KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 6 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 118 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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tiefstes Interesse, und besonders die Frauen, die leider verschleiert sind. Denn die Aegypterinnen sind schön: jedenfalls lassen die dunklen Augen verborgene Reize ahnen. Zwar färben sich die Aegypterinnen des Volkes die Augenwimpern und Lider dunkel, wie heute die Eourtisanen in Paris und die Nagel braunrot. Oft sieht man sogar Stirn, Kinn und Brust blau tätowiert. Silberne und Perlenarmbänder, Fußringe über die Knöchel, Ohrringe, die am oberen Rande der Ohrmuschel sitzen, häufig auch Nasenringe zeigen die Eitelkeit des weiblichen Geschlechtes. Die Sitte, verschleiert zu gehen, ist nicht unschön, doch haben wir viele weibliche Personen gesehen, denen wir es arg verdacht haben, daß sie. freieren Anschauungen huldigend, ihr Antlitz unverhüllt zur Schau trugen. Offen gesagt, waren es weibliche Studentinnen, die ich bei einem Besuch der arabisch-medizinischen Hochschule kennen lernet! durfte. Kaum ist der Hochzeitszug vorbei, so kommt mit pompösem Gepränge der Zug der Mekkapilger vorüber. Der Trommelwirbel dröhnt ins Ohr. Lavendelduft steigt uns in die Nase. und noch lange tönt das paukende, kreischende, sinnenbetäubende, sich Musik nennende Geräusch durch die Straßen und Gassen. Bald aber zieht ein neues Bild an uns vorüber, es ist ein Leichenzng. an dessen Spitze die Klageweiber heulen, dein in großen Scharen Blinde vorausgehen und dauernd das Glaubensbekenntnis singen: Allah ist groß und Mohamed ist sein Prophet, Und ist es ein Hausherr, dann schluchzen die trauernden Frauen: O mein Kamel, weil das Kamel als Bild der Sorge des Hauses aufgefaßt wird. Wir inzwischen haben durch unfern leidlich deutsch sprechenden Dragoman Mahmud Hassan Frühstück und Mittagesien in einem Korbe verpackt, auf unsere Reittiere verladen lassen und besteigen frohgemut die flinken und unermüdlichen Grautiere, die sich bald in Trab setzen, bald im Galopp uns rütteln und schütteln, daß wir manchmal lachend die Seiten uns halten und nicht wissen, wo der Esel anfängt, und wo wir aufhören. Und hurtig gings hinaus auf die Prachtstraße, die zu den Pyramiden führt. Ein Korso hier am Nil. entlang ist das entzückendste Bild, das sich denken läßt. Autos. Wagen wunderbarster Art, Pferde echt arabischen Geblütes, vornehme Damen in kostbarsten Toiletten, in prächtigsten Gespannen, welchen Schnellläufer vorauseileu, und nebenan zieht eine Kamelkarawane, von Beduinen geführt, hochbeladen mit Feldfrüchten, schmutzige Fellachcnfrauen, auf Eseln sitzend, Türken. Griechen, Sudanneger, Kinder und Greife ziehen neben dem Salondandy im bunten Gemisch. Also wir reiten in die Wüste. Diese Oede, unermeßlich schier und monoton, erweckt doch einen tiefen Eindruck. Gierig sogen wir die reine, trockene Wüstenluft ein. Die Sonne scheint mit einer gewissen Absicht besonders heiß zu brennen, als wollte sie. die Lebensspenderin, auch aus diesem unfruchtbaren Sande mit Macht Leben er'wichen lagen Majestätisch ist die Stille der Wüttenlandschast. Wohin das Auge blickt, weder Ar noch Halm, weder Strauch noch Baum, kein Tier, kein Zeichen des Lebens! Nur die Hügel der Wüstenberge bringen eine Abwechselung. Ihre Schatten scheinen sich zu beleben, zu wandern, nur.aber reiten stumm durch diese erhabene Ruhe und Einsamkeit und freuen uns, wenn wieder einmal von einer Anhöhe aus das trunkene Auge schweifen kann hinüber in das fruchtbare Niltal, das zu beiden Seiten des heiligen Stromes die Wüste durchschneidet und mit seinen üppigen Feldern und Palmenhainen das Symbol des Lebens mitten im Reiche des Todes zu sein scheint. Und in der Tat haben die Großen des Landes, die Pharaonen, mit ihren Fürsten ihre Gräber in die Wüste gebaut, ihre Gräber, die kolossale Anlagen darstellend nur den Zweck hatten. wich dem Tode dem Verstorbenen ein angenehmes Fortleben zu sichern. So sind die Gräber der Ausfluß höchster Lebenslust, gebaut in der Wüste, t ie doch alles Leben verneint. Rur so kann ich den gewaltigen Eindruck schildern, den diese Bauwerke ausüben, diele Bauwerke, die wie z. B. oie Pyramiden von grandiosen Dimensionen sind, und uns zur Bewunderung zwingen allein schon bei dem Gedanken au das Riesenmuß von Arbeit und Energie, die solch ein Monument erforderte, ein Denkmal, das 5000 Jahre alt, uns eine gewaltige Sprache spricht von früheren großen Zeiten, von Reichen und Herrschern, von Armen und Unterdrückten, eine Sprache, aus der wir die Lebensfreude des Erbauers und das Stöhnen und Aechzen hunderttausender von Knechten hören können, von geknechteten, Frohudicuft leistenden Männern, die unsere Vorfahren gewesen. So ragen den Nil entlang 30—40 Pyramiden verschiedenster Größe aus der grauen Wüste zürn blauen Himmel, dauernder als Erz und doch em Zeichen, daß alles Irdische vergänglich. Solche Gedanken erfüllten uns bei dem stundenlangen Ritt, und als wir uns heimwärts wandten, ging die Sonne in majestätischer Pracht unter, dre Schatten der Berge wurden hell, blau, die Höhen vergoldeten sich und wurden durchsichtig, die Felder erstrahlten und der Himmel schien zu glühen. Die Palmen wiegten und bogen sich, als wollten sie im Lichtmeer sich baden; die Pyramiden aber lagen da in tiefster Stille, die Spitzen wie von Gold, die Basis wie von Amethyst. Und wir ritten hindurch, teils schweigend, teils laut bewundernd, alle aber ergriffen, jeder nach [einer Art. (Fortsetzung folgt.)