KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 7 (1.4.1912)
- Date
- 1912-04-01
- Page
- Seite 140 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Mangel an Verslättdnis für die Lebens- und Wirtschastsverynltnlssezntage tritt, au szu scheiden, hat dazu geführt, dasr unter Znrückstellnng des Mitgefühls für das ('beschick des Einzelnen das Bestehen der Prüfung auch bei den die Prüfung wiederholenden Kandidaten von voller Erfüllung des zn fordernden Mindestmaßes der Leistungen abhängig gelliacht wird. Zur ZleKerfüllung des Zuristenllandes. Aus Badern erhalten >oir folgende Mitteilung: 'liecht bezeichnend für die trostlose Lage unserer jüngeren Juristen — wenn sie nicht gute Konknrsnoten haben, — ist. dasr imtiior lnelrr Nechtspraliilanleu sogar irr dem nieder» Kanzleidienst Unterlnnjt suchen. So wurdeil dieser Tage wieder zwei geprüfte Nechlspraltilanten als Selretariats- Assistente» angestellt, der niedrigsten Ulasse im Kanzlei dienst mit li!<H> Pik. (behalt. Me wachsende Krequen; der deutschen Zlrrirrcrsitäten. Bekanntlich nimmt der Besllch der deutschen Universitäten in einer Weise zu, die schon seit geraumer Zeit die allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Zahlenmäßig stellt sich diese Zunahme folgendermaßen dar: Hörer Sommersemester Immatrikulierte (davon allein in Berlin) 1879 20159 2021 (1577) 1895 2Sü97 4577 (0400) 1899 00509 5808 (4252) 1905 41950 7607 (4982) 1910 5 l 090 8906 1 642) Wintersemester 191(1.11 51 820 5894 (1084) Sommersemester 1911 57200 4069 ( 580) Tie jährliche durchschnittliche Zunahme beträgt also von IST9 vitz 1S95 nur 508; von 1895 bis 1899 scholl 12l 8. dann von 1899 dis 1905 in mäßigem Anfsteigen I0'05. am hierauf in dem Iabnünft 1905 bis l!UO die gervalrige Ziffer von 2l!>n erreichen. Und auch diese Zahl erhöhte sich im lebte» Zähre noch ans 2807. Vergleicht man die Zahl der Stttdierenden mit der jeweiligen Bevölkerung und uimmt 1879 als Ansgangspnntt, so dürften zllrzeit etwa 28 «x.x» vorhanden sein. oder nach dem Bl agil ade von >899 gemessen, etwa 88 000. Bei diesem gewaltigen Ueberschus;. bei deni noch gar nicht einmal der ZnloachS der technischen Hochschulen und der völlig neu entstandenen Handelshochschulen berücksichtigt ist, ist es nicht zu verwundern, wenn die Zahl der in ihren Erwartungen Enttäuschten immer größer tvird. Der Zuwachs ist am geringsten in der Theologie, sehr hoch in Medizin und Rechtswissenschaft und am allergrößten in dem großen Sammelbecken der Philosophie. Sehr stark ist ferner die Anzahl der Hörer gestiegen. Noch 1879 war deren Zahl nur in Berlin einigermaßen bedeutend. Bi«, 1905 hatte sie sich dann in Berlin stark verdreifacht und auf der Gesamtheit der anderen Hochschulen ungefähr versechsfacht (von 444 ans 2025). Bon hier ab brachte dann die neue Einrichtung der Lehrgänge für staats- und rechtswissentchastliche Tortliildnng für Berlin eine durchgreifende Entlastung. Ans den andern Anstalten aber hielt der Zuwachs, von dem lebten Eommersemester abgesehen, weiter an. Nach der Verteilung der einzelnen. Universitäten kann man deren zählen: zivei ganz groge, Berlin mit 80.',9 miö München mit 0942 Studierenden (ohne Hörer,) zwei große Leipzig mit 4888 und Bonn mit 4174. Sodann 10 mittlere, von denen Areiburg mit 8080 die erste ist, cs folgen dann in langsamem Absteigen: Halle, Breslau, Güttingen. Heidelberg, Marburg, Tübingen, Straßburg, Münster sowie Kiel mit 2001. Schließlich 7 kleine, davon Jena mit 1!M)2, Würzburg, Königsberg, Gießen. Greifstvald und Erlangen mit 1104 und schließlich als einzige mit weniger als 1000 Stttdierenden Nostock mir '.»20 KeidekSerg. Unsre Ruperto-Carola hat auch heuer loieder eine große Anzahl von Doktorhut'Kandidaten glücklich gemacht. Nicht weniger als 092 junge Gelehrte haben im Studienjahr 1910; 11 hier promoviert. Cbeuon stehen natürlich die Juristen mit 2l8 Tottoreu. ihnen folgten die Tottoren der Philosophie mit 89. bieten die der Mediziner mit f‘*0, während in der naiurwisfenschaftlich' mathematischen Tnlnltät die Zahl Oer Prmnotionen nur 27 beträgt. Aerzte-ltpprovakione« i» Aavern. Im Prüsnngsjnhre I9I«, 11 erhielten dnräi die äi N che Prüsnngs. tominission die Approbation i» Piuiuhcu 151 Kandidaten der Medizin gegen 171 it» Vorjahre. ')•' ■. .barg 52 gegen 04, in Erlangen 05 gegen 20. Tnnhgrsai!-'». znrückgetreten oder sonst abgegangen sind in Vkünthen 49 gegen 5l im Vorjatire, in Würzbnrg 17 gegen 22. iil ErlaagenS gegen 12. £-m Kreguenzrückgang an den LechniOben Kochfchuke« macht sich allenthalben fühlbar, teil,. in»!0,,e amtlicher und öffentlicher Warnungen vor der OOrii' ,aahl technischer Jacher, teils infolge der allenthalben itre.u er gehaudhabten Anfnahme-Bedittglingen. In München m'gi'bt sich sogar ein Nückgang nm 158 Studenten gegeiiüi-.r dem Vorjahr. Berliner Studentinnen. Häin'ig beginnet man in den Bahnen, die zur Universität fahren, auch in einigen Nestanrants und East's der Berliner Studentin. Tie ist. so lesen wir ill der „Köln. Vztg.", äußerlich Ente kaum noch von ihrer Mitschwester zu unterscheiden, di-e entroeder als besrhättigniigslose Tochter zu Hans liegt "der die sich in Arbeit und strenger Pslichtersüllnng ihren v-cruf sucht. Tie Slndentin von heutzutage entspricht dnc-.huns nicht mehr den Vorstellungen, die man sich früher vuo ihr gemacht hat. Sie ist int allgemeinen durchaus Tanie, sie trägt sich elegant, häufig genug sogar sehr modern. und nur das ganz geübte Auge iveiß, daß es sich um eine Ttudierenc-e nm eine gelehrte Trau handelt. Tenn etroas beßtrt sie u-:,irlich doch, was sie auch rein äußerlich von den Trauen " Alltags unterscheidet. Es ist nicht nur der Ausdruck s (Gesichtes, das die Intelligenz verrät, es ist auch etwas anm-res, eine gewisse Sicherheit im Auftreten, die sich jedoch u- der Selbstsicherheit der Dame der großen Gesellschaft unterscheidet. Es ist das Betonßtseitt des Könnens, das 'B.znnßtsein. mehr .pl wissen, als viele andere. In den Hümälen selbst sind natürlich gewisse Unterschiede zu beinerüa, fast vnnte man behanptell, daß je nach den Ialultäteu si.ch Kleikdung, Aussehen, Anstreten ändert. Immerhin noch die sonderbarsten Erscheinungen treffen mir in den inedizinischen Kollegien, vielleicht destvegen, tveil sic am meisten von Nnssinnen besucht tuerden. Hier trifft man noch manchmal bcn Tnpus der Iran, der lange Zeit in unserem Geiste maßgebend für den Begriff einer Studentin war. Hier sehen wir nicht selten eine gewisse gewollte Nachlässigkeit der Kleidung, schlecht frisiertes Haar und jenes Auftreten, dajagt: Außer der Wissenschaft ist mir alles gleicl». In den philosophischen Kollegien hingegen herrscht die Ttudentendame: Elegant gekleidete junge Mädchen, die in seiner Wmfe, weder im Auftreten, noch in der Toilette fiel» von der Dame der großen Welt unterscheiden. Zuweilen n>ird ihnen natürlich ein Mangel an Ernst vorgeioorseu, aber das ist nur deslmlb. weil sie eben gar so roenig unser m Vorstellung von Slndentiiinen entsprechen, biebeu ihr in die Sberleyrerin zu sehen, die Lehrerin, die sich für den Beruf eines nrüulein Oberlehrer an der Universität vorbereitet. Es scheint, als wäre sie die Eifrigste von allen, als gebe es für sie keine Erholung, leine Nu he. Sie versäumt keine Vorlesung, sie liest dem Dozenten die Worte förmlich oom Munde, sie schreibt alles auf. nm es zu Hans anszuarbeiten und dann für das Examen eindringlich dafür zu lernen. In ihrer Kleidung zeigt sie sich einfach, sehr bescheiden. Gewöhnlich