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KC-Blätter · 1912-02-01 · Heft 5 (1.2.1912) · p. Seite 80

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 5 (1.2.1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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80 Recht, das nicht ein Haar weniger gilt als das des Dr. Lueger und seiner Garde. Wir werden nicht Kritik üben, wir werden antworten, das; die Stunde in der es ihm beliebt uns zu treffen, uns bereit finden wird. Wir wachen ihn verantwortlich für derl Erfolg seiner Worte und wir werden ihn gleichfalls zu fiubeu missen. Wie bisher geht es nicht weiter." Und nun wollen wir noch zwei Dokumente aus unserer zeitgenössischen Literatur sprechen lassen. Soll doch Dichtung rrichts anderes sein als Chronik und Spiegel des Zeitalters, unb wenn sie's ist, was ist sie. indem sie den Geist der Zeit wiedergibt, schließlich anderes als mögliche Wirklichkeit? Welch' klägliche Figur spielte früher der Jude in Kunst und Literatur! Es beginnt auch hier lichter zu werden. — In den Roman „Iettchen Gebert" von Georg Hermann bespricht Jason Gebert, der eigentliche indische Held des Romans, gewöhnlich Onkel Jason genannt, die Schwierigkeiten, die einer Bereinigung des christlichen l)r. Kößling mit seiner Nichte eutgegensteheu: „Zu allen Gründen wird noch der kommen, das; Sie Christ sind." Kößling zackte zusammen. „Sie meinen, das; wir doch tolerant genug wären, tun diese ätißerliche Zttfälligkeit zn übersehen! — Vielleicht! Aber Sie vergessen dabei einen gewissen Stolz, den unsere Familie hat, daß wir eben als Juden hier angesehen und geachtet sind. Wenn mein Vater sich und tws hätte taufen lassen wollen, wie ihrn öfters als einmal nahegelegt worden ist, wir hießen vielleicht heute von Gebert und wären Offiziere und Räte bei der Regierung. Das; wir das nicht getan haben tlnd nicht zu Kreuze gekrochen sind, und in keiner Weise unsere Gesinnuitg verkauft haben — nicht so und ttichr so, — das tst unser Stolz, und wir wollen auch für die Zukunft nicht gern, daß es in unserer Fantilie aufgegeben wird. Glicht? das begreifen Sie?" Nun zunt Schluß uotf) eine Stelle aus Thomas Mann's Roman „Königliche Hoheit", die die Mahnung enthält, unter besonderen Umständen zn besonderen Leistungen zu erheben. Der tüchtige jüdische Arzt Dr. Sammet antwortet seinem Großherzog auf die Frage, ob er im Großherzoglnm durch seine jüdische Konfession irgend welche Nachteile und Beschränkungen erfahren habe: „Kern gleichstellendes Prinzip wird je verhindern können, daß sich inmitten des gemeinsamen Lebens Ausnahmen und Sonderformen erhalten, die irr einem erhabenen oder anrüchigen Sinne vor der bürgerlichen Norm ausgezeichnet sind. Der Einzelne wird gut tun, nicht nach der Art seiner Sonderstellung zu fragen, sondern in der Auszeichnung das Wesentliche zu sehen und jedenfalls eine außerordentliche Verpflichtung daraus abzuleiten. Man .ist gegen die regelrechte und darum bequeme Mehrzahl nicht im Nachteil, sondern im Vorteil, wenn man eine Veranlassung mehr als sie zu ungewöhnlichen Leistungen hat."' Größtmöglichste Leistnrg auf allen Gebieten beruflicher oder allgemein bürgerlich r Tätigkeit, größtmöglichster Widerstand gegen jedes ungerechtfertigte Znrückdrängen durch Haltung. Wort und Tat, wo's not tut, auch mit der Waffe in der Hand! „Heut gilt's, will man uns höhnen dünkelhaft, Wie's Freien ziemt, verteidigen unsere Ehre, Drum friich heraus znm Streit du blanke Bnrschenwehre, »Auf daß uns niernand reize urigestraft«!" (Zadig.) Unser Los ist nicht — Verzweiflung. Unser Los ist — Kampf! Stabtrat Dr. Ludwig Hain. Karlsruhe W. d. D. Die Reichstagswahlert vom Januar 191*2 haben dem K. C. ein hochersreuliches Resultat gebracht: im 10. badischert WahlUSs Karlsruhe- Bruchsal ist unser Verbandsbrnder Rechlsa n w a l t und S t a d t r a t Dr. Ludwig Staao iVadeiriac, FrilnnM <vji>:i>d! nim\) z n m 8k eichstagsabgeord ne: - n gewählt worden. Ludwig Haas ist geboren am ü'.. April 1875 zn Frei bürg im Vreisgan. Er b. achte dort die Volksschule. In seinem 8. Lebensjahr verzogen die Eltern nach Landau (Pfalz), woselbst er dann ebenfalls irr die Volksschule unb tpäter in das Gymnasium ging. Nach dem Tode des Vaters kehrte feine Mutter mit ihm irr das Elternhaus nach Bruchsal zurück. In Bruchsal genoß er den Unterricht und die Anregungen des späteren Führers der badischen Demokraten, Direktor i >r. Karl Heimburger. Im Jahre l894 bezog Haas die Universität Heidelberg. Er schloß sich dort sofort der Badenia an. bereit Tendenzen seiner freiheitlichen, jeder Ungerechtlichkeit abholden Natur wie aus dem Herzen gewissen waren. Aus den: Convent und auf der Mensur wie auf der Kneipe stellte er seinen Mann in gleicher Weise. Im Jahre 1896 kam er nach München, wo eben die Licaria als Verfechterin unserer Bestrebungen erstanden war. *

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