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KC-Blätter · 1911-12-01 · Heft 3 (1.12.1911) · p. Seite 52

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 3 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 52 (sequence 12)
Language
German
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52 wirkungslos rtbbrerfjcit zu müssen und ohne daß er mich hätte unterbrechen dürfen. — Der Kommissar zuckte ans seinen Protest die Achseln: es ist Polizeistunde, aut» wenn Sie nicht die Versammlung schließen, mich ich es tun. Daraus packte 'Nebermann ärgerlich seine Papiere zusammen : er werde sich über den Talmud noch genauer orientieren und i m u ä ch st e n I a l; r e wiederkouaneii, um m i ch zu mider legen, Znm Schluß, mandte er sich emphatisch an auch: er freue sich, mit mir doch manche Berührungspunkle gefunden zu haben, uu'im jeder Jude so dächte us»o. lassen Sie um gemein schastlül) sür das Vaterland arbeiten usw. melche Bemäntelung scämn Niederlage bei der Versannn lung nur stürmisches Gelächter heroorrief, inährend ich ihm antlvortete, daß ich ihm jederzeit zur Verfügung stünde, um gegen ihn zu kämpfen, wenn er noch Vn[t verspüre, aber nicht mit ihm. Mil Blühe konnte die Versammlung bewogen rnerdeu, auseinander,zugehen. Diese Viadriueu Mensur tnar eine Abfuhr des (Gegners nach allen siegeln der Kunst gewesen. 'Alles nnuingle mich gliickwüuschend, besonders die Svzialdcnnv fvateu, die erklärten, daß Ujuen nach meiner Rede nichts mehr zu tun übrig geblieben sei. Der erste, der mir mit nächsten Sage gratulierte, war der berühmte Germanist Professor Moritz Heyne und auch von anderen Seiten erfuhr ich. welchen Eindruck meine Verteidigung in den Uuiversitätskreisen gemacht hatte. Sogar meine Schnljungeus. die bisher wie alle Juden unter dem Drucke des Antisemitismus gelitten hatten und scheu umhergeschlichen waren, trugen jetzt die Kopfe hoher. 'Aber weit über die Grenzen Güttingens hatte die Sache 'Aufsehen erregt. Nicht wenig freute mich der Beifall Eugen Richters,' der äußerte: so müßten es die Juden allerorten machen! Sich selber wehren und den Stier bei den Hörnern fassen? Aber die Sache hatte iroch ein 'Nachspiel oder mehrere. Am Tage darauf, Sonntag 'Aachmittag, sollte Liebermann in dem benachbarten Hauuov. Münden sprechen. Da sagte ich mir: wer weiß, wie der Manu die Sache dort entstellt und seine 'Niederlage womöglich als einen Sieg ausposauut. Ich reise ihm nach, um ihm auf die Jünger zu sehen. Und so tat ich. Aber siehe da, in Münden war er wie umgewandelt. Von Juden kaum ein Wort, dafür „Mittelstand". Er erwähnte allerdings die gestrige Versammlung und die „interessante" Debatte, die er mit dem dortigen Herrn Rabbiner gehabt, sprach mit der grüßten Ächtnngvon mir und daher sich freuen würde, wenn ich auch hier das Wort ergriffe. Nur um nicht umsonst gekommen zu sein und die Versammlung mit zarter Schonung Kiebermanns über den gestrigen Tag aufzuklären, sprach ich einige Minuten, da es für mich soufr nichts abzuwehren nnd^zn verteidigen gab. Seitdem mied mich i/icbermann von Sonnen berg wie die Pest, sprach in den kleinsten Dörfern, aber um Güttingen ging er stets in weitem Bogen herum. Sein Versprechen, im nächsten Jahr wiederznkvmmen und mich zu widerlegen, hat er nie ein ge löst, was ihm noch bitter vorgemerkt werden sollte. Wenn er in eineur andern Orte der Provinz sprach und ich auf Einladung der bedrängten 'Glaubensgenossen herbeieilte nnd im Saale erschien, wurde es ihur sofort hiuauftelegraphier: und alsbald be gauuen die Manöver. Er spc-ch bis eine Viertel stunde, bevor der Saal geräumt werden mußte, und erklärte daun bedauern-, daß wegen der vorgerückten Zeit leider jedem Redner höchstens fünf Minuten gegeben werden könnten. Aber auch dies half ihm nichts. Denn auch diese kurze Jrist uühre ich nach 'Ndngihnüt aus. In der Iolgezeil sochl i-h noch mit manchen andern Plirteigrößeu des 'Aaüfemitismus einen Strauß ans: mit einem Js kraut. Desd o r p f. Ir h. v. B e r k e p f ch. W e r n e r, c n ß u. a. Wenn die 'Antisemiten in Göttingen etrt Jüngblatt verbreiteten, erschien spätestens vier nnd.pvanzig Stunden darauf ein Gegenflugblatt von mix* nnd. was auf die Bevölkerung besonderen Eindruck machte, mit meümm 'Namen unterzeichnet, so daß sie bald nmnschensrill wurden. Die in der Wahkzeir laüi.': g-gen die Antisemiten in Hannover nnd Hessen in -»ehntansenden von Eremplaren verbreiteten Jlng'olätter waren, näe ich wähl jet;t veriaten darf, von einer mir zienltich nahestehenden Sei!-, versaßt. 'Aach vielen Jahren cnmlr ich ans Hannover von dem späteren Rei hswgsabgeordneten Demmig eine 'Anfrage, ab es wahr sei, daß lAebermaun damals versprochen habe, wieder zukommeu und mich zu widerlegen. aber sein Versprechen nicht inuegebnU-u habe. Er wolle nächstens in Hannover swmhen und da falle ihm dieses unter die 'Aase g.eriebeu werden. Mil Vergnügen bestätigte ich seine Anfrage und ermächtigte ihn, von meinem Brief jeden geeigneten Gebrauch zu machen. Als Herr Demmig meinen Brief nun iu der Versammlung vvrlas, protestierte Biedermann heilig: mit dieser Sache werde er überall verfolgt, das fei eine Rabbiner Verschwörung, die Sache habe sich anders verhalten. Da aber erhob sich ein Herr Wolfs und erklärte: er sei in jener Girninger Versammlung zugegen gervesen, habe neben dem Rednerpult gestanden und könne meine Darstellung m allen Punkten durchaus bestätigen. — In der Tat ist unser Zweikampf allen 'Anwesenden so lebhaft in Erinnerung - geblieben, daß ich noch jetzt,' wenn ich einmal wieder nach Göttingen komme.

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