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KC-Blätter · 1912-03-01 · Heft 6 (1.3.1912) · p. Seite 112

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 6 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 112 (sequence 12)
Language
German
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112 Was haben wir nun unter einer Nasse zu verstehen und wie unterscheidet sich der Begriff der Rasse van dem des Volkes? Ernst Grosse (Kunst und Rasse, kulturwissenschaftliche Studien. Tübingen 1000) unterscheidet scharf zwischen dem Begriff Volk und Rasse. Die Raffe ift ein naturwissenschaftlicher Begriff, während der Begriff des Volkes einen kulturellen Begriff dal stellt. Unter Rasse verstehen wir eine größere Gruppe von Menschen, welche durch den erblichen Gemeinbesitz eines bestlmmteu angeborenen körperlichen und geistigen Habitus untereinander verbunden und von anderen derartigen Gruppen verschieden sind. Der Begriff des Volkes dokumentiert den Gemeinbesitz scharf umgrenzter kultureller Guter. Grosse nennt den Charakter eines Volkes anerzogen, den Charakter einer Rasse angeboren, unveränderlich. Ans dieser Definition mtt ihrer scharfen Umgrenzung ist ersichtlich, daß die Begrifft Rasse rrnd Volk häufig zusammenfallen müssen, dann nämlich, wenn eine Rasse oder wenigstens eine Gruppe ähnlicher oder stammverlvandter Rassen ein Volk gebildet haben. Um die Rassenzngehörigkeit einer Gruppe zu erkennen, ist es notwendig, eine Einteilung den heute lebenden Vien scheu zu Grunde zu legen. Eine solche gibt die S t r a a tz7 f d) e Raffeneinteilung. Rach dieser werden unterschieden: 1. Urrassen. 2. Hauptrassen, 3. Mischrassen. Die Urrassen sind im Verschwinden begriffen, z. B. die Weddas. die Anstralneger k. Zn den. Mischrassen gehörelt Tnranier, Tataren, Malaien, Aethiopier. Die Hauptrassen zerfallen in drei Gruppen: Mongolen. Mittelländer lmd Neger. Die Mongolen zerfallen in einen arktischen Stamm, die Eskimos, und in den chinesisch-japanischen Stamrn. Die zweite Hauptgruppe, die Mittellünder. ist die uns am meisten interessierende. Die Mittelländer zerfallen in einen nordisch-gerlnatlischen, in einen romanischen und in einen afrikanischen Stamm. Die ursprüitgliche Theorie war die indogermanisch-arische Theorie. Das Wort „arisch" findet sich zuerst bei Herodot, der mit diesem Namen die Bewohner des heutigen Persiens bezeichnet. Das Wort Arier hat die Bedeutung „Der Vornehme." Die i n d o g e r tu anis ch e R affe n t h e o r i e ging von dem Gedanken aus, daß ilt Asien ein arisches Urvolk gewesen sei. daß sich von dort aus über Teile Asiens und Europa ansgebreitet habe. Der scheinbare Beweis von der Znsammcngehörigkeit dieser Völkergruppe wurde durch die Entdeckung Schlegels gebracht, daß zahlreiche Aehnlichkerten zwischen den europäischen und den in Indien gesprochenen Sprachen vorhanden seien. Damit wurden die Juden unter Ausnutzung dieser Theorie in judenseindlichem Sinne als Serniten aus der Gemeinschaft der indogermanischen europäischen Völkertamilien ausgeichalret. Die arischen Jndogerllmuen wurden zu eiuem hochkultivierten Volke gestempel:. Juden und Judent un bedeuteten Unkultur: fi.- waren Fremde in Europa und mußten, infolge rer Unveränderlichkeit einer Rasse, buvet) ihre geiü gen und körperlichen Eigenschaften Fremde ble b. n. Diese Theorie hielt sich bisEuoe vorigen Jahrhunderts und spukt auch heute noch in den Köpfen der Masse: sie konnte jedoch ru exakten anthropologis Heu Forschung n-cht Stich kalten. Es ergab sich, daß vvtt einer Gemeinschan der indogermamschen-arischen Rasse nicht die Rede sein könne. Die Entdeckung Schl egels bereutet nur eine indoeuropäische Spracheng e m eins ch aft Diese Cprachengemeinschaft dokumentiert aber nur, daß die Völker, die einen gemeinsamen Sprache: stamm zeigen, zu einer früheren Zeit in wirtschask'uche Beziehungen zu einander getreten fmt), sei v*. daß friedliche Handelsbeziehungen sie zu einander führten oder daß ein Volk das andere krieg.-risch unterjochte und Sieger und Besiegte in SpcalhenauStausch zu einander traten. Zn einer Blutnüschnng in ausgedehnteln Maße in dern Sinne, daß eine homogene Gruppe entstaiiden wäre, ift es zwischen diesen Völkern nicht gekommen. Ein häufig ausgeführter Ben eis, wie wenig Sprachcngemeinschafl für die uffsengemeinschask bedeutet, ist die Erscheinung, daß die Sieger Nordamerikas englisch sprechen, ohne irgend welche Naffengemeinschaften mit den Engländern zu haben. Ebensowellig ist die indogermanisch-arische Sprachengemeinschaft Grundlage rur eine Rasseneinheit in dem Sinne, daß wir von einer indogermgMch-arischen Raffe sprechen können. Auch können wir nicht aus der semitischen Sprachengerneinschast auf eine einheitliche semitische Rasse schließen. Da nun exakte anthropologische Forschungen zeigte:!, daß die Zusannnengehö-igkeit der europäischen Völker als Arier im Gegensatz zu den Semiten eine unhaltbare These sei. so suchte und fand man eine Theorie, die wiederum zwischen Semiten und europäischen Völkern schied. Diese stell e einen Gegensatz, auf zwischen Germanell und Juden und wird als Germanen - theorie bezeichnet. Die Gerinanentheorie geht von folgenden drei Grundsätzen aus: 1. daß folgende körperliche und geistige Merkmale für Germanen charakteriituch seien: Langschüdlichkeit. reckenhafte Statur, blaue Augen, blondes Haar. Diese Zeichen. könne keine andere Raffe errlngen. 2. daß diese Merkmale so charakteristisch seien, daß überall dort, wo in der Welt, diese Zeichen

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