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KC-Blätter · 1912-02-01 · Heft 5 (1.2.1912) · p. Seite 86

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 5 (1.2.1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 86 (sequence 10)
Language
German
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wehmütig muton uns heilte feine Worte an; nie verurteilt er die Inden unisono, nie stempelt er sie zur dauernd inferioren Nasse, sondern er sucht nach historischer (Erklärung: stets schiebt er Erziehungs- Probleme, Mahnungen und Hoffnungen und sympathisch.', uachahmenswürdige jüdische Persönlichkeiten in den Fordergrund. Heine wird als deutscher Dichter, als der Säuger deS Rheinlandes Börne gegenübergestellt (mau vergleiche damit gelegentliche Urteile S Weckers über Heine). So kamen die Tage der Antisemiteupeiitiou. der Gründung des Bereius deutscher Studenten des ..Sturmes aus das rote Haus". Interessant ist in diesen Tagen vor allem das Verhältnis Bismarcks «m SWecker. Dem rassigen Empfinden des Kanzlers war der in Volksversammlungen und christlichen Volksfesten schwelgende, in einem Eltern das Ehristentnm preisende und die Juden verdammende Hofprediger stets ein Greuel. Wenn er dennoch die Slöcker'sche Richtung vorübergehend begünstigte, so war es lediglich eine Probe, ob die Massen vorn christlichen Sozialismus nach rechts gerissen werden könnten; nach Mißlingen dieser Probe warf er Stoecker und seinen Anhang wieder zur Seite, duldete allerdings in den folgenden Jahren die antisemitische Verwaltungspraris des Ministers Puttkammer. Anfangs der achtziger Jahre war der Höhe' punkt der ersten autiseuritischen Bewegung. Sie geriet daun bald in seichtes Fahrwasser uno schlief nach außen bin scheinbar ein. "stur der audauerude Kärm auf den Universitäten gab zu denken, und in der Stille breitete sich der gesellschaftliche und der Berwe.ltuugs- sowie der „wissenschaftliche" Antisemitismus aus. Bis im Beginne der neun-' ziger Jahre (nach der zweiten Wirtsschastskrise des neuen Reiches von 1890) auch der Radau von neuem begann. Die Jahre 1880—-1890 waren für Stoeck.r im allgemeinen nicht erfreulich. Er wurde zwar ständig in den streichstag (Wahlkreis Siegen) und ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt — in beiden Häusern gehörte er der konservativen Partei atl — aber die christlich soziale Richtung halte weder in Berlin noch sonst im Reiche viel Erfolg. Außer Stoecker wurde keilt Kandidat gewählt (allerdings brachte man es bei den Wahlen von 1884 in Berlin auf (iuüüt) Stimmen). Stoecker selbst verstrickte sich mehr nttd mehr in leichtfertige Aussagen, die ihm den Vorwurf der Kügew bafligkeit und bösartige Prozesse brachten (Prozeß Bäcker), griff die zur Jeit schwebenden Ritualmord beschuldiguugeu aas ufw. 'Sein "Ansehen bei Hofe nahm rap de ab. der Kaiser wollte ihn schließlich entlassen und ließ sich nur schwer davon abbringen. Der Gesamteindruck dieser Jahre ist ein trüber. Ein Manu, der cs unternommen hat, sein Volk mit christlich-sozial-nationalen Ideen zu erfüllen, bleibt im Sumpfe elender Schwägereien, Prozesse und Jndenanpöbeluug stecken — Bismarck hatte auch dieser Persönlichkeit auf den t^rnnö geschaut, als er sie von Beginn am mit f ner intimsten Abneigung beehrte (trotz aller ofnuitut oeu Bismarckbegeisterung Sweckers). Ein "Manu manches guten, volkstümlichen, zeitentsprech.mden Ideales, aber ohne die Festigkeit der persönlichen Würde, ohne die Rasfigkeit intimsten Fühiens, die notig ist, tun im Getriebe polit-fchen Kel-ens wahrhaft groß zu bleibett. Stoeckers intimstes "Naturell ist d>'r Welt so recht frappant offenherzig geworden in jenem Schreiben, welches später■ J 8(.tr>> veröffentlicht wo. De und so ungeheures Aufsehen erregte; Im Scheu - hciufeubrief. — Im Jahre I-S8(i hatte die Mehr' nt des Reichstages, hauptsächlich bestehend aus . leutrum. Freisinn und Sozialdemokratie, die «ällige MiUtürvorko.ge abgelehnt. Der Reichslwwurde aufgelöst und Bismarck schuf das bewuuw „Kartell" aus Rationalliberalen. Reichspartei na > Konservativen. Tiefem Kartell wurde Stoecker „geopfert". Ta er und Adolf Wagner sich nicht zur „mittleren trinie" bekennen mochten, wurden tie genötigt, von der Leitung der Ehristlich-Sozialea zürückzutreren um willfährigeren Elementen Plan rn machen. Das war das Ende der „Berliner Bew.gung"; Berlin ist seit jenen Tagen endgültig in oeu Händen der Sozialdemokratie. Stoecker rmitv. mm einer der gefährlichsten Feinde der Bwuwrckschen inneren Politik; gefährlich darum, weil er in aller Stille arbeitete nud vor der Oesfentlich'eit den Genius Bismarck itt den Himmel hob. Er suchte namentlich ans den Prinzen Wilhelm nufeine Gemahlin, die ihm seit jeher gewogen waien (im strikten Gegensatz zum Kronprinzen paar), sp. igeudeu Einfluß zu gewinnen. In der berühmten „Waldersee- Versarumlttng" wurden aus Sto-ckers Initiative eine Reihe prominenter Persönlichkeiten, darunter Prinz Wilhelm, versammelt, um aber Maßnahmen zur sittlichen und geistigen Heiumg der Massen in christlich sozialem Gerste zu beraten. Rach dieser Versammlung erhob sich r.i der liberalen Presse fürchterlicher Sturm; aber auch Bismarck, schorr lange mißtrauisch, rückte mm mit offiziellem Jeitungsanfwand vom Stocrfmum ab. Jetzt zog sich auch Prinz Wilhelm ostentativ zurück. "Bald darauf bestieg er den Thr.m. und wenige Tage später (1-1. August 188^ schrieb Stoecker an Frh. von Hammerstein, den ersten Redakteur der Krenzzeitung. folgenden Brief: t'ictuT riatiiuuTttrii!' •rinite movai’n nun* ich in Zhrem Bureau, um »ieili.'m'Aero.er Vnft zu machen nub mich informieren \n lewen. -Krupalfchel sagte mir. daN Sie einige 'ckrtcket, laelche da-' chnmwSu-: von Bismarck und im-nuffen mit dem Kaiser wiwolen. Tür zeitgemän hielten. Darf ich .stinen dagegen meine Anschauungen über das. iuaä ich für richtig aalte, darlegen i

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