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KC-Blätter · 1912-01-01 · Heft 4 (1.1.1912) · p. Seite 62

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 4 (1.1.1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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62 lebten. Vom spanischen Herde gingen sie nach Südfranlreich, Holland, England und Nordamerika und vereinigt mit den Italienern muh der Türkei, Nordafrika und Asien zurück. Als sie ihren Mittelpunkt in Spanien verloren, trieben sie noch eine Zeitlang in den gedachten Ländern ihr vaterländisches Leben fort, wie die vielen Druckschriften in Konstantinopel und Amsterdam erweisen, aber nach uub nach starb es ab. Desto energischer wuchs der deutsche Zweig heraus. Er breitete fiel) massenhaft in den polnischer!, tschechischen und ungarischen Ländern ans. ging nack, Dänemark und Schweden, zog von Elsas; aus nach Paris, wunderte in Holland und England ein und bevölkerte in großer Zahl Nordamerika, während vorn spanischen Stamme auf deutschen! Gebiete nur eine kleine Kolonie in Hamburg-Altona sesihast wurde. Dieser jüdischdeutsche" Stamm, dessen erste Ansiedlnngen mit den Legionen Noms am N'heine und inr südwestlichen Deutschland vor sich gingen, entwickelte von Anfang an ein starkes, intensiv deutsches -Leben, das; sich insonders in der Schöpfung des jirdischdeutschen Dialektes erwies, der sich allerdings auch nach den verschiedenen deutschen Landschaften modifizierte. Dieser jüdisch deutsche Dialekt ist völlig ein Gebilde des deutschen Geistes, denn er hebraisierte nicht etwa das deutsche Element, sondern er germanisierte die hebräischen Wörter, deren er sich bediente, er flektierte B. diese, setzte die deutsche Endung an die hebräische n. s. f. So nahmen auch in ältester Zeit schon die Juden deutsche Namen an und germanisierten die geringe Zahl derer, die sie ans der Heiligen Schrift beibehielten. Die meisten Namen, die man seist als altjiidische verspottet, sind nichts als altdeutsche. Wie sehr dieses deutsche Wesen in den deutschen Juden sei; ältester Zeit lebte, ersieht man daraus, das; sie überall, tvo sie hinkamen, in allen Ländern, wo sie sich ansiedelten, die deutsche Sprache als ihre Familiensprache konservierten und von der llkraine bis zu den Küsten des Stillen Ozeans die deutsche Sprache erklingen ließen, wenn auch in den verschiedenen Landern sich nach den dortigen Zungen modifizierend, so daß erst in den neuesten Zeiten der ungarische, polnische, russische, dänische, schwedische n. s. f. Jude sich anschickt. die Nationalsprache sich anzn eignen, iuuner aber noch seine Bildnngselemente aus deutscher Wurzel zieht. Fürwahr, einen! so großartigen, historischen Faktum gegenüber erscheint es doch ungerecht und anmaßend, wenn der Freiherr von Loüu die deutschen Inden aufsordert, Deutsche zu werden! Wir waren, sind und w e r d e n D e u t s ch e s e i u, w i e n u r irgend Glieder der deutschen Nation es sind. Entdeckt der Verfasser einige Eigentiimlichkeiten in uns, so uuü:u wir sie Ur.it zngestehen. Zwischen Berlin und Wien. Hamburg und München, zwischen Sachsen und Schwaben. Ostpreußen und Hannoveranern ist auch einiger Unterschied, sie haben alle ihre Eigentümlichkeiten, aber Deutsche sind sie und wollen sie sein. Die Aussichten des jüdischen technischen Akademikers in den Vereinigten Staate» von Amerika. Bvn Dr. A. \H uf vcch t fcpumcu', Licanae) Berlin. Kein Beruf bietet dem jüdischen Akademiker schlechtere Aussichten, im praktischen Leben vorwärts zu kommen als die technischen Studien der Chemie und des Ingenieurfachs. Tie Unwersitäts- und Beamten', arriäre ist ja allen gleichmäßig verschlossen; m'-er mährend Jurist und Mediziner sich mit oeelH tnismäßig geringen Mitteln eine Selbständigste!! gründen können, ist der Chemiker sowie der Igenienr gezwungen, falls er seinen! Berufe treu bleiben will, bei einen: bestehenden Unternehtnen eine Anstellung zu erlangen. Hier aber steil-n sich ihm in dem Antisemitismus vor! Bor,L iebsten und Kollegen große Hindernisse entgegen. Hindernisse, an deren llebenvinduug er seine b-ue ^Arbeitskraft und Schaffenslust vergeudet, Es ist bekannt, daß leider nur eine sehr beschränkte Anzahl deutscher Werke und Fabriken Inden anstellen; gewöhnlich wird gleich bei der Bewerbung, häufig schon in der Bakanzenanzeige, diominöse Frage naä, der Konfession gestellt, '.nitunter genügen an.-., schon der Name oder die Gesichtszüge. um jede Aussicht ans Engagement zu zerstören, stur Gründung eines eigenen, produzierenden Be triebes aber gehören groß- Kapitalien, um nm den Alillionennnternehrnuugen. die in Deutsch land den chenüschen und?>hnischen Markt vccsorgen, in anssichtsrcichr .Konkurrenz treten zu können. Wer die nicht!uü uub nicht in minder wertigen, schlecht bezahlten Positionen sein Dasein verbringen will, dem bleibt fast nur der eine A u s roeg. ins A u s la n -- zu gehen. Utkd roelches Land n.äre aussichtsreicher für den jungen Chemiker und Ingenieur, als die Vereinigten Staaten von Amerika mit ihrer hochentwickelten tmd dennoch stetig wachsenden Industrie, ihrer vorurteilsfreien Bevölkerung, die sich nicht, wie in den europäischen, übervölkerten Ländern gegenseitig auf die Zehen odergar unter die Füße zu treten sucht?

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