KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 6 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 110 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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die Aufforderung, die sich in Zukunft einstellenden gegnerischen Aeußerungen des B. I. St. lediglich aus einer leider vorhandenen Verblendung zu erklären und in der notgedrungenen Abwehr von Angriffen stets zu beachten, daß wir zwar in unserer Ehre und Würde uns von 'Otiemanbem beeinträchtigen lassen, uns aber immer die Wahrung des Friedens und der Einigkeit innerhalb der jüdischen akademischen Zug nd. wie überhaupt innerhalb des Judentums, angelegen sein lassen müssen. Das Urteil darüber, ob und inwieweit das jüdische Gesamtinteresse durch die Haltung des B. I. C gewahrt wird oder nicht, dürfen wir ruhig der Oefseurlichkeit überlassen. Der Geschäftsführende Ausschuß des K C. Dr. Holländer. Das Decht der Jugend. Von Insli.u'at Saling e r, Oppeln. In Nr. 5/0 der zionistischen Monatsschrift des Bundes Jüdischer Korporationen: „Der Jüdische Student" untersucht der Leitartikel „Vom Kamps gegen den Antisemitismus" Grund, Art und Wirkung dieses Kampfes hinsichtlich der nicht zionistisch gesinnten Juden und ihrer Vereinigungen und kommt dabei zu Resultaten, die, wenn sie richtig wären, geradezu vernichtend für alle diejenigen sind, welche in diesem Kampfe im Vordertresfeu stehen. Der Antisemitismus — so heißt es — raube uns die freie Objektivität des Denkens und die natürliche Sicherheit des Empfindens, er mache aller Augeu blind und dränge Führer und Massen in eine erregte und krampfhafte Abwehrstellung. „Im Kampfe gegen den Antisemitismus konzentriert sich das legte jüdische Bewußtsein der älteren jüdischen Generation; er raubt ihr Ruhe und Selbstbestimmung, er lähmt ihr Verständnis für die Probleme der jüdischen Seele." In diesem Kampfe habe man „die große jüdische Notlüge des Ist. Jahrhunderts" erfunden, daß die Juden „eine Konfesfionsgemeinschaft" wären, matt habe Stammessinn mtd Volksbewnßtsein zu Grobe getragen, und viele l)ätten ihre geistige Freiheit verloren. Der Jude sei ein Sklave des Antisemitismus geworden. „Solcher Kantpf gegen den Autisemitismus ist kein Kampf um ein jüdisches Ideal. Er ist keine heldenhafte Verteidigung alter jüdischer Posten. Er ist ein ständiges Zurückweichen." Im Gegensätze zu den übrigen führe der V. j. St. einen freieren und besseren Kampf. Er gebe seinen Mitgliedern das Gefühl ihrer jüdischen Art und ihres jüdischen Wertes. Unter Hinweis auf die nicht jüdischen Korporationen heißt es endlich: „eine jüdische Korporation. der<n Lebensaufgabe erfüllt ist. weil der in vielen Gründen eigennützige Kampf gegen den Antisemitismus mit der Herstellung der Gleichberechtigung auf akademischen Boden beendet ist. entbehr! des Ideals " So also bewertet ein nicht unbedeutender Teil der jüdischen akademischen Jugend unser Wirken! Was zahllosen reifen und alten Männern, unter denen wir die Besten unserer Gemeinschaft sehen, eine der wichtigsten Betätigungen ihrer Menschen- und Mannespflicht ist, das spiegelt sich in den Augen jener Jünglinge als ideallofes. teilweise eigen» ü tz i g e s Streben ab; wo wir. unbekünunert utn zahllose, mächtige Gegner öffentlich nufere Ueberzeugung und uni-. r Recht vertreten, das ist ihnen das geistiger Unfreiheit entsprungene letzte Bewußtsein der älterer! jüdischen Generation. Ais ein rühm- und erfolgloser Kampf erscheint ihnen das Aufgebot unseres besten Könnens, als ein ständiges Zurückweichen, das uns zu Sklaven des Antisemitismus gemacht hat? — Es ist nicht meine 'Absicht, diese maßlosen Uebertreibungen und Entstellungen zu widerlegen: das wäre im Prahmen einer kurzen Abhandlung unmöglich, wie ja auch jener Kampfartikel nur Behauptungen aufstellt, ohne einen Beweis anzutreten. Ich bilde mir auch nicht ein. das erreichen zu können, was die berufensten Männer vergeblich versuch! haben: zionistische Ueberzeugungen zu erschüttern. Was ich will, ist etwas anderes. Ich sehe in jenen Ausführungen nur ein weileres. allerdings sehr charakteristisches Anzeichen für eine recht unerfreuliche Erscheinung, die mir seit längerer Zeit mehrfach aufgefallen ist. uäuilich eine bei unserer akademischen Jugend vorhandene Neigung, die eigene Bedeutung auf Kosten der altern, im praktischen Leben stehenden Generarion zu überschätzen. Man spricht jetzt so viel von dem Recht der Jugend. „Die Jugend hat immer Recht!", so rief jüngst sogar ein Redner auf einem großen Kommerse aus, das wird als Wahrheit des Alltagslebens. als historische Tatsache hingestellt. Ich war zugegen, als in einer Hauptversammlung des Zentral Vereins ein junger Herr plötzlich unter Hinweis auf das Recht und die Wichtigkeit der Jugend politische Ausführungen schwerwiegender Art machte, welche leicht unangenehme Folgen für die Allgemeinheit der Juden Hünen haben können. Ich weiß unter den Zionisten viele, die das Wirken des Zentral-Bereins nicht nur nicht unterstützen, sondern ihn als schädlich hinstellen und ihm entgegenarbeiten, wo sie können, ja. ich kenne eine junge Arztgattm, welche geradezu mit fanatischem Hasse gegen ihn agitiert. Nun bin ich gewiß der Letzte, welcher die Bedeutung unserer Jugend verkennt und ihre Ver-