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KC-Blätter · 1912-04-01 · Heft 7 (1.4.1912) · p. Seite 137

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 7 (1.4.1912)
Date
1912-04-01
Page
Seite 137 (sequence 13)
Language
German
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unglaublichen Energie trog widriger Umstände bis heute sich als solche erhalten. 4. Die Juden mögen sich bei Besiedlung des palästinischen Landes in geringem Maße mit stammverwandten Amoritern, Hethitern vermischt haben. Seit zwei Jahrtausenden und länger aber sind die Inden eine fast unvermischte Rasse geblieben. — Die Juden gehören anthropologisch der mittelländischen Rasse an und zwar der südeuropäischen, afrikanischen brünetten Gruppe der Mittelländer. 5. Die Annahme, daß die Nasse unveränderlich in körperlicher, geistiger und seelischer Beziehung sei. beruht am einer Verkennung der wichtigen Momente, die die blutmäßige Vererbung beeinstussen können: Vererbung erworbener Eigenschaften. Ernährung. Klima imb in hervorragendem Maße: individuelle Erziehung. Auch die Zuchtwahl innerhalb einer Rasse hat große Bedeutung. Daher kann man ungefähr sagen, daß die körperlichen Eigenschaften einer Rasse durch die Ernährung und durch das Klima beeinflußt werden, die geistigen mehr durch Zuchtwahl und Vererbung erworbener Eigenschaften, die seelischen durch Erziehung. Eine Gemeinschaft kann daher in wenigen Generationen ein anderes Gepräge haben. Somit kann die Germanentheorie ebensowenig einer Kritik standhalten wie die Jndo-Germanen- Arier-Theorie. Der finstere Glaube, daß uns der Fluch der Minderwertigkeit als Kainzeichen aufgedrückt sei. müßte uns als denkende Menschen zur Verzweiflung bringen. Die einzige Rettung wäre für uns gegenüber diesem grauenhaftem Fatum ein rücksichtsloses Aufgehen unter der Gesamtheit der zivilisierten Völker, eine ausgedehnte Assimilation, ein Volksselbstmord. — Aber zum Glück können wir für diese Ausgeburt eines judenfeindlichen Gehirns auch nicht den Schatten einer Berechtigung finden. Wir wollen an dem trostreichen Glauben festhalten, daß ein gütiges Schicksal einem jeden Menschen und Volke Entwicklungsfähigkeiten in ungeheurem Maße gegeben hat. daß jedem Vollmenschen das Streben nach Gutem, Edlen eingewurzelt ist. das Streben nach Schönheit des Leibes und der Seele, daß wir Möglichkeiten besitzen, uns und das kütnmende Geschlecht im Sinne ewiger Menschenwerte zu erziehen. Wir müssen das Gute in uns als Eigennote unseres Judentums pflegen und erhalten. Was weniger gut in uns ist als Folge eines grauenvolleil. seelischen Druckes von Jahrhunderten, das müssen wir in uns ändern und ausmerzen durch Erziehung unserer selbst und eines kommenden Geschlechts zu aufrechten Juden. Wir werden der Wett und uns dadurch mehr Dienste leisten als durch eine sinnlose Assimilation. Nachdruck verboten. Aus dem Wunderlande der Pyramiden. Neiseeindriicke von Or. Löwisohn (Thurm giae) Breslau. Noch voll der tiefen Eindrücke ritten wir durch das abendliche Treiben von Kairo und kamen bei deru Heranbrecheil der Dunkelheit in ein Volkstreiben hinein, das uns an die luftige Karneoalszeit von Nizza erinnerte. Große Blumenwagen, gefolgt von bunt maskierten Negern aller Stämme, lustige Trupps junger schwarzer A.beitsburschen in romantischen Rittergewänden, die ihren Ursprung unserer Breslauer Stockgasse hättcu verdanken können, zogen uns entgegen, begleite! von ebenfalls maskierten Musikanten, die auf europäischen Blechinstrumenten und merkwürdig geformten Tamburins. Pfeifen, Tronlmetn und Pauken aralasche Weisen spielten, die uns lebhaft an unseres Wilhelm Busch's Dideldumm erinnerten; „Musik wird oft und schön gefunden, weit stets sie mit Geräusch verbunden.,, Und dabei hält sich der Aegypter für besonders musikalisch und singt bei allen Gelegenheiten. ob er im Schweiße seines Angesichts hinter unserem galoppierenden Esel einherkeucht, ob er uns über den reißenden Nit auf flinkem. Boote ans andere Ufer setzt, und Liebeslieder von einförmigem Rhythmus ertönen, wenn uns junge kraftstrotzende Nubier in bunt bewimpelter Gondel die Katarakte des heiligen Stromes hinabführen, oder Lobgesänge auf Allah erstehen Kraft und Stücke für die Mühe und Arbeit. In den Musüs. das ist der Straßenzug, in dem die großen Bazare die Schätze des Orients beherbergen, ist es still geworden. Nur vereinzelt begegnet man einem Wasserträger. der den gefüllten Ziegenschlauch auf dem Rücken. Wasser mit Orangenblütensaft verkauft. Geschlossen sind die Barbierstuben, in denen sonst offen auf der Straße der echte Araber sich den ganzen Kopf kahl rasieren läßt, und die schwarzen Hauswächter haben schon ihre aus Palmstäben bestehenden Betten auf die Straße gestellt. Im arabischen Viertel nämlich schläft das Auge des Gesetzes in aller Oesfentlichkeit. Reges Sieben hingegen herrscht in den arabischen Eafc-häusern, vor denen alte graubärtige MusliminS sitzen, mit untergeschlagenen Beinen ihre Wasserpfeife rauchend und sich berauschend an dem scharfen persischen Tabak, „Haschich" genannt. Wir aber geben unserem Roß die Sporen und eilen in.das hell erleuchtete Hotel, baden, legen die Wüstentracht ab und erscheinen als von der Kultur beleckte Mitteleuropäer zum Diner. Draußen aber in der Wüste träumt der große Sphinx, den die Araber den Vater des ^Schreckens nennen, und sein mit der Königshaube geschmückter Menschenkopf starrt.'wie das Haupt eines Begrabenen nach Osten; sein Mund lächelt, sein Mund, der 21j% m groß ist, und an ihm ziehen vorüber die Bilder von Jahr-

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