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KC-Blätter · 1912-02-01 · Heft 5 (1.2.1912) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 5 (1.2.1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 95 (sequence 19)
Language
German
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95 Sefunticu inii’cl) einen Windstoß zerteilt wurde. Vom leijtou Winter her hotte ich diesen Bredel noch in üdler Erinnerung, und bald sollten wir die Gefahr dieses dichten, alle Markierungen verschleiernden Brodems kennen lernen. Venn Einstieg ms Grüble verloren wir nämlich Tütü, unfern Hauptproviantliescranten, und sollten ihn erst am Abend Wiedersehen. — „Hinaus aus den Seebnck"! war die Losung, mit» die anstrengende Kletterei ans dein vereisten Schnee sollte prächtig belohnt werden. Ein Sturmwind fegt den Rebelvorhang hinweg und das Auge erfreut sich an den grotesken und grausigen Formen, die der Blick nach bciu tietgetegeneu Feldsee uns eröffnet. Bon Südeil winkt der „Feldbergerhof" gastlich zu nns herüber — aber die Feit drängt, wir müssen zurück, um die Bor - - dereitungen zur Nachtfahrt zu treffen. Um f> llhr ist die Hülle wieder erreicht, und mit allgemeinem Hallo lvird der „Mann ans Thüringen" begrüßt, der, gewohnheitsgemäß sich verschlafend, erst im Lause des Nachmittags ans dem Hinterwaldkopf angelaugt war. Dein Fnhalt unserer Rucksäcke lviirde bald alle Ehre angetan, denn was nicht gegessen ward, sollte ja mitgenommen werden, und daher war jeder bestrebt, durch Botts.. ütlcn sich möglichst zu erleichtern. Acht Schläge der alten Schwärgvaldubr mahnen nns zum Ausbruch-. Die Rucksäcke umgehängt, die Ski angeschnallt lind hinaus in die dunkle stacht. Gespensierhaft huscht das Fackellicht über die Gesichter der stumm dahinziehenden Schar: seltsame Reflexe wirf: es ans die düsteren Tannen lind bringt die Schneekrrstatte nun Glihern und Fuitketn. Langsam gehr cs im nächtlichen Waldesdnnkel vorall. über deil Spähllptah hinüber znrn Rinken, wo kurze Rast gemacht werden sollte. Ein Glas Milch zur Stärkung, einige Minuten der Erholung und es geht wieder hinaus in die kalte Winternacht. Beschwerlich führt der Weg über die vollständig vereiste Skibalm immer höher hinan. Da hat der lLturmwind eine Tanne zu Boden gestreckt; der stolze Baumricse wird voll uns mit einer nicht zu stillen Berwünschung begrüßt, zwingt er uns doch zu einem lästigen Ablnw Anstieg abseits des Weges. Run ist endlich der Einstleg ins Grüble erreicht, doch nicht dahin soll heute unser Weg führen. „Auerhahn", der erfahrene Schwarzwaldwanderer. will nns schön und kurz über den Mitlckbuck zum Lnrltl hinaussühren. „Schön und kurzhatte er gesagt. Wir steigeil unb steigen, die lieben „Bretter" längst abgeschnallt. auf voll ständig vereistem Hang empor; der Atem geht schnaubelld lind die Puste klopfen. „Halt, ich bitte um Panse". Wir halten, ichanen erst um uns und bann einander au. „Auerhahn" gesteht kleinlaut. daß er sich verirrt habe. Wir halten aus einem vereisten, steilen Hang; weit unter uns die Stelle, wo wir den Wald verlassen haben und über uns, durch das Dunkel der 'Rächt in unendliche Ferne gerückt, ein Bergkamm. über den ein Stern noch eben hiiuvegfunkelt, als wolle er uns Trost llnd Mut zu sprechen. Ein kurzes Berschnaufen — und es heißt weiter. Mühsam stemmen die nägelbeschlagenen Stiesel sich Stufen in das Eis und ganz langsam, so nmchtbar langsam überwinden mir den steilen Hang. Doch oben harrt unser ein prachtvoller Anls.ck. Der Nebel ist vollständig geschwunden; aus einigen hundert Metern Entferilung nun kt der Feldbergturm zu uns herüber. Roch eine kurze 'Anstrengung, und wir sind am Fiel. Mil frohem Jauchzen schwingen wir unsere Fackeln in die Rächt hinaus. Auf der Todtnauer Biehhutte scheint man nns bemerkt zu haben, denn mit einer Laterne werden von dort unsere Lichtsignale beantwortet. Silbern ruht das Licht des Mondes über dem Berggipfel: eine seltsame Beleuchtung diese von der Schneedecke znrückgestrahlte Helle. Ans der Ferne winkt sogar der stolze Belchengipsel zu uns herüber. Wie mit lausenden von Diamanten besät, gdgert der Schnee beim Scheine unserer Fackeln, tausende von Sternen funkeln vom nächtlichen Himmel hernieder. Eine wunderbar klare, stille Tracht. — Doch nicht lange vermag man auf der freien Höhe zu verweilen; ein eisiger Wind weht um den Gipfel, und im Augenblick ist die Skibindung sture gefroren. An den Fackeln muffen wir sie au stauen, um sie mit halb erstarrten Fingern an unsere Stiefel zu bringen. 'Run ist es Mitternacht. „Prosit Reujahr", ein fester Händedruck, einander ein stilles Zugeständnis treuer Kameradschaft. ~ Doch die Kälte lvird empfindlich und es heißt hiwM Sanft abfallend führt die Bahn zum Sattel hinunter und dann in sausender Fahrt über den vereisten Hang hinab znin „Hebelhos". Wie eine Fenerschlange zieht das 'rächt der Fackeln hinter uns her. Wie gequält ummnom die Ski auf dem verharschten Schnee. Hier stürzt einer kopfüber, dort ein zweiter. Was tut's? Schnell aus die Beine und weiter geht es; endlich halten wir mit klopfendem Herzen am Hebelhof. Wie willkommen ist tlns da der warme Shlvesterpunsch. Doch nicht lange können wir veriveilen. Bald brechen ivir auf und erreichen die Iägermatte. Das Gartenhaus le rechts am Wege dient als willkommene Raftnelle, wo wir morgens 21/* Uhr nufer Frühstück verzehren. Nie hat mir's besser genmndet wie Om-t. — Run weiter in sanfter Fahrt die Straße hinab zum „Adler" im Bärental. Ein gebieterisches Halt tritt uns hier entgegen: Ter Schnee hört auf. Die Ski werden geschultert und in gleichem Schritt und Tritt geht es langsam voran, au der Lösfelschmiede vorbei zum Titisee. Morgens um 5*/« Uhr langen wir im Wartesaal an — ans vier Bänken schlafen vier müde Skifahrer den wohlverdienten Schlaf. Oscar Gaus (Rheuo-Sitesiae).

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