KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 3 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
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47 MlUei>mi§ des legreren, das; ihn ein am Tage vorher genossenes Paar Würstchen 1.40 Alk. gekostet habe, nämlich 40 Pfg. für das Essen und t Mk. Strafe an seine Verbindung, weil er es unterlassen hatte, dabei feine Mühe abzunehmen; der Student in Kouleur dürfe nicht die Mütze auf dem Kopf behalten, wenn er mit Messer und Gabel esse. In der Tat sah ich denn auch, das; die anderen Studenten gewissenhaft nach dieser Vorschrift handelten. Sehr nachdenklich und kritisch gestimmt begab id) mich zum Kommerse. Ist das stete Betonen rein äußerlicher Dinge berechtigt? Dient eine solche Erziehung, welche eigentlich dem praktisch jüdisd)eu Verstand so überflüssig erscheint, imvflid) der jüdischen Sache, deren Förderung dod) das Hauptziel der jüdischen Verbindungen ist? Meine Bedenken sollten bald schwindelt. Mit Staunen sah ich die imposante Versammlung voit. Studenten und reifen Männern, die aus allen Teilen.Deutschlands herbeigeeilt waren, um wieder öffentlich, davon Zeugnis abznlegen, daß sie nach wie vor unersd)ülterlid) gewillt seien, für die Ehre des Judentums mannhaft einzutreten. Mit freudiger Genugtuung bemerkte ich die tadellose Disziplin, ivelche selbst in den ausgelassensten Augenblicken fröhlichen llebermutes nicht versagte, ulld id) dachte mit stillem Neide darüber an die Schwierigkeiten, ivelche gerade in dieser Hinsicht jeder zu überwinden hat, der im bürgerlichen Vereinsleben für ideale Zwecke wirkt; ist dod) besonders bei der jüdischen Intelligenz die Steigung des Einzelilen, sid) im Interesse des Ganzen muerzuordneu und zu bescheiden, im allgemeinen recht gering: jeder will führen, keiner sich führen lassen. Und dann das öuj'jcie Auftreten der korporierten Studenten! Glicht ganz mit Unrecht sagt man uns Inden nod), das; wir uns vielfach in unserem Benehmen gehen lassen, das; wir, von Haus aus ungeübt in den Umgangsformen der besseren Gesellschaft, bald zu viel, bald zu wenig tun. Diese „Gheitospnren" beseitigt die stramme Erziehung der Studentenverbindung gründlich, und deshalb soll man ans jene nur scheinbar kleinlidisten Vorschriften auf die Farben und alles, was damit zusammenhängt, nicht spöttisch herabsehen : sie sind durchaus wichtig, denn sie zwingen den jungen Studenten, stets ans sich zu achten und sid) zu benehmen, wie es die feinere Sitte unseres gelneinsamen Vaterlandes nun einmal erheisdit. Die Hauptsadie aber, welche denc prüfenden Blicke an den zahlreichen Teilnehmern jener glänzenden Versammlnvg überaus wohltuend auffiel, das war die gehobene Seelenstimmung der farbentragenden Jllgend; nicht das Strohfeuer einer Bierbegeisterung leuchtete aus ihren Augen, man sah es ihrer stolzen Haltung an. man hörte es aus ihren Reden, ihren Gesäugen, das; die Selbstachtung in ihren Herzen feste Wurzel geschlagen har, das; sie alle ernstlich entschlossen sind, mit Wort und Tat für die uns im nur noch vorenlhaUenen Menschenrechte an;mu;l'u. In diesem Kreise findet die Abfallsenche keine Spfer mehr — das ist meine Ueberzcugung! Darum sprach der Breslauer Vertreter des Zentral-Vereins, Herr Sanitätsrat br. Reich, mir so red)t aus der Seele, als er freimütig den Irrturn der älteren Generation bekannt.', bie bei Beginn der jüdischen Studentenbeivegung voller Misstrauen und Abneigung auf diese neue Erscheinung blickte, von ihr nicht Förderung, sondern Schädigung des Judentums ern ukele; freudig erkannte er jetzt an. das; die Jugend aus ihrem richtigen Ernpfindert heraus das Ked)t behalten hat. wo der kühl wägende Verstand der Alten den einzig rid)tigen Weg. Trost gegen Zurücksestung, Gewalt gegen Gewalt zu iesten. als gefährlich und schädlich verurteilt baue. Heil uuserer jüdisd)eu akademischen Jugend, das; sie deu Kamps gegen die Feinde des Iudentnnls, die zugleich Feinde jeder wahren Kultur sind, so mannhaft und and) e-'ckgreich führt! Heit vor allem jenen Männern, i u vor 25 Jahren fiel) nicht durch eine Welt von Vmuneilen beirren ließen, die Saat auszastreueu —- m haben sie oft genug auch mit ihrem Blute gelr-mU —, welche jetzt so schöne Früchte zu zeitigen beginnt! Ihnen gebührt uufer aller Dank, ihnen besonders auch der Dank der jetzt studierenden Jagend. Ihr wißt es ja garuicht, Ihr jungen Fn müde. wie viel besser Ihr es habt, als wir es hatten. Wo wir einsam unseres Weges gehen mnstten. oft von Kränkungen und Zurücksetzungen verfolgt, denen wir meistens rnad)t- und wehrlos gegcnüberstanden, da ist Euch jetzt eine Heimat bereitet, die Euch reiche Freuden bietet, Euch sd)üsti und Euch befähigt, imierlicl) und äußerlich den feindlichen Gewalten des Gebells zu begegnet'.' Heil Euren Verbindungen! Wenn nichts anderes erreicht ist, so ist das sicherlich u>atjr, was ein Festlied der Viadrina singt: „Durch eilien Preis sd)on können wir belohnt uns fühlen: Uns achten, haben mir den Feind gelehrt\* Aus Euren Reihen melden die Kämpfer hervorgehell, die das vollenden, was uns vielleicht nicht mehr gelingt. Quod felix faustumque sit!