KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 4 (1.1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Wie keilt der D. I. St.? Wir erhalten von Verwandten von K. C.ern die nachfolgenden Briefe, die ein grelles Licht auf die Kampfesweise des V. I. St. werfen. Wir bringen die Briefe zum Abdruck in der Hoffnung, das; ihre Kenntnis alle K. C.er aufrütteln wird, fleißiger wie bisher für uns zu keilen. Es darf kein Primaner das Gymnasium verlassen, der nicht genau mit unseren Bestrebungen vertraut ist. Die Briefe bestätigen den Inhalt des vorstehenden Aufsatzes, dessen Ruf: »K. C.er, organisiert Euch! * nicht ungehört verhallen möge. Die Redaktion. I. ...... 6. 12. 1911. Sehr geehrter Herr! In Nr. 3 der K. C.-Blätter befindet sich eine Besprechung der V. I. St.er-Zeitschrift .Der jüdische Student." Am Schluß des Aufsatzes findet sich eine Bemerkung, in der es heißt, daß es gerade der V. I. St. sei, der gegen andere jüdische Studenten, speziell gegen die K. C.er, betze. Wie wahr das ist, habe ich. der ich erst Oberprimaner bin und Ostern mein Examen mache, doch schon am eigenen Leibe erfahren müssen. Ich gestatte mir daher, Ihnen den Fall mitzuteilen, in der Hoffnung, daß er für Sie und Ihre werten Bb. Bb. und Kb. Kb. nicht ohne Interesse sein wird. Hierselbst besteht ein Gymnastasten-Turnverein, mit dem klassischen Namen Gewure-Gedaulo Verein (G G. V.), der vor ca. 10 Jahren von V. I. St.ern sive Zionisten gegründet wurde. Noch heute gehören diese Herren dem Verein als A. H. A. H. an und üben auf Um einen unheilvollen Einfluß aus. Sie unterdrücken — es sind ca. 50 Leute — natürlich jeden gegen den V. I. St. gerichteten Vorstoß und haben es bewirkt, daß ca. 95°/« aller Muli der letzten!0 Jahre V. I. St.er geworden sind. Ich persönlich war schon immer kein Zionist und hatte es mir fest vorgenommen, in dem G. G. V. statt des Protektorates des V. I. St. das des K. C. zu setzen. Diesen Entschluß faßte ich vor ca. 1 Jahre, und es gelang mir, wiewohl ich bei der Präsidenwahl durchsiel, binnen 1 Jahre von 16 aktiven Pennälern 11 für die Tendenzen des K. C. zu keile,:. (Ich möchte bemerken, daß vor dieser Zeit kaum jemand den K. C. kannte und es geradezu als »Hochverrat" angesehen worden wäre, wenn es jemand gewagt hätte, gegen den V. I. St. zu opponieren.) Jedenfalls luden die .K. C.er im September den G. G. V. zur Kneipe ein; ich stellte den Antrag, einen offiziellen Delegierten zu entsenden, und dieser Antrag ging mit überwältigender Mehrheit durch (11:16), wte wohl auf gegnerischer Seite drei A. H. A. H. stimmten. Ein offizieller Delegierter des G. G. V. zum K. C.! Das konnten die V. I. St.er nicht auf sich sitzen laffen. Sie fühlten den Boden unter den Füßen wanken und ließen eine Versammlung zwecks UmstoßeS jenes Beschlusses stattsinden. Dazu erschienen etwa 10 A. H. A. H.. Ich bekam das Wort und legte die Notwendigkeit dar, auch mit dem K. C. in Kartell zu treten. Dann erhob sich ein A. H.. der einen Brief eines anderen sehr angesehenen A. H., eines V. I. St.ers, vorlas. Zunächst zog er gegen den K. C. los, log das Blaue vom Himmel herunter, um schließlich zu sagen, »wenn es nach mir ginge, solle der G. G. B. mit einem derarrigen Verband (K. C.) in Verbindung treten." Dann ging es gegen mich, ich hatte Zucht und Ordnung untergraben, hätte gegen das Präsidium, seinen Bruder, gehetzt und gewühlt, hätte mit unsauberen Mitteln gearbeitet, ergo: ich müsse herausgeworfen werden, (wiewohl ich mich um den Verein wirklich verdient gemacht habe.) Das, nämlich meine Relegation, sei die Meinung von vielen anderen A. H. A. H. (V. I. St.ern natürlich.) Ich erhob mich, nannte den Brief infame Lügen und erklärte meinen Austritt; dann verließ ich die Versammlung. Doch wollte ich meinen Einfluß nicht völlig aufgeben, man bewog mich zum Drinbleiben und drängte mir einen Ehrenrat, bestehend aus 3 V. I. St.ern, auf. Dieser dokumentierte u. a.: Die in dem Briefe enthaltenen Behauptungen sind richtig, auch darf für den K. C. in.nicht gekeilt werden, wohl aber für den V. I. St. (!!!) Darauf trat ich natürlich aus und erhielt mein Gesuch folgendermaßen bewilligt: Adresse ohne Bezeichnung »Herrn", Briefbogen (versch. Papier ohne Ueberschrift und Hochachtungsvoll. — Nach ca. H Tagen jedoch ereignete sich das Unglaublichste. Als ich eines Nachmittags ahnungslos über die Straße ging, traf ich den Präsiden mir 2 B. I. St.ern. Ec lief mir auf offener Straße nach, forderte mich auf, ihm auf die dunkle Promenade zu folgen, wo er mir unter dem Vorwand, ich hätte dritten Personen gegenüber seinen Brief eine Schufterei genannt, ohne weiteres 2 Ohrfeigen gab, die ich erwiderte. Ich gebe Ihnen diese Mitteilung ohne jeden Kommentar wieder, mochte aber bemerken, daß ich mit dem Betreffenden fünf Jahre eng befrerrndet war und daß unsre Väter und Mütter noch heute sehr befreundet sind. Mir blieb nichts anders übrig als einen Ihrer werten Kartellbrüder herüberzubitten, der meinen »Kontrahenten" mitteilte, ich würde die Ohrfeige nicht auf mir fitzen lassen, könne jedoch als Pennäler nichts tun, würde jedoch Ostern darauf zurückkommen. Da ich die Absicht habe, K. C.er zu werden, so wird wieder einmal eine Säbelpartie zwischen K. C und V. I. St. steigen. Ich will noch bemerken, daß der Mann nicht im Affekt gehandelt hat.