KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 4 (1.1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
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Ihnen iiilt unsere unerbittliche Gegnerschaft. Mit logischer ^Notwendigkeit, mit zwingender Ueberzengung drangt sich uns Juden am Ende dieser Besprechungen das eine auf: das Volk hat uns in die politischen Rechte eingesetzt, das Volk hat uns aus dem Ghetto befreit, nicht der Adel wars, b e i m V o l k liegt a u ch unser Hei l. Nicht n a ch oben wollen u n d s o l l e n w i r blicken, nicht streben nach den höchsten gesellschaftlichen Kreisen, nicht von falschem Ehrgeiz dürfen wir uns leiten lassen, wir s o l l e n u m u n s blick e n. I m V o l k e w tl r z e l r u n s r e K rast, i m Volke i st tl n s e r W i r k u n g s - k reis . nur ans dein Volke kann uns Heil erstehen, ans demselben Volke, atrs dem wir selbst hervorgegangen. Wir dürfen aber nicht die Hände in den Schoß legen und auf den Morgenso»tnenschein der Freiheit warten. Britten hinein ins Kampfgetümmel ruft uns die Pflicht. Die Hand am .Knauf des Schwerts und blitzend das Schwert geschmullgen, so hat'S uns der K. C. gelehrt und so wollen wir hinaustreten auf den Plan, Junge und Alte, Studenten und Philister, als Vorkämpfer für unsere gute Sache, für unser Recht. Und wenn wir für unsere Kinder die Morgenröte der Freiheit und Vorurteilslosigkeit erstritten haben, dann können wir getrost und friedlich lächelnd dereinst die Augen schließen — denn als aufrechte Männer haben wir gelebt. Judentum und Deutschtum. Von L u d w i a l) itipp s o n. .Ui!’>•>. '„Hnh'inlid) der ,ycut dc» lvvjähriüen t^ebnrtStcMS l.ürduna Phitippians sind im Vertage van Gustav stack 6'». m. d. y>. in Vni'.ucv zrvei statltiche Baude ,.t>,?»ammelte Avhandlnugeu van Ludwig Philippsmr" er'chieucn. ino tnv;o Volliüc tu diesen Anfsäben länt erteilueu. dav. ein aeiüvalier und kenntnisreicher SchriüneUer ihr Urheber ist. lieber die Bedeutung Püilivpsons schreibt Prosessar Or. Hermann (ioljeu tu Mardurg in einem Anhaua.e: „Der '.'Irtiiu’ Ludwig Phitippson nun* mehr als ein 'aalde-? Iabrhnuderi uiahl der populärste van denen aller jüdischen belehrten: wie sollte er nicht im b'edachtni» aller derer lebendig ge dl jeden sein, denen die riulu' de? studeiitnucs in verschiedenem Pis er zwar. dach immen-in als eine Herzerrsanczelegenheit gilt. Vom zweiten drittel des vorigen Ia'arlmnderlS ad lanuie leine Bewegung, lein lrreigui->. teirle Sor>;e nild leine Hosfunncz, weder von linken muh voil innen herans, das Judentum berühren. ohne das; man überall zuerst ans eine Knndgedllng van diesem Bianne gewartet lstitte. Und man hat niemals vergeblich gewartet. Sein Wort . stellte sich immer ohne Verzug ein, und es war immer mannhast, mutig, tlar und nnzweideutig. Und es ivar zugleich praktisch im besten Zinne des , Warles. Denn nicht etwa Cuvuunmn war der Leitgedanke seiner Praris, sondern oieiinehr immer ein geschichtlicher Zusamlnenhang von ‘^ram und Theorie. Hub dieser 'Zusammenhang nuir durchgängig und allgemein; wie er denn ami, unter dem Banner des Begriffes ..allgemein" seine Leitung begründete unb über süinzig Jahre lang, bis zu seinem Tode, sortsührte. Pr feiste die .Zragen der Praris immer in einen dappelken stü'u.nmenhang mit der Theorie: erstlich uamlitf) mit a - religiösen Theorie des Judentums, deren pinheier festhielt nlld hochhielt, sodann aber and) mit der allgemeinen Theorie der Nnltnr, lind insonderheit mit der tveschichte nild Politik. So lvurde er in einem idealen Sinne, das darf man wohl sageil, cm Publizist des Judentums." Ans dem reichen Inhalt der „Abbamli.ngen" entnehmen loir einen Teil eines Aus sähe-- Judentum und Deutschtum", in dem sich Philippsori a-.-gen einen Freiherrn v. Vu<"u menbet, der in einem An nahe „Aus dem 'Kulturleben der büegenlvart" van Sen .-.irden verlangte. dast sie sich als Deutsche zeigen ,6 ehrlich, ohne Hintergedanteu, deutsch sein salllen. Der jüdische Stumm rvar vor; seinen; Beginne an ein Kulturvolk. Was heißt iä Ein Kulturvolk ist dasjenige, welches fotiu :t nationalen und staatlichen Bestand ans '.Zsecht und (besetz begründet und .zugleich der Entwicklung fähig ist und obliegt. Beides muß sich in einem Volke vereiltigen, um es ,zn einen; .Uu'tnrvolke zu machen. Die Geschichte .zeigt nns Völker, welche ihre (Gesellschaft ans Rech; und (besetz anfbailten, aber der Entwicklung nniäläm rvaren, wie die 'Aegypter, Inder, und sie tenn m nicht als Kulturvölker angesehen werden. mdes vereinigte sich aber im jüdischen Stamme. vUemals hat ein Volk seilte Existenz fester alt?)i* d)t mit) Gesetz ge ln ii pst. Seine Entwicklung" »ähigkeit bewährte es. da es an das nvierte "'.setz die stets lebendige Tradition schloß, die verschiedenartigsten, politischen Verfassungen annahm und eine reiche Geistesentsaltung in Schriftwerken allerart betätigte. Wo es nach der Zerstreuung ans ein Kulturvolk stieß, versenkte es sich in dessen Geist und schuf eine sich ihm annchießende Literatur, wie die umfassende hellenistische. Wo es mitten irr Völker versetzt ward, die zu dieser Kategorie nicht gehören, entwickelte es sich in seiner eigensten Art, rvie der große talmudische Arrfbarr gerade irr Babylon erweist. — Nach Europa verpflanzt, und zwar schon lange Zeit vor Beginn der christlichen Aera, schuf es sich zwei große Herde, rrm die es sich sammelte und von denen es sich ansbreitete: der eine der arabisch-spanische, der aridere der deutsche. Wer diese beiden Zweige des.jüdischen Stammes mit Sachkenntnis vergleicht, der erkennt, rvie beide sich in Geist, Wesen und Eharakrer, in Leben, Sitte und Haltung an die beiden großen Völkerstämme völlig anschließen, in und mit denen sie