KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 3 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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rührenden Punkten mannigfache Auslegungen zuläßt. Unsere Aufgabe kann es nicht sein — wie schon treffend im Jahre 1909 auf dem Freiburger K. (5 - Tage ausgeführt morden ist —, darüber zu entscheiden, wer sich Zionist nennen darf, wer nicht. Sicher aber ist es, daß unter denen, die sich Zionisten nennen, der eine oder der andere ist, der in voller Uebereiustirnn'.ung mit unseren Bestrebungen mit uns arbeiten, mit uns kämpfen kann. Der Breslauer K. (V-Beschluß wird ihm nunmehr ein deutlicher Maßstab sein. Was besagt dieser Beschluß? Bor allein bedeutet er nicht, daß die — zuweilen veränderliche — Gesinnung unserer Berbandsbrnder zu erforschen sei. Gr richtet sieb überhaupt nicht gegen P e r s o u e n. Gr stellt lediglich die S a ch c ii b e r d i e P e r s o n e n. In weitherziger Weise begnügt er sich mit der Aufstellung derjenigen Schranken, deren unsere Bewegung zu ihrem Schuhe dringend bedarf. Sein materieller Inhalt ist m wenigen Woneu dargestellt: Glicht allein, daß der K. E. sich mitden Bestrebungen zur ^ösungderdeutschen Iudenfrage außerhalb Deutschlands nicht identifiziert; diese Bestrebungen lehnt er vielmehr ausdrücklich ab; er spricht von einer „deutschen Indensrage" und seht sich so in einen bewußten Gegensah zu der Meinung, daß die Indenfrage nur international zu lösen sei. An die Spitze dieser Ausführungen ist der Riessersche Sah gestellt: „Wir sind entweder Deutsche oder wir sind heimatlos" — der Breslauer Beschluß ist nichts als die Nutzanwendung dieses Sahes aus die vorliegenden Fragen. Diese Darlegungen würden unvollständig sein, wenn sie nicht — was unter allseiliger Z u st i m m u n g schon aus dem K. G.-Tag geschah — mit Entschiedenheit betonten, daß es unserem Verbände auch heute fern liegt, einen Kampf gegen den Zionismus zu beginnen. Wenn wir auch in anderen Ideen leben und anderen Zielen zustreben, so wollen wir den zionistischen Korporationen es mit Freuden zugestehen, daß auch ihre Anhänger aus antisemitische Angriffe stets die treffende Antwort zu finden wußten. Ob ihre Wege und Ziele, ob die unsrigen die richtigen sind, mag eine nahe oder ferne Zukunft lehren! Schon heute findet iu den zionistischen Korporationen eine Aisimilation im guten S mie des Wortes stall; der deutsche Schläger tlud das wahrer Kommersbuch sind iljie vielleicht unschuldig erscheinenden, aber doch mächtigen Werkzeuge. Hoffen wir. daß der Tag uichl .mehr fern sei, an dem jene Kräne nicht eitler türkischen Zukunft, sondern der deutschen Gegenwart dienstbar gemacht werden! Inzwischen aber wollen wir unbekümmert unsere Straße weiter wandern. Der jüngste Ausbau unserer Organisation bedeutet eine erhebliche Stärkung unserer Wehr- und Werbekraft. Rie 4(> war sie uns nötiger und dienlicher als jetzt, da wir freiheitlicheren Zeiten entgegenzugehen scheinen. Au uns allein liegt es,' in unserem Kampf für Ehre und Recht der Juden den uns streitig geinachten Boden des Vaterlands zu wahren, zu erobern. Ihm dienen wir. inbem wir uns dienen! Heran an den Feind! Die Bahn ist frei! Jm Kanne der ,1 arbrn. Barl Iustizreit Rating ■. : - L ppcln. Ter Verband alter Herren der Biadriuo, einst die erste Farben tragende jüdische Stndentenver. biuduttg. feierte am 21. Oktober d. Is. in Breslau das fünftlndzwanzigste Stiftungsfest. Der Verband hatte mich nur einer Einladung beehrt, und gerne folgte ich derselben, da ich endlich wieder einmal studentisches rieben sehen wollte und besonders einen Massenkommers jüdischer Studenten. . Als ich nämlich die Universität besuchte, gab es noch keine jüdische Verbirrtung. Es war die Zeit der arrtisernitischen Hochnur, und deshalb blieb nnS das stnderttische Verbu-.dungswesen ziemlich fremd. In Breslau angelangt. winde ich von einem mir nahestehenden jurrgerr Smoniteu an der Bahn erwartet. Stolz trug „der Juchs" seine farbige Blühe und das schöne Vereinsl-and. Er errtschuldigte sich als bol', daß er mir die sthr kleine Handtasche, welche ich bei mir hatte, nicht abnehmen könne, da er nichts tragen dürfe, werrn er in Farben ansgehe. Wir wollterr nun in eine Droschke steigen, um in mein Hotel zu fahren. Allein das ging nicht so leicht, rvie inan glauben soli:e. Zunächst war die Droschke, welche wir heranwinkten — wir waren 4 Personen — nicht brauchbar, weil sie der zweitert Klasse angehörte, sobnuu aber konnten wir auch eine Droschke erster.Klasse nicht benutzen, da mein junger Freund nach den Satzungen der Verbindung überhaupt nicht mit rnehr als2 Personen zusammen in einem Wagen fahren darf. Am schwierigsten gestaltete sich udiien de Wohnungsfrage; tn keines der guten Hotels, welche ich sonst S\\ besuchen pflegte, konnten wir zum Essen einkehren, weil in keinem die Verbindungsfarben gezeigt werden dursten. Um endlich meinem hungrigen Blagen zu feinem Rechte zu verhelfen, folgte ich unserm Führer in die Räume, in denen seine Verbindung ihren Stammtisch hat. In streng abgemessener Weise stellten sich dort mir mehrere Verbandsbrüder unseres Studenten vor. Interessant war mir noch die gelegentliche