KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 3 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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45 Mendelsohn. der Gabriel Riesser nicht Lügen, strafen, der des für das Vaterland vergossenen jüdischen Blutes nicht spotten wollte, hatte keine Veranlassung zu kosmopolinschem Weltbeglückertum. Er war Deutscher, so gut wie einer, und die Gefahr lag näher, das; er seines Judentums, der ..alten Erinnerungen". die ihm auch Treitschke gern erhalten wollte, eher vergas; als seines Deutschtums. In richtiger Erkenntnis ihrer Zeit unternalun es denn auch die Viadriua. ihre Glaubensgenossen anizurttfen zur Wahrung der Ehre und des Rechts der Juden, nicht zur Abwendung vom KosmopotilisnnlS oder zur Bekehrung zu deutscher Gesinnung, die ihr schlechthin als s e l b st v e r - st a it d l i ch erschien Aber die Zeiten ändern sich. tmt>, was vor 25 Jahren unseren Glaubensgenossen selbstverständlich war, scheint heute eines klaren, jedes Mißverständnis ansschliehenden Ausdrucks, einer kräftigen Aelounng zu bedürfen. '.Und) wie vor hat zwar die Idee des inte r national e n I u d e n t u m s auf eine Unterstützung durch das deutsche Jndentiun verzichten inüssen Aber es läßt sich nicht leugnen, daß der seither aufgetauchten, über die Grenze der einzelnen Staaten hmausgreifenden z i o n i st i s ch e n 'U e;v e g u n g Molneitte iunowohnen. die Bedenken hillsichtlich jener Selbstverständlichkeit rechtfertigen. Gepredigt und organisiert von hervorragenden, tatkräftigen Geistern, ausgenommen oou einer hoffenden, zugleich hütsesnchenden und opferfreudigen Menge, hat der lnessianische Gedanke des Zionislnus auch unter dert deutschen Juden eine verhältnismäßig zwar nicht große, doch auch nicht zu unterschätzende ZaklI von Anhängern gewonnen. Seine volksbetretenden Verheißungen, seine auf edle unb großartige Ziele gerichteten Bestrebungen haben insbesondere in den Herzen der begeisterungs fähigen, gern begeisterten akademischen Jugend Widerhall gefunden. Wie sollte sich unser Verband zu dieser Bewegung stellen? Denn daß wir uns in irgend einer Form zu äußern halten, war unzweifelhaft. Kein deutscher Akademiker jüdischen Glaubelts, geschweige denn ein großer jüdischer Studentenverband. darf, ja kann heute an diesem Problem, das an unser innerstes Erleben, an unsere höchsten Ziele rührt, mit geschlossenen Augen vorübergehe,i. Da nach der Zusammensetzung unserer Korporationen es von jeher ausgeschlossen war, daß der 5k. E. sich von Verbands wegen zum Zionismus bekennen 'S Hkfc mörZich nur tcdnier. seine Bctrrc düngen ab — in es auch nur durch eine positive Formulierung u n s e r e s P r o g r a m m s, dttrch die die Abgrenzung gegenüber den uns gegensätzlichen Bestrebungen hiltläriglich ersichtlich war, — oder wir verhielten uns neutral. Auch wer den heutigen Standpunkt des K. C. für den einzig richtigen hält, wird eS billigei; müssen, daß der Verband zunächst eine abwartende, der Neutralität ähnliche Stellung einnahtlt. Die ursprüngliche'Fassung unseres Tendenzparagraphen spricht zwar von unserm ^deutschen Vaterlande", betont aber in seinem Absatz 2 ausdrücklich. daß die Verbindungen im K. C. keine Stellung zu irgend welchen politischen Sonderbestrebullgen innerhalb des Judentumnehmen. In dem Maße aber, iit dem der ZioniSmuuln sich griff vornehntlich wohl infolge der Gründung zionistischer Vereine Ulrd Verbindungen au deutschen Universitäten —, erwuchsen und mehrten sich in unseren Reihen Zweifel. an der ZulängtichkeitdesTendenzparagrav!,sn. Die infolgedessen innerhalb des Verbandes eiufetzende Bewegung erzielte zunächst die Einschaltung der Worte „ans deutsch-vaterländischer Grundlage" im Absatz! des Teudenpzaragraphcn, während der Absatz 2 einstweilen unverändert blieb. Es kann heute keinem Zweifel mein’ unterliegen, daß diese Fassung in sich widerspruchsvoll »rar und den Kern zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten in sich barg; sie stellt — gewissermaßen - im ersten Absatz unsere Bewegung aus eine deutsch-vaterländische Grundlage, während sie iin Ad'atz 2 die Neutralität unserer Bewegung ossen<->'.r auch solchen jüdisch politischen Bewegungen gegenüber proklamiert. die auf einer andern als der deutsch-vaterländischen Basis beruhen. Diese Unklarheit mußte zu schweren Mißständen führen, znmal die wetteifernden zionistischen Korporatn-nen mit einem lückenlosen, dentungsfreien Programm auftreten konnten. Jrnmcr mehr brach sich daher im Verbände die tteberzeugnng Bahn, daß die anfänglich ans der; Schild gehobene Nen!r,.lität uns nicht länger regieren durste, wenn anders nicht'ein Zwiespalt in den eigene;; Reiher; unsere Stoßkraft lähmen und darnit unseren eigentlichen Zweck, die Bekäinpfung des Antisernitismus. gefährden sollte. War aber erst einmal der Entschluß zur Entscheidung gefaßt, so tonnte es. solange noch ein Funke des alten Viadrinengeistes in unS lebte, u'cht zweifelhaft sein, wie die Würfel fallen würden. Aus heißer Debatte heraus geboren, mag die nun geltertde Fassung unserer Tendenz stilistisch nicht einwandfrei sein. Klar und deutlich aber gibt sie unsere Neberzeugnng wieder, daß wir uns. daß wir die deutschen Juden, als Teil des deutschen, nicht als Teil eines lüdischen Volkes betrachten: diese Ueberzengung bildet die Grunds.7.7'» U.H.'■’.lpC”T<'," ~ d-och aber schien das höchste Stuß von Klarheit nicht erreicht zu sein. Nicht alte, die sich zum Zionismus bekennen, lassen seine offizielle Erklärung in; Baseler Programm uneingeschränkt gelten. Diese kann überhaupt nicht die Grundlage für unsere Stellungnahme abgeben, weil sie gerade in den uns be-