KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 10-11 (1.7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 195 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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195 heitsbewußtsein stärkte, stählte er das Frei- Heitsgefühl. den Stolz und den Mut seines deutschen Volkes! Ader dieses erste moralischei Mittel, sein markiger Mannesmut war das stärkere von den zweien! Die Wurzel, aus der der Stamm des deutschen Einheitsgefühls sich, entfaltete, war das Areißeitsgefühl — Vis-- marcks und der Männer seiner Art und seiner' politischen Schule!! Wellige Wochell vor devl Tode des edleli alten Kaisers, am (>. Februar 1888, hielt Aislnarck jene derühlllte große Rede über die aus- ' lvärtige Politik und die internationale SteUlmg * Dentschlailds, die durch das Vündllis mit Oesterreich zwar stark, aber dallwls durch die drohende [ Haltllilg Rllßlands gefährdet zll sein schien. Gegen ' Ellde dieser 3iede sprach der 7:!jährige Kalizler' das demütig illntige Wort; „WirTeiltsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt!" Eitlen Sturm der Begeisterung entfesselte dieses Wort bei alten Parteien im Reichstag! Und ans Flügeln eilte es in lveiligen Tagen durch alle Gone unseres > delltscheu Aaterlaildes! Theologische Akribie lnag das Wort alls formal logischen Grüllden anfechten, da ja Gort llicht zur Welt gehöre, fein Teil der Welt > sei, sondern über ihr stehe! Aber lassen lvir lllls ' durch diesen kleinen logischen Schnitzer die Freude - an dem historischeil Wert dieses vielleicht bernhintesten Bislllarck-Wortes ilicht verkümmern! lassen lvir das Wort „stahll" wie es historisch steht — llmg es mich ein ganz klein wenig schief stehn! Und darilnr wollen wir delttschen Inden lins nicht nur als Deutsche, soildern mich als Inden dieses Bismarck-Wort als Wahl sprach aneignen und den Kampf nur die Vollendung der Iudenemanzipation iluter der Devise durchführen : „Wir delitschell Juden fürchten Gott, Mer sonst nichts auf der Welt!" * * * Ferdinand Lassalle als Jude, Denker und Kämpfer. Von Rechtsanwalt Dr. Heinz Frank (Bndklttae) in (>ö(u «. Rhein. ((VintKlmim aus voriger vlunnner.) Ätach seiner Rückkehr nach Berlin machte Ferdinand Lassalle dllrch feinen Freund, den Dr. Arnold Mendelssohn, eine Bekanntschaft, die für sein gallzes Leben voll entfdjetbenber Wichtigkeit werden sollte: die Bekamltschaft der mit ihrem Gatten, dem Grafen Edmund von Hatzfeld im Ehescheidllllgsprozeß lebenben Gräfin Sophie, geborene Fürstin von Hatzfeld, welcher gerade, ihr Sohn Paul, mlser vorletzter deutscher Botschafter iil London, fortgenolllmen werden sollte, llnd die von ihren Eltern lamn die nötigen Existenzvlittel erhielt. Llachdem die Gräfin Lassalle ihr Leid geklagt, beschloß Lassalle, für die unglückliche Frau eillzlltreteil; sein Kamps für die Gräfin ist bis znill Beginn der Arbciteragitation das Ereignis seines Lebens, und wie er später selbst sagte, der Triumph seines Lebens gewesen. Er lud sich davlit eine fast erdrückende Last auf, die er mit größter Ausdauer trug, bis er, nachdelll er vor sechsllllddreißg deutschen Gerichten für seine Klientin gekämpft, ein günstiges Resultat erlangt hatte. Lassalles Auftreten für die Gräfin ist von den verschiedensten Seiten verdächtigt wordell; welches Verhältnis aber alkch beftanben haben mag, — dieser Kavlpf Lassalles steht an Aufopferungsfähigkeit beispiellos da. Die erste ernstere Gefahr, die ihm das Auftreten für die Gräfin brachte, war der sogenannte Kassettendiebstahlsprozeß, welcher lange Zeit hindurch als einer der abenteuerlichsten Gericktsvorgänge ,die Gemüter beschäftigte. Ter Vraf Hatzfeld hatte nämlich unter der sunulierten Form eines onerosen Leibrenleilvertrages seiner Maitresse, der Baronin von Mayendorf, eine Schenkung gemacht, welche die Existenz des zweiten Sohnes der Gräfin, Paul, der durch das Majorat nicht gesichert war, gefährdete. Die Freunde Lassalles, der Kannnergerichtsassessor Oppenheim und der Dr. Arnold Mendelssohn, wollten null von bem Inhalt des Dokuments Kenntnis bekonlnun, reisten der Baronin nach Köln nach und stiegen in Mölii im selben Hotel, devl dalnats allbekannten Mainzer-Hof, ab. ^lnc 20. August sieht lrnn Oppenheim unter ben Gepäckstücken der Baronin eine Kassette, in welcher er das Dokument vernlntete, stürzt sich airf dieselbe los und eilt mit derselben in Mendelssohns Zimmer, damit dieser die Kassette verberge. Lassalle wurde mm wegen Verleitung zu diesem .Kassettendiebstahl am 20. Februar 1848 auf Requisition des Kölner Staatsanwaltes in Potsdam verhaftet und nach Köln abgeführt. Bis Altfang August, also während der Monate, in denen die revolutionäre Bewegung und die demo kratischen Ideen sich zum ersten Male in Deutschland erhoben, saß Lassalle in Untersuchungshaft, bis elldtich vorn 5.—I I. August die Verhandlung vor dem Kölner Schwurgerichte stattfand. Am U. August hielt Lassalle seine berühmte Kassettenrede. nach Alllage llnd Ausführung ein Meisterstück, llnd das Resultat war die Freisprechung Lassalles von der Anklage. Nachdem Lassalle aui N. August 1848 in Källl freigesprochen war, beteiligte er sich sofort