicht nnerbeblichen Mittel von vrivot ■. i, namentlich jüdischer und unsländischer Seite, nnsnel-onu loerden". Die Ausregltug der f/i\atioua(cu" Herren Studiosi war ganz zwecklos, zumal nach den Mitteilungen des Frankfurter Oberbürger ilieisters Dr. AdickeS voll einer in erster Linie aus jüdischcir ClucUou gespeisten Universität gar lücht die Rede sein tonnte. Ter Berliner „V. D. St." erließ fenier gegellüber eiltem Artikel der ..Deutschsozialen Bl.", die gelinde Zlveifel geäußert hatten, ob der „B. D. St." iloch anf dem allen antisemitischen Boden stehe, eine Erklärung des Inhalts, daß er nach wie vor m'schlossen ans dem iBoden einer rassenmäsligen Aiissnisnilsr des nationalen t^edankens steht und in der Abwehr des Judentums eine unerläf'.liche Forderung dentfchvälkischer l'üesinnnnn erblickt, „2. das; er für die Leitung der ..Akademischen Blätter" ebensowenig verantwortlich ist, wie jeder andere einzelne Verein des UlisshänserverbandeS, das', er aber die Ausnahme von Anssät'.en oder 'Aens;ernngen, die geeignet sind, in der Oesfentlichkeit Zweifel an der nationalen Fnverlässigkeit der Vereine loachznrnfen, lebhaft bedauert." Ellg befrelllldet mit dem V. D. St. sind die seit langem im antisemitischen Fahrwasser segeln-- bcu Akademischen Turnvereine, die sich im Akademis ch e u T u r n b u n d zusamniengeschlossen haben. Sie sind vorsichtig genug gewesin. in ihren Satzungen keine direkten antifemitiiJ)eu Bestimmungen aufzunehmen. Die Bereille gehören sogar inSgesailtt der Deutschen Turnerschaft an. Trotzdem ist all ihrelll Antisemitismus nicht zu zweifeln. Sie haben jüdische Kommilitonen überhaupt nicht in if)rcn Reihcm. Der idklldemische Turnbulld wies Ende 1910 in 32 Vereinen 1603 studierende Mitglieder auf. Auch die wissenschaftlichen studentischen Vereine, die sich zu dem Reichsverband wissenschaftlicher Vereine zusammengeschlosselr haben,