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KC-Blätter · 1911-12-01 · Heft 3 (1.12.1911) · p. Seite 51

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 3 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 51 (sequence 11)
Language
German
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deutscher vaterländischer Gesinnung vertrage und endlich, ivoher die Verkennung des Talmuds stamme, Icl) erzählte, ivie deute vormittag ein Gemeindemitglied mit dem Flugblatt gegen Talmud uub Schnlchan arnch zu mir gekommen sei, ob dies alles im Talmud stehe. Ich antwortete ihm, von vornherein adstreiten könne td) es nicht, aber nur könnten ja einmal Zusehen. Hier stünden Talmud und Schnlchan arnch und nur wollten einmal Sah für Sah vergleichen. Und was fanden wir? Jeder Sah lvar entweder eine Entstellung oder grobe Fälschung oder gerade'gl ans den Fingern gesogen. Bon Sah .gl Sah stieg unser Staunen uub unsere Entrüstung über die Frechheit, mit der nocll obendrein .gl jeder Fälschung die Seite und Feile angegeben lvar. Taniit lvoUteli die Vlntifomiion den Sd)ein ivissenscliastlicher Grund lichkeit uub Genauigkeit erivecken, indem sie sich daraus verliehen, das; es ja doch keinem der Eeser, für die das heherische Flugblatt berechnet sei, einsalten würde. nachgnschlagen. Denn ich frage hierlnit alle A'.nvesenden, ob auch nur ein Einziger auch nur eine Stelle nachgeprnst habe? ^l'ber ich ging noch iveiler. Um den; Herrn Abgeordneten ViduTimuui (Gelegenheit .gl geben, seine Behauptungen l)ier vor der Bersammlnng .gl beweisen, hätte id) einen Talmnd mit' gebracht, .gvar nirlst den gangen, denn dieser sei gn nlllsangreicl), aber einen beliebigen Band. Und damit er nicht behaupte: ja, das ist ein Talnmd. den die Babtnner erst gnrecl)1ge macht haben, lim die Christen .gl täuschen, hätte id) nid)t meinen eigenen mitgebracht, sondern nlir ertra einen voll der .königlichen Bibliothek alisgeUeben. die er gewiß nicht der Fälschung beschuldigen rverde. Damit gab ich ntrinem Manne einen B^ink, mir das Buch .gl.glreichen, schlug es ans uub legte es Eieberman vor: So. nllll geigelt Sie mii* lnal eine einzige Stell!', deren Bloral sich nie!)t mit dem Staatsbürger recht verträgt. Ter also Apostrophierte, dessen (Besicht während meiner gärigen rliede lang und länger geworden lvar, protestierte verlegen: Ja, Hebräisch kann ich nicht. — „So, sagte id) gnr Bersammlnrig gervandt, und dieser Herr, der selblt gesteht, daß er keinen hebräisclien Buchstaben kennt, lvagr es. .gveinndeinehalbe Stunde über die Moral des Talmuds gn reden, in bom er keine Feile lesen kann!" Das Scl)önste aber war: das Bncl). das id) ihm vorgelegt hatte, lv a r g a r kein Tal nt n d, wie ich hinterher gn nteinetn Schrecken gewahrte! Es war verwechselt rvorden!!! Nun ging ich ans einen eingelnen Punkt ein. In richtiger Vorahnung, das; ^iebermann auch hier eines seiner Steckenpferde, bcu jüdischen .Konkurs, reiteli ivürde, hatte icl) mir eilt Verzeichnis aller in dcm lehren;wei Jahren in Göttingen vargesallenen.idmkm'e verschafft, unter denen gnln Glück kein, eingigcr jüdischer war. Tiefe gälilte ich null ans. fdu: Üeiib mit einem Schwei ne sch lächter Säugling. Tie sehen, sagte id) übermütig, vom ältesten Mann bis gum Säugling ist kein einziger Jude darunter, denn das; der Schweineschlächter Tangling ein Jude sei, sei wohl kaum angnnehrnen. Also sei in Güttingen gar keinBoden sürAinisemikismus und in Wirklid)keit scheine sid) auch niemand dazu bekennen gn wollen, da ja niemand gewagt habe, das Schreiben mit seinem Namen gn unterzeichnen. Hier erl>on iM) verlegen Herr CUo nlld und) ihm Herr unt sich als Antisemiten uub Absender n rgnstellen. Nun gilt, ineine Herren, ries ich in die Versammlung, es gibt also hier in Güttingen gange zwei echte Antisemsten. Als sich nun aber auch Tdebermann erheben wollte, ries icl, ihm zu: „Halt. Sie, »nein lieber Mann, zählen nicht, Sie sind ein zugereister Fremder und tonnen nicht als Göttinger Aniisemil aestimierr werden?" Meiner übrigen Ausfuhr!! ogen entsinne ich mich nicht mehr genau, aber ni! r,atte eine selten glückliche Stunde gehabt imb, als ich schloß, da folgte — v Wankelmut des Volkes! — ein minutenlanger stürmischer Beifall, genau so frenetisch, wie ihn vorher!Bebermann gehabt hatte. ''Als dieser sich nun gnr Entgegnung erhob, da geigte sid) klar, ein wie kläglicher Debatter der'graste Vedner lvar, der nur seine eingelernteil Steden ltersagen konnte. Verlegen stockend gestand er gn, daß er sich iu manchen Punkten geirrt haben köilne. für das besagte Flugblatt sei er nicht verantwortlich, es sei uoraltet und ein neues in ''Arbeit .... In diesen! Augenblick erta-n sich der überroachende Poligeikonunissar. de-' ioviale Se n d l i h, der ebenso ivie die vergnügte und Liebermann jegt mit höhnischen Fnrufen bedenkende VersamnUnng dein Streite mit ob, abarenr Behagen gefolgt ivar und zog seine Uku „Herr Abgeordneter. id) muß Sie darans aufmerksam machen, es ist zwölf Uhr und Polip'islunde!" Was. rief Viebermann mit gut gef vielter Entrüstung, hier gibt es für politische Versammlungen eine Polizeistunde? Das ist ang. i.-hlich, ich werde mich beim Neg fern ngspräsidenten beschweren! ^latürlid) hatte der schlaue Fuchs vorher ganz genau gewußt, daß die Bersanunlung um 12 Uhr beendet sein wußte. Darum hatte er bis l.*12 Uhr geredet, * um mir etwa 10 Minuten gn lassen und dann mit einer wirkungsvollen Schlußrede das legte Wort zu haben. Durch diese A'echnnng hatte ich ihm einen Strich gemacht, indem ich etwa 20 Minuten redete, ohne

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