KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 6 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 116 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2268830-2268846-2268853--0385-2269590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rasse. Nimmt man an, daß ein mäßig hellfarbener, aber immer noch brünetter jüdischer Vater eine zur Hellfarbigkeit neigende jüdische Frau heiratet, so wird sich bei den Kindern die Neigung zur Hellfarbigkeit verdoppelt haben und so fort, bis im Laufe der Geschlechter ganz hellfarbene Sprossen erzielt werden. So sind auch diese blonden Einsprengungen unter der brünetten Gruppe der mittelländischen Rasse entstanden. Diese These entspringt nicht so ganz, wie vielleicht scheinen mag. der Fantasie. Die Neigung der Bariantenbildnng findet sich schon bei der mittelländischen Urrasse. Aber weiter erkennt man die Steigung zur Variantenbildung unter der mittelländischen Rasse, wenn man die mittelländische mit den übrigen Rassen, besonders mit der gelben mongolischen, vergleicht. Bei der letzteren Gruppe ist die Haar- und Hautfarbe etwas fest eingewurzeltes, während die Hautfarbe der Mittelläuder von hellem Weiß der Germanen bis zum Olivengrün der Nordafrikaner wechselt; die Haarfarbe wechselt.von Blond bis zum tiefen Schwarz. Wie fest fixiert im Gegensatz zu den Mittelländern bei den übrigen Rassen die Haarfarbe ist. erkennt nwn ans der Tatsache, daß das nordische Klinra und die lange Abtrennung von den chinesisch japanischen Stammesbrüdern nicht imstande war, den Typus der mongolischen Eskimos auch nur leise zu berühren. Die Veränderlichkeit der mittelländischen Rasse ist also eine große. Aus dieser Veränderlichkeit erklärt sich das Vorhandensein der eingesprengtcn Inseln von Blondhaarigen, Blauäugigen, Hellfarbigen unter der sonst brünetten Gruppe der sndeuropäischen afrikanischen Mittelländer, zu denen auch die Juden gehören. Als sonstige Zeichen der germanischen Rasse wird von den Rassewütigen hohe Statur. Langschädligkeit. edle Gesichlszüge angegeben. Daß die hohe Statur hauptsächlich vom Milieu abhängig ist, kann als sicher gellen. Alle Gebirgsvölker erfreuen sich eines hohen Wuchses. Von der Ernährung ist die hohe Statur gleichfalls abhängig. Bei guter Ernährung nimint in wenigen Generationen die Größe beträchtlich zu. Bei der holländischen Rekrntenaushebnng hat es sich gezeigt. daß die durchschnittliche Größe in 40 Jahren um ca. 8 cm. zugenommen hat. Schädelmessungen haben nach Ansichten aller Anthropologen bei der Frage der Rasseneinteilung versagt. — Gesichtsznge sind im weitesten Masse von der Physiognomie abhängig, in der sich die seelischen Vorgänge abspielen. Wir muffen daher alle Versuche der Teutomanen. die Kultur der nordafrikanischen itnd vorderasiatischen alten Völker auf germanischen Einfluß zurückzuführen, als gescheitert betrachten. (Fortsetzung folgt.) Aus dem Wundrrlande der Pyramiden. Neiseeindrücke von I)r. Löwisobn i'Thuriugiae) BrrSlau- Den 24. Februar vereinigte uns rin fröhliches Mahl mit Berliner Freunden und Srudiengenossen bei Hiller, Berlin, unter den Linden; dann ging es in sausendem Tempo in Automobilen durch die eisige Willternacht zum Anhalter Bahnhcn, und bald saßen wir im hell erleuchteten Luxuszuge, von dessen Seitenwänden in goldenen Lettern uns vielverheißend die Worte entgegenstrahlten: Berlin-Aegypten-Expreß. Händedrücken. Tücherschwenken, Signalpfiffe. Dann setzte sich zischend die lange hell leuchtende Wagenschlange in Bewegung. und wir versuchten uns in unserer zum Schlafraum umgewandelren Kabine wohnlich einzunchten. Bald umfing uns tiefer Schlaf, und erst anr Morgen erwachten wir im fchueeversteckten München. In der Tat. in solch einer Luxuskabine fühlt man sich wie in einer gemütlichen Sofaecke eines behaglichen Wohnramnes, und bei dem Rauche einer Zigarette gaukeln iwe Phantasiegebilde die Szenerien der Landschaft wechselnd am entzückten Auge vorüber. Schttee bis zum Brenner, dann allmähliches Lichterwerden, aber selbst Italiens Sonne zeigt uns noch nicht den ewigen Frühling, und auch ui Rom hüllen sich noch die dunklen Schönen in noch dunklere Petze. Erst weiter im Süden vergessen wir Bergspitzen. Schnee und Eis und jubeln beim ersten Apselsinenb w\ n und freuen uns. daß die historischen Stätten, die wir im Fluge durcheilen, ihr Frühlingskleid angelegt haben. Mit fieberhafter Spannung erwarten wir Neapel, das sich schon von weitem durch den Rauch des Vesuv ankündet, und endlich; .Mia b-lia Napoli! Da schwelgt das Auge in Himmelsbläue und irrt vom dumpf rollenden Vesuv über den Golf, über das Meer, über die Berge, und hastig st egt der Blick von Santa Lucia über die Stadt, vom Meer nach Capri, vom einsamen Pinienbaum '/zum Durcheinander des Hafenlebens. Neapel sehen — und sterben? Und doch hat der Schmutz dieser Stadt etwas Beklemmendes, daß ich. wie Heine von Göttingen, sagen möchte: Neapel ist eine sehr schöne Stadt, wenn malt sie in, Rücken hat. Denn je weiter das Schiss ins Meer geht, desto herrlicher rundet sich der Blick, desto majestätisch schöner liegt diese Stadt, die nächst Konstantinopel schon immer der Traum meiner Sehnsucht gewesen ist. Und dann die Meersahrl auf dem prächtigen Salondampser „Oceana". das unendliche blaue Wasser, die Helle Sonne, die feierliche Stille und das nervenstärkende Dolce farniente! Bald zeigte sich Capri wie in Gold gefaßt im tiefblauen Meere, prächtige Schatten werfend; und weiter gings. und das Land schwand, und eine unendliche Ruhe umfing uns. bis wir am