KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 6 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 109 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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hat, ist er uns ein Heiligtum geworden. Sombart. der neueste Heilskünstler der Judenfrage,. glaubt im Namen des deutschen Volkes sagen zu dürfen: „Die Inden sind unser Schicksal." Mil viel tieferem Rechte können wir deutschen Juden sagen: „Deutschland ist unser Schicksal!" Wie nur wesensverwandte Seelen sich durchdrungen können, haben die Seelen der deutschen Juden die tiefsten Emanationen der deutschen Volksseele in sich anfgenommen: selbst wenn wir wollten, wir kommen von deutschem Wesen niemals los. Wir lieben die traute Sprache, die von deutschen Jungen klingt, wir lieben die Luft, die aus Deutschlands Wäldern weht, wir lieben die ganze geistige Kultur, in der wir leben, die Wissenschaft, die die unsere ist, die Poesie und Kunst, in die unser Gemüt von Jugend auf hineinwächst. Und weil wir so in deutschem Boden wurzeln, deswegen lassen wir uns auch in dem Kampfe, den wir um unsere volle Gleichberechtigung in Preußen-Deutschland heute noch führen müssen, lticht durch Verbitterung Uttd nicht durch Kleinmut aus unserem Deutschtum herausdmngen. Wir Juden, die wir einst den großen ethischen Ton in das Menschheitskouzert hineingebracht haben, wir vertrauen darauf, daß der hohe ethische Pflichtgedanke des Vaterlandes alle Kräfte, mögen sie m ihrer religiösen, oder meinetwegen sogar blutsmäßigen Eigenart, noch so verschieden von einander sein, einigen inuß und einigen wird, und in diesem Vertrauen sind iuir sicher, dein deutschen Vaterlande im höchsten Sinne zu nutzen, wemt wir als Zeugen und Mahner solcher unveräußerlichen Werte aufrecht bleiben a l s I u d e n und a l s D e u t s ch e. Je heißer der Kamps, der uns tlmbraudet. um so gewisser wird uns als Deutschen der notwendige Sieg, als Juden der sittliche Segen dieses Kampfes. »Herr, laß ntich hungern dann und wann, Saltsein macht stumpf und träge. Und schick'' mir Feinde, Mann für Manu: Kamps hält die Kräfte rege!" Mit diesem Gebet des deutschen Dichters grüßen wir die hundertste Wiederkehr des Tages, der die Emanzipation der Juden in Preußen begonnen hat. In bewußter Anlehnung dessen, was die Tochterreligion des Judentums als das Theorem der Feindesliebe aufgestellt hat, rufen wir: „Gott segne unsere Feinde!" An die Mitglieder des K. G. In der internen Monatsschrift des „Bundes Jüdischer Korporationen" vom 23. Januar 1912 ist in einem Artikel über die Entwicklung des K. C. ausgesprochen: „Der K. C. sei der Feind der Vereine jüdischer Studenten pur excellence. mit dem sie den Kampf um die Erhaltung des deutschen Judentums äuszufechten hätten." „In der Hauptsache verlange der K. C. von seinen Mitgliedern reine Wäsche und Schläger Mensuren." „Die Betrachtung der Judenfrage als internationale Erscheinung sei dem K. C.-Gedanken fremd." „Für den V. I. St.er könne es nur heißen: »Kampf gegen den K E. — gewollter Kampf." In diesem I,eichen seien Bonn und Heidelberg gegründet worden." Dem Inhalt des Artikels entsprechend hat das Präsidium des „Bundes Jüdischer Korporationen" in seiner Sitzung vo:n 17. Januar 1912 beschlossen: „Der K. E. soll in einer externen Nummer des „Jüdischen Studenten" angegriffen werden." Daß bei der Werbung neuer Mitglieder einzelne Angehörige des B.J. E. m lctzier Zeit behaupte: haben, der K. E. sei eine Borstu'. zur Taufe, und es wäre einem gesetzestreuen Srud-.'nten nicht möglich, in den K. C. einzutreteu. weil man ihm dort verbiete. rituell zu leben, war uns wohl bekannt. Wir glaubten jedoch, diefeErscheinnua, wie so manche andere Aeußerung gehässiger Feindseligkeiten. im Interesse des Friedens und des AufU us der jüdischen Studentenschaft nicht beachten zu ''llen.JndieserAuffassung ließen wir uns auch dadurch nicht beirren, daß dasPräsidium des B.J.E. ganz nu begründete, in ihren Tendenzen leicht erkennbare Angriffe in einer jüdischen Zeitung und in ein in an unsere Alten Herren, aber auch an Ariß'U.'teheade gesandten Rundschreiben erhob. Wir begnügten uns vielmehr damit, die falschen Behauptung u als unrichtig zu bezeichnen, ohne im übrigen aus d'e Angriffe, insbesondere auf das Rundschreib.nr, zu reagieren. Der oben genannte Artikel und der Beschluß des Präsidiums des B. I. (5 vom 17. Januar beweist aber, daß den Mitgliedern des B. I. C. in seiner internen, daher auch unkontrollierbaren Zeitschrift von Verbandswegen Behauptungen über den K. E geboten werden, die mit den Tatsachen im ernsten Widerspruch stehen, rum daß der B. I. E. seinen Mitgliedern die V kämpfung des K. E. systematisch predigt. Jedenfalls steht dieses Verhalten des B. I. E. in schroffem Gegensatz zu den seitens des B. I. E. der Öffentlichkeit gegenüber, besonders in Preßäuß -rrngen, beteuerten Wünschen der Vermeidung von Kümpfen zwischen den verschiedenen jüdisch-akademischen Verbänden. Wir bedauern tief diesen aus Leidenschaft und Fanatismus begonnenen Kamps. Einigkeit und Würde im Judentum zu erhalten, war für unsere Arbeit Grundsatz und wird es bleiben. Wir richten deshalb an sämtliche Angehörigen unseres Verbandes