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KC-Blätter · 1912-02-01 · Heft 5 (1.2.1912) · p. Seite 87

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 5 (1.2.1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 87 (sequence 11)
Language
German
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87 x\di rt(uulu\ das>. im 'Augenblick TviU'ft B. de» .Kaiser Vvllkvnnnen eingenommen bat, gang besonders in Beznp ans da-? -Kartell, daN nun einmal Bismarck für die im'nndlage feiner Politik und für ein »ngemau grofies (Ereignis anfieht. Will man dagegen die Bismarckscben ^»trigne» seit der Waldersee- Bersaminlnng ansspielen, und zivar mit mebr oder weniger Gegenüberstellung von B. und dem Kaiser, so verliert man das Dpiel und reizt den leideren. Acki liiu-e noch gestern. daN ergänz für die -Karten pvlitit geivvnnen ist. ^r>as man meines Trachtens Inn tan» und mnN. ist folgendes: Prinzipiell roichiige fragen. >uie Indenfrage, Martinenm, Earnack, tlieielistagswabl im sechsten l!l.'al,ltreise. die gelvis; mit einem siiasiv der anto svzialdemolratischen vlemenle schliesu. mnn man. ob»e B. zu nennen, in der allerschiirfsten Weise bennben um dem Kaiser den d'inbrnck z» machen. daN er in diesen Angelegenbeiten nicht gut beraten ist. und ibm den Dchlns; auf B. überlassen. Bla» mnn also ring-, um das politische Zentrum resp. das .gartell Delieiierliansen anzünde» ilnd sie hell an'lodern lassen, den lierrschenden Dppvrtnnismn" in die Alaininen werfen und dadurch die Vage be kenelilen. Merkt der Kaiser, daN man zwischen ihm und B. nullt säen will, in stös'.l man ilm zurück. A'älirt man in Gingen, wo er inflinttiv ans unterer Teile siebt, seine Unznsriedenbeit. so slärtt man tim prinzipiell, ohne persönlich zu reizen, tu' bat kürziieb gefugt: „Teckis Bl'onate will ich den Alten - - B. - verschnaufen lassen, dann regiere ich selbst/' B. selb» bat gemeint, dan er den -Naher nielit in der Eanö bebalt. Wir müssen also, vbne uns etwas zu vergeben, noch belmtsain sein.?>ch mochte ^ie bitten, lassen Tie die Artikel iedensalls bis zu Alirer ülüatebr und einer gemeinsamen Besprechung. Die Tlnnde .vlnrnt schon, in der ivir den Anssan: „Es ist Tv'tei» darin" vom?läget lassen. Arb gebe Abnen völlig recht, aber im Bioment itt Tchweigen — das beii'.l nur in diesem Pnntt — l^old, und A'eden nicht einmal gilben-- getreuer T Wecker. Dies ist der Lcheiterhauseltbries. lleber ihn schrieb Dernburg später einmal im Merline v Tageblatt: „Zivei Gegner standen Stoecker vor nflcm im Wege. Jvüvft Bismarck und der!ckiberakislnus. Als Kampfmittel gegen die beide erfand er den Antisemitismus. Eine geniale Idee. Ed rvar eine Diversion erster Ordnung, den altert atavistischen Haßinstinkt in der antisemitischen Bewegung anfznrnfen: ein unverhoffter Flankenangrisf, der die schon voll der Sozialdemokratie in der Front angegriffene liberale Partei vor ein zweites Jener brachte. Aber ltoch gefährlicher erwies sich diese Diversion dein Fürsten Bismarck, der sich znm ersten Male einern Dilemna. das ihm gestellt lvttrde, um* schwankend und zögernd gegennbersteNte. Die Wttcht der Autorität des Reichskanzlers hätte mit ein paar kräftigen und resoluten Worten diese Bewegung von Anfang an totgeschlagen. Fürst Bismarck glaubte sie als Korrektiv gegen die Unbequemlichkeiten, die ihm der tsiberatismuS vennsachte, benutzen zu können. Er hat den Antisemitismus dilatorisch behandelt. Zu spät hat er erkannt, daß er selbst sein letztes und eigentliches Zielobjekt war. Man hat die Politik des Scheiterhanfenbriefes Hmterpolitik genanllt. "Allein das tsi sie in keiner Weise. Es ist ein kühnes und neues Snftem; es ist der Erponnent eines 'ganz n. ..en Zustandes, wenn der geistliche Berater eines f-.ommen Hofes von innen heraus arbeitet und -.leichzeitig die demagogischer Einschüchtenlugsver'uche von außen hinein arrangiert. Uitb nun bemerke man die wilde und leidenschaftliche Phantasie des Mannes bei seiner tiefen Verschlagenheit. Ein anderer hätte gesagt, man solle operieren, indem man brennende Fragen schasst; unter Stocckers Feder werden die Fragen Scheiterhaufen, die man anzündel und hell anflodern läßt. Gar nicht genug kann die Phantasie StoeclerS mit diesen) nach Ketzer- und Indenverbrennnng schmeckenden 'Bilde sich tun: „Der herrschende Opporlnnwmu> nnrsi tu die Flammen geworfen werden, um dadurch die Situation zu beleuchten." Tie Männer des Kartells als Fackeln des Nero gr-miner Hasser! -Um* eins bleibt zweifelhaft, ob hier der Haß lauter spricht oder der Ehrgeiz . oocr die geringschätzige Gleichgültigkeit gegen de „prinzipiell wichtigen Fragen. DaS ist also der Prophet ans dem Dome, der die bessere Wellt herbeirnst. der die Volksseele von allen Schlacken reinigt: das ist der Hosgeistliche, vor dein sich alle bückten, Männlein und Weiblein, Kammerdame und Zofe. r enn er wehenden Dakars die Treppen des Schlot», s hinaufstieg; das ist der Volksredner, der itt /Wahlversammlungen gegen die donnert, die sich nicht vor der Größe Bisrnarcks beugen, und tu c dann nach Hause geht und Briese schreibt, die den Bernichtnngslrieg organisieren! Wie sagt doch Mochiavell'/ Man muß den Ntenschen schmeicheln oder sie vernichten; denn für leichte llnbilden rächen sie sich, für schwerere können sie eS nicht. Stoecker wollte verschlagener sein als Machiavell, er wollte zugleich schmeicheln und vernichten. Wuti* mehr geht er an seiner nberschlauen Doppelzüngigkeit zu Grunde." Der junge Kaiser wurde seit /er Waldersee- Versammlung von steigender Abwägung gegen Stoecker ersaßt: übrigens auch feine Gemahlin, die als Prinzessin Wilhelm schließlich von Stoecker: „Meine liebe Freundin" angereder wurde. Schon Kaiser Friedrich wollte Stoecker sofort nach seinem Regierungsantritt entfernen, und nur gewisie politische Erwägungen hielten ihn zurück: Wili)clm lt. verlangte gleich Anfang 18*SU, daß Stoecker sich künftig aller polim-chen Tätigkeit enthalte. Dann überging er die Hofprediger Stoecker und Schräder bei der "Neubesetzung des Oberhofpcedigeramtes. Schräder wollte sogleich seinen Abschied; Stoecker bewog ihn aber zu einem gemeinschaftlichen Schreiben, in welchem beide ihren

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