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KC-Blätter · 1912-03-01 · Heft 6 (1.3.1912) · p. Seite 113

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 6 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 113 (sequence 13)
Language
German
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113 gefunden werden, germanische Blutmischung vorhanden seine müsse. X Der dritte Satz dieses Germanenglaubens, der fast zu einer Religion geworden ist. nimmt an, das; die Stammgermanen eine überlegene Kulturfähigkeit besessen hätten, das; daher überall, wo ein südliches, nicht germanisches Volk Kulturwerte erzeugt habe, eine germanische Oberschicht vorhanden gewesen sein müsse. Die Anhänger und Auguren dieser Theorie müssen daher an allen Kulturstätten und unter allen Kulturvölkern nach blonden hochgewachsenen Menschen fahnden und diese stets für Germanen erklären und somit den Beweis liefern, daß die germanische Blutmischung den Kulturwert des betrtsfenden Volkes bedingt habe. Die wissenschaftliche Ueberlegung dieser Germanenwütigeu ist folgende: Im hohen Norden Europas hat eine germanische Urrasse gesessen; durch stete Kämpfe mit der nordischen Glctscherwelt und dein nordischen Eise ist diese Rasse besonders erstarkt, geistig und körperlich Diese Germanen waren Erfinder der Kleidung. der Feuerbereitung, der Metallbearbeitung rc. Da sie durch die Härte der umgebenden Statur besonders zum Kampfe um das Dasein sich rüsten mußten, so waren sie in jeder Beziehung erfinderisch So erfanden sie auch die Schisfahrt, da sie die fortschreitende Vergletscherung zwang, über breite Wasserarme, südliche Länder aufzusuchen. Die fortschreitende Vergletscherung zwang auch diese wachsende germanische Urrasse, immer weiter südlich gelegene Gegenden aufzusuchen, wo sie stets nunderwertige Rasselt trafen. Infolge höherer Kalturfähigkeil und höherer Intelligenz vernichteten sie entweder die Eingeborenen oder durchsetzten sie mit ihrer höheren Kllltur und lebten als Herrscher und Oberschicht, als Feudalherren unter diesem miltderwerligeu Plebs. sSehr schön und spannend sindet man diese Theorie in einem Roman verbreitet: „Der Gletscher" von Iensen.j Die germanischen Völkerwellen erstrecken sich nach der Germanentheorie, deren Hauptvertreter C h a m b e r l a i n in seinem Buche „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" ist. bis nach Afrika und Asien hinein. Die Beduinenstämme Algeriens, die sich durch hohe Statur. Hellen Teint auszeichneten und selbstverstättdlich auch durch kriegerischen Sinli. gepaart mit Mut ultd Treue, sind das Produkt einer uralten germanischen Einwanderung. Die Kultur Aeguplens ist die Folge der Durchietzung mit hellfarbenen.Germanen. Die hellfarbenen Lydier Afrikas sittd Germanen. Daß die schönheilotrunkeue Kultur der Hellenen die staatenbildende Kraft der Römer durch germanischen Einschlag bewirkt wurde, war relativ leicht zu erklären und verständlich. Ein besonderes Ziel dieserTeutomanen-Anhänger der germanischen Theorie müßte es sein, einerseits die alte Kultur der Sümero Akkader den Germanen zuzusprechen,anderseits eine Erklärung für die religiöse Bedeutung der Juden zu finden als eines sicherlich semitischen, nicht germanischen Volkes. Die Sumerer sind ein prähistorisches Volk, das Mesopothamien vor der semitischen Völkerwanderung beherrscht zu haben scheint, und deren hochentwickelte Kultur die Grundlage für spätere Kulturepochen geworden ist. Hier ist der erfinderische Geist nicht verlegen. Durch Ausgrabung wurden bildliche Darstellungen der Sumerer gefuitden. welche diese als hochgewachseue Langschädel mit edlen Gesichtszügen dar« stellen. Die edle Haltung, die edlen Gestchrszüge besagen nunmehr genug für die Zuhorigkerr zur germanischen Urrasse. Schwieriger war es schon, die Kulturwerte der Juden auf germanischen Ursprung zurückzuführen. Es wäre ja nach den Lehrett dieser Germanentheoretiker eine schwer verständliche Lücke der Theorie gewesen, wenn mart den Juden, also Semiten, den Ruhm hätte zugestehen müssen, auf religiösem Gebiete Werte geschaffen zu haben, deren Bedeutung für die fortschreitende Kultur der Menschheit unbestritten hätte bleiben müssen. Eine gewisse Erleichterung spurte daher die anUsemitische Welt, als Delitz s ch den scheinbaren Beweis erbrachte, daß die jüdische Religion voit Babylon übernommen ttnd keine hebräische Schöpfung sei. Aber imnterhin blieb den semitischen Israeliten doch der Ruhm, ihre Religion, die Mutterreligion aller monotheistischen Religionen, gegen eine feindliche Welt verteidigt und so einen Kulturwert erhalten zu haben, der zwei Jahrtausende beeinflußt hat. Blatt denke sich, welche l'>sstaltung v elleichl uitfcr heutiges kulturelles Leben hätte, wenn die Juden der werbenden Kraft des schönheitsfreudigen Hellenismus erlegen wären, wenn der Löwenmut eines Makkabäergeschlechtes nicht siegreich den Ansturm der hellenistischen Welt überwunden hätte. Wie waren diese Leistutlgen möglich ohne germanisches Zutun? Bei der Begründung und Erklärung dieser in ihrem Sinne merkwürdigen Erscheinung kam Ehamberlaiu Uttd seiner Schule die wissenschaftliche Forschung zu Hilfe. Nach allen Forschungen scheint es zum mindestett höchst wahrscheinlich. daß die Juden keine Urrasse darstellen, sondern eine Mifchrasse. Selbst nach der Bibel wurden die Juden beim Auszuge aus Aegypten vom sogenannten Eref-Raf. zu deutsch Pöbelpack, begleitet. wahrscheinlich Elementen der umgebenden Bevölkerung.

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