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KC-Blätter · 1912-04-01 · Heft 7 (1.4.1912) · p. Seite 136

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 7 (1.4.1912)
Date
1912-04-01
Page
Seite 136 (sequence 12)
Language
German
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186 Nasen, die sich diese auf operativem Wege haben germanisch zuschueiden lassen, nun diesen germanischen Zuschnitt vererben kannten. Aber soweit ist die Vererbung erworbener Eigenschaften sicher zuzugeben, daß. wenn der Vater bestimmte geistige Eigenschaften in sich anfnimmt, z. B. sich zu einem guten Mathematiker ausbildet. er dann die Fähigkeit besitzt, diese ausgebildeteu Gehirnbahnen seinem 2tachkomtnen zu vererben, wenn nicht in der ersten Generation so doch in Weiterzüchtnng fortlaufend in vielen Generationen. Auch für die Vererbung erworbener Eigenschaften ist im Anschluß an die Theorie vom Keunplasma eine Erklärung gefunden, die sogenannte Engramintheorie von S e m o n. S e m o n geht davon aus, daß das Keimplasma als Träger für die Vererbung reizbar sei, das; beim Reiz das Keimplasma in den Zustand der Erregung komme. Wenn dieser Reiz häufig wiederholt wird, so tritt an Stelle des augenblicklichen Reizzustandes ein dauernder Zttstand, mit anderen Worten, der Vererbnngsstoff wird danerd verändert und dadurch befähigt, die erworbenen Eigenschaften dem Nachkommen zu vererben. Bei Anerkennung dieser Vererbungstheorie erworbener Eigenschaften ist keineswegs eine absolute Gebundenheit einer Rasse an ihren Habitus gegeben. Die Eigenschaften einer Rasse sind veränderlich. Ein zweites Moment für die Veränderlichkeit einer Rasse liegt in dem Milieu. Unter Milieu faßt man die Komponenten zusammen, die durch äußere llmstände gegeben werden, wie z. B. Klima lind Ernährung. Es ist die körperliche Größe der Menschen abhängig von der Ernährung, oder, wie inan im Sinne der Tierzüchter sagt, von der Fütterung. Das Beispiel der Größenzunahme der holländischen Wefntteii ist sehr einleuchtend. Ferner ist die Größe abhängig von äußeren Umständen. Gebirgsbewohner sind meist größer. Die Körperbreite, der Knochenbau, die Muskulatur sittd in weitem Maße durch Ausbildung bedingt. Die Gesichtsbildung und die Physiognomie ist von der seelischen Verfassung abhängig. In freier freudiger Umgebung aufgewachsene Menschen werden ineist edlere Gesichtszüge aufweisen als Menschen, die durch Seelenkämpfe zerrissen sind. Also auch der körperliche Habitus einer Rasse ist veränderlich. Noch ein Moment wird bei der Betrachtung der Frage „Rasse und Vererbung" zu wenig berücksichtigt: das ist die individuelle Ausbildung der Einzelpersönlichkeit. die Erziehung. Wenn man auch annimt, daß die sogenannten geistigen Eigenschaften vererbbar und zum großen Teil körperlich im Gehirn vorgebildet sind, so kann man doch dies Zugeständnis für die seelischen Eigenschaften nicht machen. Man kann behaupten, daß z. B. Mut eine absolute Sache der Erziehung ist, ebenso wie die kriegerische Gesinnung. Beide sind abhängig von der körperlichen Beschaiiercheit des Individuums imb diese wiederum vor der Ausbildung. Man könnte als Beweis anführen, daß unsere Abwehr gegen antisemitische Angriffe heute eine weit mehr aktive, mutvollere ist als vor einigen Generationen, wo die Abwehr mehr einen passiven Widerstand darstellte. Ebenso ist die Vererbung eines händlerischen Geistes nur insofern möglich, als gewisse Fähigkeiten des Gehirns vererbt weiden, gewisse Gehirnbahnen, ans Grund derer es möglich ist. den Nachkommen in händlerischcnt Geist zu erziehen. Ebenso gilt aber könnten diese vererbleit Gichirufähigkeiten ausgenutzt werden, das Heranwachsende Individuum zum Mathematiker zu erziehen oder zu irgend einer Tätigkeit, bei der es auf eralre Schlußfolgerungen ankommt. Jedenfalls muß zugegeben werden, daß außer der blntmäßigen Vererbung für die Artung des kommenden Geschlechts maßgebend sind Milieu, Ernährung und Klima und im hohen Maße Erziehung. Man sieht also, daß der Begriff blasse keineswegs crrvaS unveränderliches darstellt, im Gegenteil, daß eine Rasse auch ohne Blulmischung und Mischehe im hohem Maße variabel ist.' Um eine Schlußfolgerung aus unseren bisherigen Betrachtungen zu ziehen, so ergiebt sich einerseits: 1. daß die Uuterscheiduiig zwischen Ariern und Semiten nur im sprachwissenschaftlichen Sinne möglich ist. daß daher von einer Rassenoerschiedenheit der Arier und Semiten nicht gesprochen werden kaiin. 2. Wenn sich Blondheit, Blauäugigkeit, Langschädlichkeit unter den süd- oder nordafrikanischen oder asiatischen Völkern, so auch unter den Juden vorfindet, so beruht dies auf Zuchtwahl innerhalb deS betreffenden Stauunes gemäß der größeren Neigung der mittelländischen Rasse, Abarten ztl bilden. Mil Einsprengung germanischer Elemente hat diese Erscheinung nichts zu tun. Jeder Schatten eines Beweises fehlt dafür. 3. Die Kultur der älteren Völker, der Aegypter, Babylonier. Affyrer und besonders der Juden ist daher durch germanische Einsprengung nicht beeinflußt worden. Die Kultur der Juden ist eine echt jüdische, ihrem Wesen ureigene. Qb Beeinflussung im geringen Maße durch stammverwandte Assyrer startgefunden hat. ist bestritten. Wenn auch eine solche Beeinflussung zugegeben werden sollte, so bleibt doch den Juden der Ruhm, von allen Völkerschaften der Welt allein die ethische Kraft besessen ztl haben, ihre Kultur der Nachwelt zu übermitteln. Juda Makkabi, der das Judentum vom Ansturm des Hellenentums rettete, war ein Kulturträger im hervorragenden Maße. Die Juden sind bereits im Altertum eine kulturfähige Nasse gewesen und haben mit einer

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