KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 6 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 117 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Abend Stromboli kurz vor Sizilien erreichten.. Glühende Flammensänlen erleuchteten das Dunkel der stacht; ivie ein überirdisches Zauberfeuerwerk glitt eine leuchtende Himmelsleiter vom fernen Horizont hinab. An Deck wurde es lebendig, und alles bewunderte dieses grandiose Raturschauspiel. das seine prosaische Erklärung in der dauernd Feuer speienden Tätigkeit des vulkantschen Stromboli fand, und. noch lange hingen die faszinierten Blicke alt dem glühenden Lavastrom, der, den Berg hinuntergleileitd, taghell die stacht erleuchtet. Im allgemeinen war das Meer ruhig, nur nach der Straße von Messina ging es etwas lebhafter, und einzelne Plätze am opiiteiitcii Mittagstisch lichteten sich und zeigten, daß die Inhaber im stillen Kämmerlein ihren Tribut dem Herrn der Wogen zollten. Wir aber behaglen uns wohl, aßen die üppigen Menus mit einem Heroismus, der besserer Dinge wert war. und genossen das Leben an Deck in vollen Zügen. Allmählich wurde es heißer, lind rauschende Wogelt, entgegenkontnlenv und ait uns vorüberflutend. erzählen die Wunder südlichen Landes und tragen die Kunde davon ans heimatliche Ufer. Der Wind bläst scharf unb immer wärmer und wärmer. Die legte Nacht wird noch durch einen Ball an Deck zu Ehren des Kapitäns und seiner Offiziere verkürzt, tntd auf dem schivankenden Tanzboden sucht inaltcher festen Fns; ztt fasfelt im Walzer¬ und Polkatakt. Daltn erlöschen die Lichter, nur die Lantpen hoch oben am Mast brennen, und der Nus des wachenden Matrosen klittgt zuin legten Male beruhigend bis in unsere enge Kabine. Am nächsten Morgen ist alles in großer Erregung; der Lotse kolnmt auf schwankendem Boot, die Flaggen rverden gehißt: „An Bord alles wohl". Afrika ist in Sicht, trostlos anzusehen; öde Wüste bis alts Meer heran; lioch wenige Milllnen und wir sind am hochragenden Leuchtturnr vorbei, mitten durch das Gewirr von Schisfeit aller Herren Länder im Hafen, an der Landungsstelle, wir betreten afrikanlschen Boden in Alexandrien, und eine neue Well erschließt sich uns. Der kalte wolkenbedeckte Himmel Europas ist der glühenden Sonne a fr c konisch er Wüstenei gewichen, aus übertünchter Höflichkeit des "Abendlandes sind wir zum gastfrohen Morgenlande, von der Höhe der Kultur zur Wiege der Menschheit, von Weiß zu Schwarz, vom brachliegenden "Acker zu gesegneten Feldern gelangt. Dieses Gewirre von Menschenrassen weißer, dunkler Farbe in allen Nuancen, dieses Kolorit der Kleidung, der Turbane, der Feze. der schön gestaltigen Männer, die. Frauen züchtigl'ch verschleiert, ihre Kinder auf der Hüfte oder auf der Schulter tragend, das Gedränge von Fußgängern, Reitern, Lastwagen, das Schreien, Lärmen Wagenrasfeln auf den Straßen wirkt die Sinne betörend. Und wenn man auch Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, so können die Sinne doch kaum allen Reizen folgen. Wohin man blickt, erscheint Neuartiges,, gesmhk. geahnt, doch nie gekannt. Und als gar die Bahnfahrt durch Unteräghpten uns einen Blick auf die gesegneten Flttren des 'Nits, auf wandernde Kametkarawanen, auf die äußerst bunte Mannigfaltigkeit der Stationen werfen ließ, da kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Unb nun erst Kairo! Diese Metropole Afrikas versetzt uns völlig in die Märchenwelt von Tausend und eine stacht mit all seiner Pracht und duftenden Wärme. Und doch stoßen hier die Gegensätze aufeinander. Die höchste Eleganz im vornehmsten Hotel, in einem Hotel, das ganz vergessen läßt, daß es auch arme Leute in der Welt gibt, wohnt lieben gräßlichstem Schmutz der orientalischen großen Basare, deren schmale, ungep flüsterte durch allerlei Abfall verunreinigle Gafü n die Schätze Arabiens und die heimischen Produkte in offenen Läden und Werkstätten zum Stra genverkauf beherbergen. Der überwältigende Lärm. das Peitschenknalleil, das Eselsgeschrei, das Kamelgebrüll. die warnenden Stimmen der Treiber, die Rufe der hausierenden Kaltflente und Gewerbeleute steht im Gegensatz zu den Scharen der vornehm gekleideten internatlonalen Damen und Herren, die mit Mühe und Not ihr Reittier durch diese qualvoll fürchterliche Enge zll führen versuche!:. Jawohl es ist eine ^-tadt der Gegensätze, Nacht und Licht, Kultur und Intelligenz neben Urzustand und Borniertheit, Paris neben Posemuckel. Unser Hotel bildete den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Große Salons in arabischem Stil gebaut, schwere Perserteppiche bis zum dritten Stock hinauf und in allen Zimmern, wundervollste Toiletten bei schönsten Frauen, schmucke Uniforme« englischer und ägyptischer Offiziere baren besonders des Abends ein prächtiges Bild, von dem sich die weißgekleideten schwarzen Kellner mit ihren roten Fezen, die zuerst einen beängstigenden Eindruck machren, malerisch abhoben. Und wenn wir des Bormittags auf den breiten zur Straße hinausreichenden Terassen des Shepheardhotels saßen, dann flutete das ganze orientalische Leben an uns vorüber. Arabische, ohrenbeiäubende Musik erschall plötzlich von der Straße her; ein Hochzeitszug näherte sich. Die Braut, die manchmal kaum das l0. Lebensjahr erreicht h u. ist ganz in einen Eashmirshawl eingewickelt und sitzt in einem verhangenen Mietswagen oder wird in einer verschwenderisch bunt ausgestattcten Sänfte von prächtig behangenen Kamelen getragen und ihrem Bräutigam, der sie das erste Mal bei der Hochzeit zu sehen bekommt, zugeführt. Vornweg werden oft die Hochzeitsgeschenke, sämtliches Mobiliar, selbst intimer Natur, getragen. Die Festgäste, die Fahnen und Embleme erregen unser