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KC-Blätter · 1912-02-01 · Heft 5 (1.2.1912) · p. Seite 83

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 5 (1.2.1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 83 (sequence 7)
Language
German
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Wir beginnen mit einer Betrachtung der wirtschafttichen ' Lage. Die siebziger Jahre brachten bekanntlich in ihrem ersten Drittel in Dcnlschtand einen ungeheuren Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens. Bis dann infolge von Ueberproduklion, wilder Preistreiberei und Geldknappheit die furchtbare Knie vorn Herbst I67:i hereinbrach. Ihr folgte eine anhaltende industrielle Depression von ca. l;> Jahren. Alle Erwerbs stände litten. Die Industrie wollte nicht rentieren. Arbeiter wurde,i massenhaft entlassen, das Handwerk, das biSyer schon unter den, Aufblühen der Industrie gelitten hatte, wurde nun erst recht bedrängt du,eh die infolge verschärfter Konkurrenz gedrückten Preise der DepressionSzeit. Dazu kam eme eigene Krise der Landwirtschaft. Gerade in diesen Jahren begann infolge anhaltender Ieaehtenverbilligung der massenhafte Import billigen überseeischen Getreides; die Inlandspreise gingen zusehends und rasch zurück. So herrschte in Deutschland allgemeine Alis;- ftinumunv Diele schoben die Schttld an all dem Nebel dein politischeli Systeme zu, welches bisher Gesetzgebung und Verwaltung geleitet hatte und nn Reichstage herrschend mar, dem Liberalismus. Und un besonderen bezeichnete inan die als die Schuldigen, 'welche im Wirtschaftsleben führend geworden waren, welche unter Benutzung der von der liberalen Gesetzgebung gewährten Freiheit das Wirlschaflstebelt erst großem Aufschwung, dann schwerer Krise zugesührt halten, selbst aber zum Teil sich dauernd beträchtlich bereichert hatten- Die Klasse der mit allen Künsten des Aktien-, Ftnauzierungs- und Börsenwesens (bzw.Schwiw delsj veriramen Kapitalisten. Bankiers. Gründer und Spelitlanten. Wer aber ivaren dir führenden Ekeineitte sowohl in, politischen Liberalismus wie ganz besonders innerhalb der KapitalistenkreiseV Wer beherrschte gleich den heurigen AktiemGroß banke,t den Geldmarlt'c' Die Rothschild, Bleichroeder. Dppei heiin. Eohn-Dessau, Speyer-Glissen usw. Hirsch tlnd Strons'oerg waren Typen des genialen Gründers.' der eure mit glückticheni, der aridere mit unglücklichem Endeffekt. 'An sie reihte sich die Schar der kleineren jüdischen - Finanziers und Gründer. In der Industrie waren die Inden bahn brecherid gewesen iTertilbraucheIm Hände! ivaren sie Organisatoren cificu Ranges (Getreideünport! daher die Wut der Agi arier unid unterstützten die aufblühende Industrie m jeder Weise. Im öffentlichen LebenhattenSimson. Friedberg.Friedenthal.Laster. Bamberger. Loewe gerade iu dieseii Jahren führend au der freien Entfaltung des Wirtschasllebens tntd an dem Ansbail der kapitalistischen Institutionen öffentlichen RechlS niiigervirkt (Gewerbefreiheit, Freihandel.EinheltSn'ährnrig.Goldwährnug.Reforni der Rotenbanken, NeichSbank. Bereinheitlichnng und Reform des gemeinen Rechts und des Prozeß wesens usw.) Wir wollen objektiv seit! und uns nicht allzusehr verwundern, daß in den Kreisen der rasch Zurückgebliebenen, Uebersiügelcen. Lreidersüllten der Antisemitismus neuerstanden n:; wir wollen uilS vor allem nicht allzusehr verwundern, daß Handivc'ik und Landwirtschaft, VicE geführt vom Adel, in der neueil Bewegung bald führend gelvorden sind. llitd die Regierung Roll tiefer Sorge sah sie auf den großen Niedergang nach schwindelhaftem Ansstleg. Erschreckt von den Wirkungen der wirtschaftlichen Revolution, über das Vordringen des ans dem Schoße der neuen Gc"'el!schafr aussteigenden Sozialismus ttnd gar erst des Anarchisrniis l'Attenlate lS7S) waiidlert fui) Kaiser rmd Kanzler mit heftiger Wendung d.n Parteien der Rechten Ztt. Wer waren die Begründer des Sozialismus? Die Juden Marc urrd Lassalle, tlnd wer stellte sich der neuen stua: 'sozialistischen Politik der Regierung so schroff .mgegen? Bor allem die liberalen jüdischen Politiker und die liberale „jüdische Presse". -I- -!- Und nun zu anderen Seiten US öffentlichen Lebens. Ter Liberalismus und die Romantik hatten die Bolkskcäfte entfaltet, welche unter genialer Leitung und Iufantmenrassung die brutsche Einheit errangen. Der nationale (seist war nun voll entwickelt. Tie leitenden i 1ti; - er wünschten ihm die strichtilng friedlicher BetiE,mang zu geben iBerfailler Kaiserrede). Jeder ('----pansion nach außen statid der allmächtige Kan dw im Wege, aiich war das deutsche Volk iu ' inen großen Massen von tiefer, inirerlicher Friedeasliebe erfüllt. So richtete sich denn der aus dein Patriotismus der Jahre 1H10— lHT(J sich fast mit Ratnrnotwendlgkeit entwickelnde Ehauvinisurns gegen Elemente. die unvorbereitet, zerstreut und schwach im Lande selbst saßen, ans den. ztlvor entwickelien Gründen sich aber vielfacher Unbeliebtheit erfreuten, gegen die Juden. (-s lagen außer den wirtschaftlichen Momenten noch andere Klagen gegen die Iitden vor. --- Wir alle wissen heute, daß die de titsche Bourgeoisie dem ras!, entstandenen neudcntschen Reichtum, was ^iüilifatmn der Manier und der Lebensweise betrisst, znm großen Teile rricht gclvachsen war. Es ist sprichwörtlich geworden. daß dem ileuen Deutschland die Tradition alten Reichtums fehlt und daß stch auf allen Gebieten des Geschmacks und der Planier unschöne Uebergangserscheinungen gezeigt ha Um. Und da die Kultur der Juden sich z,l dm Art der ste umgebenden Völker'iu geradem Verhältnis bewegt, so sehen wir auch im deutschen Indmtnm namentlich der siebziger Jahre unschöne Manier und persönliche Unkultur. Namentlich die Berliner „Indische Presse" hat viel gesündigt. Urrd verstimmen ] mußte die Art jüdischer Gelehrter und Publizisten,

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